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Filip Kostic - die filigrane Dampfwalze aus Frankfurt

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Filip Kostic (links) spielt Katz und Maus mit Mitchell Weiser.

Eintracht Frankfurt braucht Wildheit im Spiel – Filip Kostic weiß, wie es geht.

Die Zeit rennt. In gut zweieinhalb Wochen werden sich die Nationalspieler aller Vereine schon wieder mal auf Reisen begeben und ihre Farben bei diversen Ländervergleichen vertreten. In der Zwischenzeit geht es für die international im Einsatz befindlichen Klubs hoch her, sechsmal binnen 18 Tagen müssen sie ran, was nicht nur der Frankfurter Trainer Adi Hütter „brutal“ findet. In dieser kurzen Zeitspanne muss der Fußballlehrer Mittel und Wege finden, um die Strapazen erträglich zu halten, die Belastungen durch entsprechende Regenerationsmaßnahmen und Personalrochaden tolerierbar zu machen. 

Eintracht Frankfurt: ob Lüttich, Pauli oder Bayern - alle drei Tage Höchstleistung

Und auch geistig muss die Mannschaft alle drei Tage bereit sein, Höchstleistungen abzuliefern – einerlei, ob gegen Lüttich in der Europa League, gegen St.Pauli im Pokal oder in der Liga gegen Bayern oder Freiburg. Die Spannung und die Konzentration hochhalten, nie den Fokus verrutschen lassen – das ist auch eine große Kunst.

In der vergangenen Saison hat Eintracht Frankfurt den Spagat zwischen Glanzstücken und Alltag gut hinbekommen, ist die Aufgaben mit großer Begeisterung oder der erforderlichen Seriosität angegangen. Das ging lange gut, erst gegen Ende der vergangenen Saison hat die Mannschaft den vielen, vielen Spielen, 50 an der Zahl, Tribut zollen müssen – physisch und psychisch. Um die letzten Kraftreserven dieses Mal erst irgendwann spät im Frühjahr anzapfen zu müssen, hat die Eintracht an ein paar Stellschrauben gedreht: So soll das Spiel, erstens, eine andere Note erhalten, nicht mehr ganz so kräfteraubend und intensiv sein, dafür mit etwas mehr Spielwitz und -kontrolle einhergehen.

Eintracht Frankfurt ist dann gut, wenn es heißblütig wird

Das klappte bisher nur bedingt, die besten Leistungen warf die Mannschaft immer dann auf den Rasen, wenn sie wild, heißblütig und draufgängerisch auftrat. „Die Eintracht hat sich das Ungestüme auf die Fahnen geschrieben, das fast schon Anarchische“, schrieb die FR bereits nach dem 2:2 gegen Dortmund im September und riet daher: „Das Enthemmte ist ein zentrales Element des Frankfurter Stils, das sollte nicht außen vor gelassen werden.“ Zumal diese auch auf Emotionalität basierende Ausrichtung eine nicht zu unterschätzende Wechselwirkung mit den Zuschauern hervorruft.

Der Kader ist, zweitens, in der Breite verstärkt worden, Trainer Hütter hat deutlich mehr Möglichkeiten, das Personal zu wechseln, ohne massive Leistungseinbrüche befürchten zu müssen. Ein gutes Beispiel ist da der Wechsel in der Innenverteidigung. Nachdem Kapitän David Abraham zu Beginn schwächelte, sowohl fußballerisch als auch körperlich, sprang der junge Almamy Touré ein, zeigte aus dem Stand hervorragende Leistungen und verdrängte den Platzhirsch auf die Bank. 

David Abraham - Eintracht-Kapitän mit guter Leistung beim Comeback

Der wiederum bekam im letzten Bundesligaspiel gegen Leverkusen seine Bewährungschance, als Touré nach einer halben Stunde verletzt ausgewechselt werden musste. Abraham zeigte eine gute Darbietung, sehr abgeklärt und souverän. „Er hat in der letzten Zeit Kritik einstecken müssen“, sagte Coach Hütter und lobte seinen Anführer: „Er hat er ein tolles Spiel gezeigt.“

Das vielversprechende Comeback Abrahams ist für den Österreicher auch deshalb so wichtig, weil sich Touré schwerer verletzte. Der 23 Jahre alte Franzose, der in den zurückliegenden fünf Pflichtpartien in der Startelf stand, wird mit einer Sehnenverletzung im Oberschenkel mindestens vier Wochen fehlen. Gut also, dass sich der Kapitän wieder zurückgemeldet hat.

Adi Hütter setzt bei Eintracht Frankfurt auf Rotation

Hütter hat bereits angekündigt, in den kommenden Wochen verstärkt zu rotieren, das fällt ihm jetzt auch nicht mehr so schwer, weil er Vertrauen in die Nachrücker haben kann. Die haben vielleicht nicht ganz das Niveau der Profis, auf die der Trainer für gewöhnlich setzt, aber es gibt gewiss keinen eklatanten Leistungsabfall. Evan Ndicka, Timothy Chandler, Erik Durm oder Dominik Kohr kann Hütter bedenkenlos einbauen, das gilt natürlich auch für Mijat Gacinovic oder Daichi Kamada, auch Simon Falette hat schon seine Befähigung nachgewiesen, auf diesem Niveau mitzuhalten. Und im Sturm hat die Doppelspitze in fast allen Konstellationen funktioniert und getroffen, egal ob nun der zuletzt verletzte, davor aber gesetzte André Silva mit Goncalo Paciencia oder Bas Dost zusammenspielte oder die beiden Letztgenannten wie am vergangenen Freitag gemeinsame Sache machten und Leverkusen im Alleingang erledigten.

Im Kern kann Hütter auf jeder Position mit Augenmaß und von Zeit zu Zeit wechseln, nur zwei Fußballer sind davon fast schon kategorisch ausgenommen: Libero Makoto Hasebe und Flügelspieler Filip Kostic. Beide sind nicht zu ersetzen, beide sind eine Klasse für sich. Wie wertvoll auch und gerade Filip Kostic auf links ist, zeigte das Leverkusen-Spiel. Da schwang sich der Serbe zu einer famosen Leistung auf und knüpfte, nach einem leichten Durchhänger zu Saisonbeginn, an seine mitreißenden und herausragenden Auftritte aus der Vorsaison an. 

Filip Kostic: wie eine Dampfwalze über Leverkusen

Mit dem bemitleidenswerten Mitchell Weiser fuhr der fast 27-Jährige Schlitten, er ratterte wie eine Dampfwalze über den nach einer halben Stunde erlösten Leverkusener hinweg, war einfach nicht zu stoppen. „Beeindruckend“, sagte Adi Hütter, der schon vor der Partie den Eindruck hatte, dass „Filip sich sehr auf das Spiel freut“.

Kostic, der nach dem Abgang seiner Kumpels Luka Jovic und Ante Rebic etwas haltlos und verloren wirkte, habe die Latte in der letzten Spielzeit „sehr hoch gelegt“ (Hütter), und dann würden selbst ordentliche Leistungen vielleicht zu kritisch bewertet. „Aber er ist auf dem richtigen Weg.“ Unersetzlich ist er sowieso.

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