Vertrag bis 2024

Flick folgt auf Löw: Das ist unser neuer Bundestrainer

Hansi Flick.
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Er macht es! Hansi Flick beerbt nach der EM Joachim Löw als Bundestrainer.

Es war der letzte Tag im Juni 2014, als Thomas Müller bei einem Freistoß an der Strafraumgrenze im WM-Achtelfinale gegen Algerien stolperte, auf die Knie ging, aufsprang und in den Strafraum sprintete.

Die Algerier waren überrascht, niemand verfolgte ihn. Doch der Chipball von Toni Kroos, der Müller erreichen sollte, blieb in der Mauer hängen.

Was zunächst tollpatschig aussah und für Lacher sorgte, stellte sich kurze Zeit später als einstudierte Variante heraus. In den ersten Zeitungsartikeln dazu hieß es, Fußball-Bundestrainer Joachim Löw habe seine Spieler damals in ihre Häuser im Campo Bahia geschickt, um Ideen für Standards zu entwickeln. Heraus kam unter anderen auch dieser Malediven-Trick, der auf ein Elfmeterschießen zwischen den Malediven und Afghanistan aus dem Jahr 2014 zurückgeht. Der Schütze stolpert, springt auf, versenkt den Ball. Müller hatte das gesehen und vorgeschlagen.

Anders als zunächst von den Medien vermutet, war es aber nicht Löw, der den Spielern damals diese Freiheiten ließ, der Kreativität einforderte. Es war sein Assistent Hansi Flick, der dafür zuständig war. Bei der WM 2014 fielen sechs deutsche Tore nach Standardsituationen – es war eine der größten Stärken dieses Teams auf dem Weg zum Titel. Einen Titel, den Löw und Flick gemeinsam gewannen. 2006 hatte Flick den Posten des Co-Trainers eingenommen, als Löw zum Bundestrainer und Nachfolger von Jürgen Klinsmann aufstieg. Löw und Flick bildeten das erste deutsche Trainerduo, das selbst nie ein Spiel für die A-Nationalmannschaft bestritten hat. Acht Jahre blieben sie zusammen. Doch nach der WM in Brasilien trat Flick zurück. Er wollte nicht weiter auf den Moment warten, selbst Cheftrainer zu werden.

Flick, der die TSG Hoffenheim von 2000 bis 2005 betreut hatte, gleich in die Regionalliga Süd aufgestiegen war und dann viermal am Sprung in die 2. Bundesliga scheiterte, wurde Sportdirektor beim DFB. Dann Geschäftsführer Sport bei Hoffenheim. Dann Co-Trainer beim FC Bayern. Als Niko Kovac Anfang November 2019 entlassen wurde, war Flicks Moment endlich gekommen. Er übernahm die Münchner zunächst interimsweise, es folgte die mit erfolgreichste Zeit in der Geschichte des Klubs. Im April 2020 verlängerte Flick seinen Vertrag bei den Bayern bis 2023.

Während der Stern des 56-Jährigen immer heller wurde, warf die einstige DFB-Lichtgestalt Löw immer größere Schatten. Die Rufe nach einer Ablösung wurden lauter, kamen in immer kürzeren Abständen. Als der 61-Jährige dann seinen Abschied verkündete, war schnell klar, wer es nun machen soll.

Das Problem: Flicks Vertragsverlängerung. Doch es gab ja auch die Unstimmigkeiten mit Münchens Sportvorstand Hasan Salihamidzic. Die spitzten sich zu. Und vielleicht ja auch, weil Flick ohnehin schon von der Idee getrieben wurde, nun endlich selbst Cheftrainer der Nationalmannschaft zu werden, legte er es nicht unbedingt darauf an, zu schlichten. Das Ende ist bekannt: Flick folgt auf Löw, er wird der neue – unser neuer – Bundestrainer.

Kritische Stimmen gab es schon im Vorfeld kaum. Als jeder bereits vermutete, dass Flick den Posten bekommen würde. Was auch daran liegen könnte, dass es mit dem Nationalteam nach seinem Abschied peu à peu bergab ging. Mit dem negativen Höhepunkt vor drei Jahren bei der WM in Russland.

Die Süddeutsche Zeitung schrieb übrigens damals zu Beginn des Turniers, Löw habe Ecken und Freistöße so intensiv trainieren lassen wie Fallrückziehertore bei Vollmond. Sein Assistent Thomas Schneider drückte es so aus: Die hauseigenen Analysten hätten Tausende von Varianten gesammelt und archiviert, einige davon seien zielgerichtet geübt worden. Von Flicks Freiheiten und Kreativität war keine Spur mehr.

Weil aber Thomas Müller schon zurück ist und Flick nun in neuer Funktion zurückkehrt – sein Vertrag gilt bis 2024 – kann sich Deutschland bei der WM 2022 vielleicht wieder auf kuriose Standards freuen, die einen erst schmunzeln lassen, hinter denen aber mehr steckt. Zum Beispiel Hansi Flick. (Maximilian Bülau)

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