Vor neun Tagen explodierten drei Sprengsätze

BVB-Anschlag rekonstruiert: Das sind die neuen Erkenntnisse

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Ermittler des Bundeskriminalamts (BKA) rekonstruierten am Mittwochabend den Anschlag auf den BVB-Bus.

Dortmund - Neun Tage nach dem Sprengstoff-Anschlag auf den Mannschaftsbus von Borussia Dortmund haben Ermittler des BKA die Tat rekonstruiert. Ein islamistischer Hintergrund wird immer unwahrscheinlicher.

Mit einem Ersatzbus haben Ermittler des Bundeskriminalamts nochmal die Fahrt angetreten, die für die Mannschaft des BVB am 11. April ein dramatisches Ende fand. Der Bus, der auf dem Weg zum Dortmunder Stadion war, schaffte es vom Mannschaftshotel gerade einmal rund 100 Meter. Dann explodierten beinahe simultan drei Sprengsätze. Das ZDF dokumentiert in einem Video, wie die Ermittler die Tat rekonstruierten.

Mehr als 100 Spezialisten fahnden auch neun Tage nach dem Anschlag in alle Richtungen. Die Ereignisse sollen minutiös nachgestellt werden. Nach den neuesten Erkenntnissen wird immer klarer, dass die Mannschaft von Borussia Dortmund nur haarscharf einer Katastrophe entgangen ist. Sichtverhältnisse, Entfernungen, Winkel - bei der nachgestellten Fahrt vorbei an der Hecke, in der die Sprengsätze deponiert waren, ist jeder einzelne Parameter wichtig.

Ermittler sicher: So lief der Anschlag ab

Um 19.15 Uhr startete der Bus vom Mannschaftshotel in Richtung Stadion. Dort sollte um 20.45 Uhr das Viertelfinal-Hinspiel in der Champions-League der Borussen gegen AS Monaco angepfiffen werden. Doch so weit kam es an diesem Abend nicht. Denn die Busfahrt war bereits nach 100 Metern zu Ende. Drei Sprengsätze, gefüllt mit Metallstiften, detonierten im Abstand von wenigen Metern in einer Hecke am Straßenrand. Die Bomben waren zur Fahrbahn hin ausgerichtet.

Nur eine Ladung traf den Bus an der hinteren rechten Seite. Der spanische Mittelfeldspieler Marc Bartra wurde von Splittern am Arm verletzt, musste im Krankenhaus operiert werden (Lesen Sie hier seine emotionale Kabinenansprache vor dem Rückspiel am Mittwoch gegen AS Monaco). Ein Großteil der Geschosse flog über ihn hinweg, schlug an Hausmauern und in geparkten Autos ein. Experten gehen davon aus: Eine Sekunde früher gezündet und tiefer gezielt - der Anschlag hätte mehr Verletzte, vielleicht sogar Tote gefordert. 

Ein Terror-Experte sagte dem ZDF: „Es war ein sehr professioneller Täter. Sprengstoff und Zünder haben eine militärische Qualität. Das Anschlagsziel wurde offenbar bereits Tage zuvor ausgespäht.“ Die Sprengsätze wurden vermutlich mit einem Funkfernzünder aktiviert. Daraus lässt sich folgern, dass der Täter zum Anschlagszeitpunkt in der Nähe, zumindest in Sichtweite war. 

Wer steckt hinter dem Angriff auf die Dortmunder?

Noch können die Ermittler nicht sagen, welchem Spektrum der Anschlag zuzuordnen ist. Radikale Hooligans, die Wett-Mafia oder Terroristen - derzeit ist alles möglich. Aber: Der erste Verdacht, es würde sich um islamistische Täter handeln, wird nach der Rekonstruktion der Tat immer unwahrscheinlicher.

Beim Rückspiel in Monaco erlebten die Dortmunder Spieler und Verantwortlichen einen neuen Schreckens-Moment. Die Abfahrt vom Mannschaftshotel in Monaco zum Viertelfinal-Rückspiel verzögerte sich um eine halbe Stunde. Die Partie wurde deshalb auch fünf Minuten später angepfiffen. Die monegassische Polizei verunsicherte die Dortmunder mit ihrer Erklärung zusätzlich. Am Ende verlor der BVB auch das Rückspiel. Nach dem 2:3 in Dortmund und dem gestrigen 1:3 sind die Schwarz-Gelben aus der Champions-League ausgeschieden.

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Bilder: Ermittler rekonstruieren Anschlag auf BVB-Bus

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