Historische Bälle, Weltmeisterbus, Trophäen

Platz nehmen auf Jogis Trainerbank: Das Deutsche Fußballmuseum öffnet heute

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Am 25. Oktober wird in Dortmund das Deutsche Fußballmuseum eröffnet.

Dortmund. Ab heute geht es in Dortmund rund: Das Deutsche Fußballmuseum öffnet - und setzt neue Maßstäbe.

Sollte es den Fußballgott tatsächlich geben, so hat er sich für diese Tage eine besondere Pointe ausgedacht: Er lässt den Wirbel um das Sommermärchen und vermeintlich gekaufte Stimmen zusammenprallen mit der Eröffnung des Deutschen Fußball-Museums, das sich auch als Vermächtnis dieses Sommermärchens und damit der Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland versteht.

Dass nun die Stimmung an diesem Sonntag getrübt sein wird, wenn in Dortmund die Türen des Museums erstmals für die Allgemeinheit geöffnet werden, ist nicht zu erwarten. Schließlich gehört auch das zum Phänomen Fußball: dass er mittlerweile immer funktioniert und stets eine Faszination von ihm ausgeht – Skandale hin, Skandale her, mitunter sind sie Teil des Geschäfts.

Von daher ist es fast schon erstaunlich, dass es so lange gedauert hat, bis ein solches Museum entstanden ist. Immerhin kann der Deutsche Fußball-Bund nun auf ein neues Glanzstück und ein weiteres Alleinstellungsmerkmal verweisen. Schließlich hat das Haus in der Fußballstadt Dortmund nicht nur alles, was ein modernes Museum benötigt, sondern es ist zugleich weltweit eine Besonderheit. Die Macher nutzten kein vorhandenens Gebäude, sondern sie schafften sich selbst den Raum für ihre Ideen.

Dabei setzen sie auf das, was den Fußball auszeichnet: Emotionen. Der Besucher bekommt nicht nur historische Bälle und Schuhe, einen schnöden Elfmeterpunkt aus dem Olympiastadion in Rom und – Pointe, Pointe – das Bewerbungsdokument für die Weltmeisterschaft 2006 zu sehen, sondern eine Menge bewegter und bewegender Bilder. Er darf selbst Fußballkommentator spielen, den Weltmeisterbus von 2014 besteigen, die Schatzkammer mit all ihren Trophäen durchschreiten und auf Jogi Löws Trainerbank Platz nehmen. Der Besucher erlebt das Ganze in einem Rundgang, bei dem es wirklich rundgeht – beeindruckend und auch ein Merkmal des Deutschen Fußball-Bundes: Wenn er etwas macht, dann lässt er es krachen. Er kleckert nicht, er klotzt.

So ist gelungen, was dieser Tage durchaus komisch anmutet: eine Weiterdrehe des Sommermärchens, das den Weg bereitete für das Museum. Dessen Geschäftsführer Manuel Neukirchner sagt, dass die Vision dieses Museums eben erst durch die WM 2006 umsetzbar war: „Der wirtschaftliche Erfolg der WM diente als Anschubfinanzierung. Zudem erreichte der Fußball auf einmal alle Gesellschaftsschichten. Wir Menschen zeigten uns als Gastgeber von unserer besten Seite und gingen ungezwungen mit deutschen Symbolen um. Es herrschte eine kulturelle Lebendigkeit, die der Deutsche Fußball-Bund unbedingt bewahren wollte.“ Das Museum ist das Ergebnis dieser Entwicklung.

Das Museum in Zahlen

Das Fußball-Museum in Dortmund ist ein Großprojekt, hinter dem jede Menge Zahlen stecken. Eine Übersicht.

2,9 Millionen Menschen leben in und rund um die Ruhrgebietsmetropole Dortmund. Auch das ist ein Grund, warum sich der Standort gegenüber 13 anderen Kandidaten durchgesetzt hat. Schließlich waren zum Beispiel auch Karlsruhe und Oberhausen im Gespräch. Die Emotionalität in Sachen Fußball und vor allem die Lage des zur Verfügung stehenden Grundstücks waren weitere Pluspunkte für Dortmund.

6 Jahre dauerte die Umsetzung des konkreten Planes für ein Fußball-Museum in Dortmund. Am 1. September 2009 gründete sich eine Projektgesellschaft, und Geschäftsführer Manuel Neukirchner nahm seine Arbeit auf. 2012 war schließlich Baubeginn. Ganz reibungslos verlief die Realisierung nicht. 2013 zum Beispiel ging das beauftragte Rohbauunternehmen insolvent. Trotzdem ist Neukirchner zufrieden mit der Umsetzung. Er hat im Übrigen ein ganz besonderes Büro. Von ihm aus lässt sich sowohl auf das Fußball-Museum als auch auf den Signal-Iduna-Park blicken.

11 ist der Name der gastronomischen Einrichtungen im Fußball-Museum – genauer gesagt: N11, was Nationalelf bedeuten soll. Das Motto lautet: Essen wie die Weltmeister. Es gibt eine Bar mit Restaurant, ein Fan-Bistro und einen Vereinsgrill. Die Speisekarte ist in Zusammenarbeit mit Holger Stromberg erstellt worden, dem Koch der? Natürlich: Nationalelf.

12 Minuten dauert das Video, mit dem sich das Fußball-Museum im Netz auf www.fussballmuseum.de vorstellt. Es gibt einen guten Einblick in das, was einen erwartet.

19 Sporthistoriker und Ausstellungskuratoren erarbeiteten ein Konzept für das Fußball-Museum und sichteten dabei 10 220 Objekte, die als Ausstellungsstücke infrage gekommen sind. 1600 Exponate werden schließlich gezeigt.

36 Millionen Euro hat das Fußball-Museum gekostet. Der Deutsche Fußball-Bund hat davon 17,5 Millionen Euro übernommen, das Land Nordrhein-Westfalen 18,5 Millionen. Der Bund der Steuerzahler in Nordrhein-Westfalen empfindet das als zu viel und kritisiert das Projekt. Sollte in Zukunft ein Fehlbetrag durch ausbleibende Besucher entstehen, wird dieser von den beiden Gesellschaftern ausgeglichen: von der Stadt Dortmund und vom Deutschen Fußball-Bund, dessen Risiko allerdings auf 250 000 Euro im Jahr begrenzt ist.

7000 Quadratmeter groß ist die Ausstellungsfläche des Fußball-Museums. Dabei stehen Veranstaltungsflächen für bis zu 500 Menschen zur Verfügung. Der Neubau wurde von „HPP Architekten Hentrich-Petschnigg & Partner“ aus Düsseldorf geplant, die sich in einem Wettbewerb durchsetzten.

Direkt am Hauptbahnhof

Sie wollen das Fußball-Museum besuchen? Das sind die Fakten:

Lage: Das Fußball-Museum liegt genau gegenüber dem Dortmunder Hauptbahnhof. Eine Anreise mit der Bahn lohnt sich also. Wer aus Nordhessen mit dem Auto kommt, fährt über die A 44 und die daran anschließende B 1 in die Dortmunder Innenstadt und hält sich Richtung Hauptbahnhof. Dort sind Parkmöglichkeiten vorhanden.

Öffnungszeiten: Das Fußball-Museum hat dienstags bis sonntags jeweils zwischen 9 und 18 Uhr geöffnet. Der letzte Zutritt ist um 17 Uhr möglich.

Preise: Die Eintrittskarte kostet an der Tageskasse für einen Erwachsenen 17 Euro, am Wochenende 15 Euro. Kinder unter 14 Jahren, Schüler und Studenten unter 26 Jahren und Menschen mit Behinderung zahlen 14 Euro, am Wochenende 12 Euro. Für Kinder unter 6 Jahren ist der Eintritt frei. Darüber hinaus gibt es Vergünstigungen für Gruppen ab elf Personen und Vereine. Das Familienticket für vier Personen und maximal zwei Erwachsene kostet 55 Euro, am Wochenende 49 Euro.

Buchung: Tickets sind an der Tageskasse erhältlich und online. Wer online bucht, zahlt die Tarife, die normalerweise am Wochenende gelten. Der Online-Ticketshop ist über die Homepage des Fußballmuseums erreichbar.

Wer online bucht, erhält auch bei großem Andrang garantiert Eintritt. Außerdem ist die kostenlose An- und Abreise im Verkehrsverbund Rhein-Ruhr enthalten.

Lesen Sie in der gedruckten Ausgabe außerdem:

- Manuel Neukirchner, Chef des Fußball-Museums, über die richtige Taktik für einen Besuch

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