Unser Statistiker Werner Welsch zieht eine Zwischenbilanz

Die Zahlen der Bundesliga-Hinrunde

Wenn die Bayern spielen, ist die Hütte immer voll: Seit 2007/2008 sind die Heimspiele des Deutschen Rekordmeisters ausverkauft. Auf unserem Bild jubeln (von links) Robert Lewandowski, Joshua Zirkzee und Serge Gnabry über einen Treffer gegen Wolfsburg.
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Wenn die Bayern spielen, ist die Hütte immer voll: Seit 2007/2008 sind die Heimspiele des Deutschen Rekordmeisters ausverkauft. Auf unserem Bild jubeln (von links) Robert Lewandowski, Joshua Zirkzee und Serge Gnabry über einen Treffer gegen Wolfsburg.

Für die Bundesliga gibt es nun die Zahlen der Hinrunde: Unser Statistiker Werner Welsch zieht eine Zwischenbilanz.

Kurz vor dem Start in die Rückrunde der Fußball-Bundesliga werfen wir noch einmal einen Blick zurück: Unser Statistiker Werner Welsch hat einmal zusammengetragen, welche Zahlen in dieser Saison besonders auffielen. Wir haben sie nach Kategorien geordnet.

Leipzig erstmals Herbstmeister

Die Münchner standen letztes Jahr zum ersten Mal seit 2011 nach dem 17. Spieltag nicht auf dem 1. Platz. Da thronte Dortmund mit sechs Punkten Vorsprung. In diesem Jahr steht der RasenBallsport Leipzig an der Spitze mit zwei Punkten mehr als Borussia Mönchengladbach und vier Punkten vor dem Rekordmeister FC Bayern. Zudem haben die Leipziger mit ihren 48 erzielten Toren die 100er-Grenze am Ende der Saison im Visier, aber auch die Bayern mit 46. Der Rekordmeister hat 1971/72 diese Marke mit 101 bisher als einzige Mannschaft geknackt. Eine Garantie für die Meisterschaft sind 46 Tore oder mehr aber nicht, in den 56 Bundesligajahren vorher ist dies zwar 16-mal vorgekommen, aber führte nur 5-mal zum Titelgewinn. Rekordhalter sind mit 51 Toren in der Hinrunde der 1. FC Köln (Saison 1977/78, am Ende Meister) und Werder Bremen (Saison 1984/85, am Ende Vizemeister). Eine interessante Rückrunde ist vorprogrammiert und es wird hoffentlich eine spannende Meisterschaft bis zum letzten Spieltag.

Deutlich mehr Tore und Auswärtssiege

Gab es im vorvorletzten Jahr schon 16 Tore mehr als 2016, so steigerte sich die Liga 2018 auf 465 Tore, das waren 41 mehr als 2017 und ergab 3,04 pro Spiel (2017: 2,77). In dieser abgelaufenen Vorrunde wurde mit 492 Toren (3,2 im Schnitt) die 500er-Marke fast geknackt, weil am 17. Spieltag nur 21 Tore erzielt wurden. Am 10. Spieltag Anfang November fielen mit 35 die meisten (= 3,9 pro Match), zwei Wochen vorher mit 20 (= 2,2 im Schnitt) die wenigsten Tore. Auffallend die nochmalige Steigerung der Auswärtssiege, 51 gegenüber 46 in 2018 und 40 in 2017. Dagegen gab es mit 33 fünf Remis weniger, die Zahl der Heimsiege blieb gleich: 69 (2017: 68).

In dieser Hinrunde gab es „nur“ 40 Doppelpacks, also Spieler, die in einem Spiel zwei Tore oder mehr erzielten. Darunter waren sogar sechs Dreierpacks: Werner, Leipzig, 2, Coutinho und Lewandowski, beide FC Bayern, Hennings, Düsseldorf und Quaison, Mainz, jeweils 1.

Robert Lewandowski vom Rekordmeister hat die meisten Doppel-/Dreierpacks erzielt: 5. Jetzt hat er insgesamt 58 und Jupp Heynckes (51) deutlich abgehängt. Gerd Müller allerdings mit seinen 87 Doppelpacks erscheint weiterhin unerreichbar. Mit „Lewa“ gleichgezogen hat durch seine fünf Doppelpacks (darunter zwei Dreierpacks, s.o.) Timo Werner vom Herbstmeister Leipzig.

Wieder viele Joker-Tore

2018 kamen nach der Vorrunde (77) noch 69 hinzu, sodass es einen phantastischen neuen Rekord für die Ewigkeit gab: 146 Joker-Tore, das sind 4,3 pro Spieltag. Die 56 (2017: 47) aus der laufenden Saison können sich ebenfalls sehen lassen. Ein Phönix aus der Asche wie im letzten Jahr Paco Alcacer tauchte dieses Mal nicht auf. Sieben Mal eingewechselt, erzielte er unglaubliche zehn Joker-Tore. Am Ende der Saison waren es 12 bei 15 Einwechslungen.

In dieser Vorrunde gelang es neun Akteuren, jeweils gerade zwei Mal als Joker zu treffen: Embolo und Thuram (beide Gladbach), Ibisevic (Hertha BSC), Kutucu (Schalke), Locadia (Hoffenheim), Nkunku (Leipzig), Onisiwo (Mainz), Polter (Union Berlin) und Zirkzee (FC Bayern). Letzterer schoss das 50. Joker-Tor in der Vorrunde zum 2:1 kurz nach seiner Einwechslung beim 3:1-Auswärtssieg der Bayern in Freiburg in der 92. Minute in seinem ersten Bundesligaspiel. Drei Tage später sorgte er mit dem 1:0 gegen Wolfsburg fünf Minuten vor Spielende für sein zweites Joker-Tor.

Die erfolgreichsten Vereine waren Herbstmeister RB Leipzig mit sieben Jokertoren, gefolgt von 1899 Hoffenheim (6) und Hertha BSC sowie FC Bayern (je 5). 2018 hatten die Dortmunder zu diesem Zeitpunkt schon 14-mal durch eingewechselte Spieler getroffen. Am wenigsten aufmerksam gegen Einwechsler waren mit jeweils 5 Gegentoren durch Joker: Augsburg (2018 „Spitzenreiter in dieser Statistik mit 9 Jokertoren gegen sich), Hertha BSC, Bremen, Düsseldorf und Mainz.

Aus- und Einwechslungen

Insgesamt wurde 891-mal aus-/eingewechselt (2018: 893, 2017: 892), von 918 möglichen. Die Frankfurter wechselten am 7. Spieltag beim 2:2 gegen Bremen als einziges Team in der Vorrunde nur einen Spieler ein. Sie machten nur 46-mal (bei 51 möglichen) vom Wechseln Gebrauch. 5 Vereine (Augsburg, Union Berlin, Gladbach, Leipzig und Paderborn) dagegen tauschten in jedem Vorrundenspiel drei Spieler aus.

Die meisten Einwechslungen verzeichnete der Bremer Altmeister Claudio Pizarro: 12-mal in 12 Spielen. Am häufigsten, 10-mal, vom Feld geholt wurden Joao Victor (Wolfsburg) in 16 und Höler (Freiburg) in 17 Spielen. Es gab zwei Akteure, die 15-mal weniger als 90 Minuten auf dem Platz standen: Brekalo (Wolfsburg, 7 aus-/8 eingewechselt) in 15 und Thommy (Düsseldorf, 8/7) in 17 Spielen.

Immer dabei

42 Spieler absolvierten alle 17 Vorrundenspiele. Keine einzige Minute verpassten davon wie in der letzten Vorrunde 15 Spieler (2017: 19, 2016:14, 2015: 25), davon neun Torhüter Baumann (Hoffenheim), Gikiewicz (Union Berlin), Horn (Köln), Hradecky (Leverkusen), Koubek (Augsburg), Neuer (FC Bayern), Pavlenka (Bremen), Sommer (Gladbach) und Steffen (Düsseldorf). Die Feldspieler sind: Guilavogui (Wolfsburg), Günter und Koch (beide Freiburg), Oczipka (Schalke), Trimmel (Union Berlin) und Zimmermann (Düsseldorf). Bereits 26 Spieler setzten Bremen und Hertha BSC ein, die wenigsten Leverkusen mit 21.

Elfmeter

Der Top-Wert aus der gesamten Saison 1974/75 (126) ist in weiter Ferne, denn es wurden in dieser Herbstserie „nur“ 41 (Vorjahr: 46) Elfmeter verhängt, am 3. Spieltag gar keiner. Das sind sogar 11 weniger als 2017. Aber nur acht wurden verschossen (7 gehalten, einer an den Pfosten). Das ist eine Erfolgsquote der Schützen von 80,5 % (Vorj.: 85%, 2017: 82%, 2016 sogar nur 64%).

Hennings (Düsseldorf und Werner (Leipzig) verwandelten ihre drei Elfer. Klaassen (Bremen) traf einmal, scheiterte aber an Gikiewicz (Union Berlin) und Sommer (Gladbach). Die meisten, nämlich fünf Elfmeter bekamen zugesprochen: Leipzig (alle verwandelt), Union Berlin und Freiburg (4) sowie Bremen (nur 3). Gegen Schalke wurden sechs 11er verhängt (alle verwandelt), fünf gegen Hertha BSC Berlin (auch alle drin) und Köln (4 kassiert). Fünf Mal standen die Torhüter Jarstein (Hertha BSC) und Horn (Köln) einem gegnerischen Schützen gegenüber. Nur Horn konnte gegen Hahn, Augsburg, parieren.

Torhüter

Hradecky (Leverkusen), Neuer (Bayern) und Sommer (Gladbach) gingen in ihren jeweils 17 Einsätzen fünf Mal mit weißer Weste vom Platz. Die meisten Tore kassierten im Kasten von Werder Bremen Jiri Pavlenka mit 41 vor Zackary Steffen (Düsseldorf) 36, Timo Horn (Köln) 32 und Koubek (Augsburg) 31. Diese vier standen in allen 17 Spielen im Tor.

Gelbe Karten/Platzverweise

Insgesamt wurden in der Hinserie 562 gelbe Karten (2018: 534, 2017: 516, 2016: 568) gezückt und 17 gelb-rote Kartons (Vorj.: 11) gezeigt. Die meisten bei den Spielern kassierten Tisserand, Wolfsburg 8, von denen er sechs (darunter 1 gelb-rote) in fünf Spielen in Folge sah, und Andrich (Union Berlin) 7.

Das unfairste Team der letzten drei Jahre waren in 2016 und 2017 die Frankfurter mit 39 bzw. 48 gelben Kartons. In 2018 wurden sie von den Schalkern abgelöst: 42 gelbe. In diesem Jahr teilen sich diesen zweifelhaften ersten Platz die Düsseldorfer (44 gelbe) und die Kölner (42 gelbe und eine gelb-rote).

Die fairste Mannschaft ist wie letztes Mal Dortmund mit 18 gelben Karten: davon 16 gelbe und eine gelb-rote (Vorj.: 20). Ihnen folgen Freiburg mit 21 und Herbstmeister Leipzig mit 25 (beide auch jeweils eine gelb-rote darunter).

Das unfairste Spiel mit 7 gelben Kartons und zwei gelb-roten Karten war das Match zwischen Köln und Augsburg am 13. Spieltag.

Es gab auch wieder mehr Platzverweise: 17 gelb/rote (Vorjahr 11, davor 8 und 16) und immerhin 14 (2018: 9, 2017: 15, 2016: 19) rote Karten. Die insgesamt 40 Hinausstellungen aus der Saison 2015/16 werden wohl nicht unterboten. Rekord sind immer noch die 98 aus der Saison 1994/95.

Der „böse Bube“ der Vorrunde war Leon Bailey aus Leverkusen. Er flog gleich zweimal vom Platz, und zwar jeweils mit glatt rot als Einwechselspieler. Das hat es auch noch nie gegeben. Dazu passt, dass die Chemiestädter auch der unfairste Verein waren: fünf ihrer Spieler mussten vorzeitig das Spielfeld verlassen. Außer Bailey waren das Dragovic und Wendell mit gelb-rot sowie Tah mit rot. Wenn sie so weiter agieren, dann werden sie mit ihren jetzt insgesamt 135 Platzverweisen seit ihrem Aufstieg im Jahr 1979 den zur Zeit in der 2. Liga spielenden VfB Stuttgart einholen. Der hat nur 3 Hinausstellungen mehr zu verzeichnen. Ganz ohne einen solchen Spielerverlust blieben nur drei Vereine (2018: immerhin sechs, 2017: 7, 2016: nur 2): Düsseldorf, Hoffenheim und Paderborn.

Der Schiedsrichter mit den meisten Platzverweisen war Stieler mit 4 vor Brych und Gräfe mit je 3.

Eigentore

Gab es so viele wie lange nicht mehr, immerhin 13 (2018 nur sieben). Drei Mal netzten die Dortmunder ins eigene Tor ein, durch Akanji, Delaney und Hummels. Leverkusen und Schalke durften sich hingegen dreimal über Selbsttore ihrer Gegner freuen.

Trainer-Entlassungen

Dieses Mal gab es fast die wenigsten Trainer-Entlassungen aller Bundesliga-Zeiten. Nur drei Übungsleiter mussten vorzeitig gehen. Noch nie war es vorgekommen, dass der Rekordmeister FC Bayern den ersten Trainer in einer Saison entlässt. Jetzt traf es Niko Kovac, den Double-Trainer des Vorjahres. Außerdem erwischte es Achim Beierlorzer beim Neuling 1.FC Köln. Er übernahm nach der Länderspielpause den FSV Mainz 05, der einen Tag nach den Kölnern seinen Trainer Sandro Schwarz feuerte.

2018 waren es sogar nur zwei (Korkut und Herrlich), am Ende der Saison dann allerdings doch acht. Vorvorletztes Jahr traf es fünf, 2016 sogar acht Trainer schon bis zum 17. Spieltag. Nur in der Saison 1972/73 gab es in der Vorrunde überhaupt keine Entlassung, da wurde nach dem 23. Spieltag der erste Trainer entlassen (Hipp, Hannover).

Schiedsrichter

Die meist beschäftigten Schiedsrichter waren Felix Brych (München) mit 9 sowie Siebert, Stieler und Zwayer mit je 8 Einsätzen in der Eliteliga. Brych erhöhte dadurch sein Gesamtkonto auf 274, Gräfe (6 Spiele) auf 263 geleitete Spiele in der Bundesliga. Dadurch rückt Brych näher an den auf Platz 3 stehenden Meyer (286 Einsätze) heran.

Zuschauer

Mit 6,321 Millionen Zuschauern (Vorjahr: 6,638) kamen mehr als 300.000 Zuschauer weniger (und mehr als eine halbe Million gegenüber 2017) zu den 153 Matches als 2018. Das sind im Schnitt 41.314 (2018:43.516) pro Spiel und damit immer noch absoluter Europarekord. Es liegt aber auch daran, dass mit Hannover, Nürnberg und Stuttgart drei Vereine mit größeren Stadien in die 2. Liga abgestiegen sind als in die Eliteliga aufgestiegen (z.B. FC Union Berlin und Paderborn).

Die meisten Zuschauer pilgerten wie 2018 in folgende Stadien: Dortmund 81.750 (letztes Jahr 81.000 pro Heimspiel), FC Bayern 75.000 und Schalke 61.444 (Vorjahr 62.250). Bemerkenswert: Die Bayern bauen ständig einen Rekord aus, der einzigartig in der ganzen Welt ist: Sie haben in den 12 kompletten Spielzeiten seit 2007/08 und auch in der Vorrunde dieser Saison immer ein volles Haus gehabt: Das letzte nicht ausverkaufte Spiel war das 0:0 gegen Bochum am 30.01.2007, da waren „nur“ 64.000 im Münchner Stadion bei damals 67.000 Plätzen. Seitdem: 219 Heimspiele immer ausverkauft.

Von Werner Welsch

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