Paris nach 3:0 über Leipzig im Finale der Champions League

Tuchel besiegt Nagelsmann: Der Meister und sein Schüler

Julian Nagelsmann.
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Raus: Julian Nagelsmann.

Einst trainierte Thomas Tuchel den Fußballspieler Julian Nagelsmann in der Reserve des FC Augsburg. Von 2007 bis 2008 war das.

Kassel – Nagelsmann machte in der Landesliga kein Spiel. Schon damals war klar, dass seine aktive Karriere wegen einer schweren Knieverletzung enden würde, bevor sie richtig angefangen hat. Damals ebnete Tuchel ein wenig den Weg des heute 33 Jahre alten Nagelsmann. Er schickte ihn als Scout zur Beobachtung anderer Landesligisten.

So ging es los. Tuchels Weg führte über die A-Jugend des FSV Mainz 05 zur Bundesliga-Mannschaft, weiter zu Borussia Dortmund und von da aus 2018 zu Paris St. Germain. Nagelsmann wurde 2008 Co-Trainer in der Jugendabteilung des FC Augsburg, ging dann zum TSV 1860 München und schließlich zur TSG Hoffenheim. B-Jugend, A-Jugend, Co-Trainer, Cheftrainer. Seit 2019 arbeitet Deutschlands größtes Trainertalent für RB Leipzig.

Doch was heißt eigentlich Talent? Am Dienstagabend trafen sich Tuchel und Nagelsmann wieder. Nicht in der Landesliga. Im Halbfinale der Champions League. Klar, Tuchels Paris war Favorit. Aber Nagelsmanns Leipzig hatte sich Respekt verschafft.

Nach 90 Minuten waren die Rollen aber wieder klar verteilt. Hier der Meister, da sein Schüler. Wie 2008. Die Franzosen hatten über 90 Minuten eine beeindruckende Vorstellung abgeliefert. Den Sachsen kaum einmal Raum zum Atmen gelassen. Ihnen die Bälle im Mittelfeld Mal um Mal abgenommen, um selbst irgendwann das Tempo zu verschärfen und mit messerscharfen Pässen die Leipziger Abwehr zu zerteilen. Dass es nachher ein Kopfball von Marquinhos nach einem Freistoß war, der für das 1:0 sorgte (13.), lag nur daran, dass vorher beste Chancen ausgelassen wurden. Paris legte kurz vor der Pause durch Angel Di Maria nach und sorgte kurz nach der Pause in Person von Juan Bernat für die Entscheidung und den Endstand. 3:0.

Natürlich ist ein Vergleich dieser beiden Teams und Trainer auch nicht ganz gerecht. Auf der einen Seite das von Stars gespickte Team aus Paris, das international über Jahre Erfahrung gesammelt hat. Auf der anderen Seite diese jungen Leipziger, die gerade ihre ersten Schritte in der Königsklasse gehen.

RB war nervös, Paris war bereit. Doch viel wichtiger für die Franzosen: Nach Jahren des Scheiterns auf internationalem Parkett trat das Starensemble als Einheit auf. Neymar agierte auf einmal für die Mannschaft und nicht nur für sich selbst – und machte das Team so deutlich besser. Auch daran hat Thomas Tuchel sicher einen Anteil. Wenn Schüler Nagelsmann noch einmal etwas von Meister Tuchel lernen möchte, dann vielleicht den Umgang mit einem Team voller Individualisten. Denn irgendwann könnte der einstige Landesliga-Scout auch auf einer dieser ganz teuren Bänke Fußball-Europas sitzen. (Maximilian Bülau)

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