Confed-Cup 2017: Unnötige Belastung oder wertvoller Test?

Wenn diesen Sommer wieder Nationalmannschaftsfußball gespielt wird, werden viele der bekannten Akteure aus Jogi Löws erster Mannschaft nicht mit von der Partie sein.

Beim Confed-Cup in Russland tritt man wahrscheinlich mit einer jungen Truppe vor halbvollen Rängen auf. Wie sinnig ist das Turnier, das gerne als Generalprobe für die WM bezeichnet wird wirklich?

Die Clubsaison neigt sich wieder dem Ende zu und den Protagonisten stecken meist mehr als fünfzig Spiele in den Knochen, manchen Spielern in England oder Spanien gar mehr als sechzig. Jérôme Boateng, Mats Hummels, Marco Reus, André Schürrle, Manuel Neuer und viele mehr. Die Liste der verletzten oder angeschlagenen A-Nationalspieler liest sich wie ein who-is-who des deutschen Fußballs. Nun soll die DFB Elf ab 18. Juni zusätzlich noch ein etwa zwei Wochen langes Turnier in Russland spielen, den Confed-Cup. Dieses Turnier wird von der FIFA seit 1997 immer im Jahr vor der Weltmeisterschaft im Gastgeberland ausgetragen und besteht aus den Siegern der jeweiligen Kontinentalverbandsturniere, dem Weltmeister und dem Gastgeber. Deutschland nahm bislang 1999 und 2005 mit jeweils mäßigem Erfolg teil, Rekordsieger mit vier Titeln ist die Selecao aus Brasilien. 

Unlängst hatte Mats Hummels Bundestrainer Jogi Löw bereits signalisiert, dass er ihm nicht böse über eine Nichtnominierung für das Turnier wäre. Auch viele andere gestandene Profis sehen das nach einer langen Saison ähnlich. Nach den großen Turnieren 2014 und 2016 sehnen sie sich nach einer echten Sommerpause. Löw wird also wohl auf ein sehr junges Team setzen, in das er einige wenige Stammspieler einstreuen wird. Für diese Jungen ist das Turnier eine Möglichkeit, Erfahrung im Dress des A-Nationalteams zu sammeln und sich für den Ernstfall, die FIFA WM 2018, zu empfehlen. Spieler wie Leon Goretzka, Niklas Süle, Max Meyer, Julian Weigl oder der junge Benjamin Henrichs könnten so erstmals bei einem Turnier der A-Mannschaften richtige und wichtige Einsatzzeit bekommen. 

Dies bringt uns zum letzten, recht gravierenden, Problem des Confed-Cups. Sieht man sich die bisherigen Zahlen bei den Ticketverkäufen und das öffentliche Interesse an so kommt man zu dem Schluss, dass das Turnier sich bislang nur mäßiger Beliebtheit erfreut. 

Das merken auch die Medien. Nils Römeling, Betreiber der Fußball-Webseite Confed-Cup.de: „Viele Fußballfans wissen gar nicht, dass das Turnier in diesem Jahr stattfindet. Wir hoffen aber, dass sich das noch ändert!“. 

Nur etwa ein Drittel der 695.000 Karten wurden bislang abgesetzt, in den gängigen Sportzeitschriften ist der Cup bislang eine Randerscheinung. Den Grund dafür sehen viele Verantwortliche in Russland und bei der FIFA bei Trainern wie Löw, die das Turnier dezidiert als Chance für Perspektivspieler sehen und die Stars zuhause lassen möchten. Eine Taktik, die sicherlich ihre Daseinsberechtigung hat und im Hinblick auf den Generationenwechsel im Team Löws ein kluger Schachzug sein dürfte. Ob man sich bei einem wahrscheinlich derart jungen Kader Hoffnungen auf Erfolge und somit etwas mehr mediale Aufmerksamkeit machen können wird bleibt jedoch abzuwarten.

Rubriklistenbild: © dpa

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