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Interview mit Ex-DFB-Vize Rolf Hocke: „Das hat zuletzt alles gelitten“

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Von: Maximilian Bülau

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Symbolbild für den DFB zuletzt.
Symbolbild für den DFB zuletzt: Ein Riss geht durch den Verband. © Imago/Ralph Peters

Wir erreichen Rolf Hocke, den ehemaligen DFB-Vizepräsidenten, in der Bahn auf dem Weg nach Bonn, wo heute der Bundestag des Deutsches Fußball-Bundes stattfindet.

Kassel – Ein Programmpunkt: die Wahl des Präsidenten. Hocke, 79, ist beteiligt, hat selbst eine Stimme. Der Mann aus Wabern im nordhessischen Schwalm-Eder-Kreis war selbst auch Präsident des Hessischen sowie des Süddeutschen Fußball-Verbandes. Im Interview spricht er über den aktuellen Vize-Präsidenten Rainer Koch. Hocke erklärt Fehler des Verbandes. Warum ist das Image des DFB mehr als nur beschädigt? Wie bewertet er die unruhigen Wochen beim HFV zuletzt? Und wie groß ist die Chance, dass ein neuer Präsident wirklich Wandel bringen kann?

Herr Hocke, ob Bernd Neuendorf oder Peter Peters: Was sind die größten Aufgaben des Neuen?

Inhaltlich und personell braucht es eine neue Führungsstruktur. Generell. Wir können es uns nicht mehr erlauben, dass Führungskräfte gegeneinander und nicht miteinander arbeiten. Das betrifft die Amateure, die Frauen, die Nationalmannschaft, die Verwaltung. Das hat zuletzt alles gelitten.

Haben Sie die Hoffnung, dass das gelingen kann?

Es ist mehr als eine Hoffnung. Der neue Präsident muss diese Dinge lösen. Ob er es wirklich kann, kann ich nicht sagen. Wir haben zwei Kandidaten. Welcher der bessere ist, kann ich nicht beurteilen. Ich habe beide kennengelernt. Bernd Neuendorf hat mich dabei mehr überzeugt.

Neuendorf gilt ohnehin als der haushohe Favorit, Peters als Außenseiter.

Es wird eine geheime Abstimmung geben. Da lege ich für niemanden die Hand ins Feuer. Ganz gleich, was er vorher gesagt und versprochen hat. Alles ist möglich.

Wie sieht die Zukunft für den DFB aus, sollte der neue Präsident – wie schon seine Vorgänger zuletzt – scheitern?

Darüber möchte ich gar nicht nachdenken. Das wäre das Schlimmste, was passieren kann. Wir wollen und brauchen den Neuanfang. Das Gegenteil wäre ein GAU, den ich in meiner Zeit in den Verbänden noch nicht erlebt habe.

Gibt es Personen, die den neuen Präsidenten daran hindern, lösungsorientiert zu arbeiten? Also ihn wissentlich bremsen?

Das kann niemand wollen. Es wurde jetzt häufig pauschal gesagt, dass es in den vergangenen Jahren so gewesen sei. Und wahrscheinlich muss es so gewesen sein. Aber ich glaube nicht, dass es in der kommenden Legislaturperiode so weitergeht.

Sie glauben an das Gute.

Ja, das ist bei mir von Haus aus so. Ich bin so lange für die Verbände tätig gewesen, kenne die Strömungen. Und derzeit sehe ich nicht, dass es Bestrebungen im Hintergrund in diese Richtung gibt.

Wie schwer wird es dennoch für den kommenden Präsidenten?

Es ist eine Herkulesaufgabe. Es ist wichtig, dass er alle, die Einfluss haben – inhaltlich und fachlich – einbezieht.

Woran liegt es, dass das Image des DFB so lange so gelitten hat?

Es gab in der Führung absolut unterschiedliche Auffassungen. Leider Gottes haben dabei zum Teil die eigenen Interessen mancher Leute im Vordergrund gestanden.

Viele sagen: Ein Neuanfang mit Rainer Koch ist nicht möglich, da er genau in diese Kategorie gehört, die Sie gerade erwähnt haben. Was sagen Sie?

Erst mal: Es gibt für mich keinerlei Anzeichen, dass im Hintergrund gerade unseriös gearbeitet wird. Wer das derzeit macht, der hat keine Zukunft beim DFB. Klar, ein absoluter Neuanfang wird angestrebt. Aber: Der eine oder andere trägt jetzt gerade in einer internationalen Position für den Verband Verantwortung. Und wir müssen sicherstellen, dass wir uns international nicht isolieren.

Der HFV hat zuletzt nicht das beste Bild abgegeben. Nun sind Sie in dieser Frage natürlich nicht unbefangen. Was denken Sie?

Stefan Reuß ist für mich ein Fachmann. Loyal. Ein Glücksfall für den HFV. Hinsichtlich der schlechten Arbeit beim DFB musste er als Präsident sehr stark sein. Ich möchte jetzt für die anderen, die in diesem Zusammenhang der Berichterstattung eine Rolle gespielt haben, keine Schulnoten verteilen. Ob Ralf Viktora gerade der richtige Schatzmeister für den DFB wäre, will ich nicht einschätzen. Nach den Vorkommnissen der Vergangenheit trägt der Schatzmeister beim DFB eine große Verantwortung. Silke Sinning ist immer bemüht für den Frauenfußball. Ob ihr das gelungen ist, mag ich nicht beurteilen.

Und dann ist da noch Rainer Koch.

Ich habe selbst lange mit ihm zusammengearbeitet und schätze ihn als Menschen. Ob er immer alles richtig gemacht hat im Sinne des Fußballs, lasse ich offen.

Zwischen Koch und Sinning kommt es zu einer Abstimmung: Wer bekommt den Vize-Posten?

Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Bayern Koch fallen lassen. Von daher glaube ich, dass Koch Vize-Präsident bleiben wird. (Maximilian Bülau)

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