Klopp und Tuchel sind gefragt und meinungsstark

Deutsches Duo hinterlässt Spuren in der Premier League

Jürgen Klopp.
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Trainer von Liverpool: Jürgen Klopp.

In der britischen Tageszeitung Guardian war zuletzt von einer „Germanification“ im Fußball zu lesen. In der Premier League, Englands Eite-Spielklasse. Eine Einflussnahme aus Deutschland.

Mit Ralf Rangnick übernahm unlängst ein dritter deutscher Trainer einen der „Big Six“, der großen sechs Klubs. Arsenal London, Manchester City, Tottenham Hotspur – und FC Liverpool, Chelsea London, Manchester United. Letztere werden von deutschen Trainern, Teammanagern, wie man sie in England nennt, geführt. Jürgen Klopp, Thomas Tuchel, Ralf Rangnick.

Der Begriff Teammanager hat eine besondere Bedeutung. In der Premier League schieben die Trainer zwar auch Magnete über die Taktiktafel und grübeln, wer links, rechts, vorn, hinten und von Beginn an spielen soll. In England sind die Trainer aber auch für Transfers zuständig, sie sind das Gesicht des Vereins auf allen Ebenen. Kurzum: Ihre Bedeutung ist größer als anderswo.

Die Premier League wird zudem – mehr als die Bundesliga, die italienische Seria A und die spanische Primera Divison – vom Geld regiert. In der Premier League muss es knallen, da müssen Funken sprühen, es muss glitzern. Das funktioniert durch eine Anhäufung von Stars. Und durch eine besondere Art des Fußballs. Womit der Bogen zu den Deutschen geschlagen wird.

Was für den Zuschauer besonders gut anzuschauen ist? Tempo, Pressing, Umschalten. Für Tempo, Pressing und Umschalten sind einige deutsche Trainer bekannt. Klopp, Tuchel – und auch Rangnick, der als „Godfather of Gegenpressing“ bei seiner Ankunft in Manchester gefeiert wurde. „Ihre Spielweise ist einfach das, was man unter modernem Fußball versteht. Kollektiv. Das ist dem englischen Publikum vertraut“, sagt Raphael Honigstein, Sportjournalist und in England zuhause. „Ihre Mannschaften gehen ein hohes Tempo, sind sehr gut organisiert. Das kommt dem englischen Ideal sehr nahe“, fügt er an.

Warum die Engländer Trainer „Made in Germany“ derzeit lieben, war auch am Sonntagabend zu sehen, als Liverpool und Chelsea im direkten Duell aufeinandertrafen. Liverpool führte 2:0, Chelsea glich aus. Es ging hin und her. Fußball „Made in Germany“.

„Klopp ist das große Zugpferd. Tuchel hat in kurzer Zeit großen Erfolg gehabt. In England nennt man das Bandwagon-Effekt. Als Arsène Wenger mit Arsenal so erfolgreich war, da wollten auf einmal alle französische Trainer haben. Nun sind es deutsche,“ sagt Honigstein, der sich sicher ist: „Wäre Julian Nagelsmann auf dem Markt, würde sich jedes englische Team um ihn bemühen.“

Honigstein sieht aber auch noch einen anderen Faktor: „Die Deutschen sehen sich als echte Trainer. Sie arbeiten mit dem, was sie haben. Das gefällt den Besitzern in England, weil es keine Coaches sind, die kommen und nur neue Spieler haben wollen.“

Wer Typen wie Klopp und Tuchel will, muss aber auch mit klaren Worten und Meinungen leben. Dinge, die das Duo zuletzt kritisierte: volle Stadien, keine Pausen, nur drei Wechsel – und das alles trotz Corona. Von Klopp kannte man derlei Kritik schon aus Zeiten vor der Pandemie. Laut Honigstein Themen, die viele Trainer monieren. „Klopp ist nach sechs Jahren in Liverpool unempfindlich. Gegnerische Fans haben da häufig die Ansicht: ‘Ach dieses Gemecker wollen wir nicht mehr hören.’ In den Medien wird es etwas differenzierter dargestellt. Aber auch da herrscht die Meinung vor: ‘Was erzählen die uns, diese Ausländer’“, sagt Honigstein.

Es gebe aber einen Unterschied zwischen der öffentlichen Wahrnehmung und den Abläufen hinter der Kulisse. „Klopp hat immer wieder angemerkt, dass es nicht sein kann, dass man am Samstag um 12.30 Uhr spielen muss, wenn man am Mittwochabend in der Champions League angetreten ist. Er hat dafür – auf Deutsch gesagt – total auf die Fresse bekommen, das wurde wochenlang diskutiert. Nun hat es die Premier League im Sommer klammheimlich geändert“, erklärt Honigstein. Die Germanification hinterlässt Spuren. (Maximilian Bülau)

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