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Wie Weltmeister Mario Götze bei Eintracht Frankfurt gelandet ist

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Von: Björn Friedrichs

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Der größte Moment seiner bisherigen Karriere: Mario Götze mit dem WM-Pokal. 2014 schoss der damals 22-Jährige Deutschland mit seinem Tor in der Verlängerung gegen Argentinien zum Titel. Acht Jahre später wechselt er nun zu Eintracht Frankfurt.
Der größte Moment seiner bisherigen Karriere: Mario Götze mit dem WM-Pokal. 2014 schoss der damals 22-Jährige Deutschland mit seinem Tor in der Verlängerung gegen Argentinien zum Titel. Acht Jahre später wechselt er nun zu Eintracht Frankfurt. © Marcus Brandt/dpa

Dieser Transfer ist einer der namhaftesten in diesem Bundesliga-Sommer: Mario Götze kommt zu Eintracht Frankfurt. Grund genug, noch einmal auf den Weg des einstigen Wunderkinds zurückzublicken.

Die perfekte Ballannahme mit der Brust in den Lauf, der Abschluss im Fallen vorbei an Argentiniens Torwart Sergio Romero hinein ins Netz und direkt hinauf zum Legendenstatus. Mit seinem Treffer zum 1:0 in der 113. Minute im WM-Finale im Juli 2014 machte sich Mario Götze unsterblich.

Nun wechselt er acht Jahre später aber nicht etwa zu Real Madrid, dem FC Chelsea oder Juventus Turin, wie man es damals erwartet hätte. Nein, Fußball-Bundesligist Eintracht Frankfurt holt den inzwischen 30-Jährigen für nur rund drei Millionen Euro aus Eindhoven. Gestern unterschrieb er seinen Dreijahresvertrag bei den Südhessen. Die Eintracht erhofft sich von dem einstigen Wunderkind ein wenig von der Magie, die es einst versprühte – und die irgendwann verloren ging.

Das Gesicht des Dortmunder Überfallfußballs

Hobby-Fußballer, die heute etwa 30 Jahre alt sind, kamen rund ums Jahr 2009 nicht herum um diesen Vergleich. Man selbst konnte damals einen Übersteiger, auch ließ man vielleicht mal einen oder zwei Gegenspieler aussteigen. Mit stolz geschwellter Brust ging man nach Hause, schaltete die Sportschau ein und musste direkt merken: Es geht besser. Viel besser.

Was dieser 17-Jährige aus Dortmund da mit dem Ball tat, das war eine andere Sportart. Mario Götze war um die Jahrzehntwende das Gesicht des Überfall- und Tempofußballs von Jürgen Klopps BVB. Zwei Meistertitel und einen Pokalsieg feierte Götze vor seinem 20. Lebensjahr. Schnell, trickreich, torgefährlich – der Junge aus Memmingen in Bayern war für diese Generation ein Vorbild.

Es folgte ein Bruch in der Karriere

Warum er in Dortmund heute nicht längst Legendenstatus genießt, liegt vor allem am Frühjahr 2013. Einen Tag vorm Champions-League-Halbfinale des BVB gegen Real Madrid wurde bekannt, dass Götze zum FC Bayern wechseln würde. Für einige, wenn nicht alle Dortmund-Fans, ein Tabubruch.

In München unter Pep Guardiola – laut Götze der größte Faktor für den Wechsel – lief es nie so richtig rund. War er fit, spielte Götze gut. Nur war er eben selten wirklich fit. Der längste Zeitraum ohne Blessur war jener kurz vor und ein knappes Jahr nach der WM 2014. Unter Guardiola-Nachfolger Carlo Ancelotti wurde es dann immer schwerer, zur Startelf zu gehören.

Es folgte die Rückkehr nach Dortmund – und die womöglich schwerste Zeit der Karriere. Muskel- und Gewichtsprobleme plagten das von Felix Magath betitelte Jahrhunderttalent. Später kam hinzu, dass die Trainer Peter Bosz und Peter Stöger auf andere Spieler setzten. Zufrieden war mit dieser zweiten Zeit in Dortmund niemand so richtig. Weder der BVB, noch Götze selbst.

Neuer Aufwind in Eindhoven

Als der Vertrag 2020 auslief, verschwand der damals 28-Jährige erstmal von der Bildfläche. Abstand gewinnen, das Familienleben mit Ehefrau Ann-Kathrin und Sohn Rome genießen. Erst im Herbst des Jahres schloss er sich einem neuen Klub an. Beim niederländischen Topklub, international aber doch eher zweitklassigen PSV Eindhoven fand er fernab der ganz großen deutschen Aufmerksamkeit die Freude am Fußball zurück.

Trainer Roger Schmidt baute auf ihn, Götze steuerte Tore, Vorlagen und Spielwitz bei. In der vergangenen Saison gelang der Pokalsieg. Schmidt wechselt jetzt zu Benfica Lissabon, womöglich auch deshalb sucht Götze eine neue, vielleicht die letzte große Herausforderung. Eine Rechnung mit der Bundesliga hat er sicher noch offen.

Der Hype bei der Eintracht könnte zu groß sein

Nun also Frankfurt. Für die Eintracht spricht, dass sich dort viele Akteure zuletzt schnell wohlgefühlt und zur Top-Form gefunden haben. Außerdem spielt der Europa-League-Sieger in der Königsklasse, Götze könnte auf den Radar von Bundestrainer Hansi Flick zurückkehren.

Andererseits: Er ging auch in die Niederlande, um dem hohen Erwartungsdruck ein wenig zu entfliehen, frei sein zu können. Rund um die Eintracht hatte sich nun bereits vor der Unterschrift ein Hype entwickelt, der ihm kaum guttun kann. Dem Wunderkind von einst wäre ein wenig Ruhe um seine Person zu wünschen. Damit er auch in der Bundesliga wieder etwas von seiner Magie zeigen kann. So wie damals, im Juli 2014.

Von Björn Friedrichs

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