0:1-Niederlage im Test in Berlin 

DFB verliert WM-Revanche mit 0:1 - Jesus macht Brasilianer froh

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Das 1:0 für Brasilien: Der deutsche Torwart Kevin Trapp (am Boden) kann den Ball von Torschütze Gabriel Jesus (links, leicht verdeckt) nicht entscheidend abwehren. Vor ihm taucht Fernandinho auf. Joshua Kimmich (rechts) kommt zu spät.   

Berlin. Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft hat nach 22 Spielen ohne Niederlage mal wieder verloren. Im Testspiel in Berlin gegen Brasilien gab es ein 0:1.  

Vergessen wir mal dieses 7:1 der deutschen Fußball-Nationalmannschaft aus dem Jahr 2014 gegen Basilien, mit dem sie das Finale der Weltmeisterschaft erreichte. Sehen wir dieses Spiel der Nationalelf im März 2018 gegen eben diese Brasilianer vielmehr als das, was es war: ein Test für die WM im Sommer in Russland. Das fällt umso leichter, da es vor 72 717 Zuschauern im Berliner Olympiastadion 0:1 ausging – zur Freude der Südamerikaner. Mancher Hinweis auf das Wunder von Belo Horizonte ist aber weder zufällig noch ungewollt. Der Schnellcheck.

Wie war die Partie im Berliner Olympiastadion?

Nicht so begeisternd wie die Begegnung am Freitag zuvor gegen Spanien, die 1:1 endete. Aber: Ansehnlich war das, was beide Mannschaften zumindest in Halbzeit eins boten, allemal. Die deutsche Elf erarbeite sich dabei leichte Feldvorteile, ohne wirklich zwingend zum Abschluss zu gelangen. Ilkay Gündogan setzte einen Schuss nach toller Kombination übers Tor. 17 Minuten waren da gespielt.

Allerdings agierte die deutsche Elf bei all ihrem Bemühen, schnell nach vorn zu spielen, längst nicht fehlerfrei. Die Brasilianer kamen so zu ihren Chancen. Gabriel Jesus schoss in der 36. Minute erst vorbei, dann aber war er wenig später aus kurzer Distanz zur Stelle. Die Brasilien-Fans feierten den Treffer wie den Karneval – erleichtert und mit Witz. Ein Brasilianer im Publikum sagte: 7:2!

Nach der Pause war nicht mehr so viel Rambazamba, was auch an den vielen Wechseln lag. Die gefährlicheren Aktionen hatten dabei noch die Gäste. Auch eine kleine Schlussoffensive der deutschen Elf brachte nichts ein. Julian Draxler hatte in der Nachspielzeit noch eine dicke Chance.

Was bedeutet denn dieses Ergebnis?

Eigentlich nichts. Und doch viel. Für die deutsche Elf war es die erste Niederlage nach 22 Spielen mit lauter Siegen und Unentschieden. Sie verpasste es damit, den Rekord von 1978 bis 1980 einzustellen. Geschenkt. Für die Brasilianer war der Erfolg mehr als ein Testspielsieg. Es war die Gewissheit, dass dieses 1:7 wirklich etwas Einmaliges gewesen ist – es war eine Miniminirevanche und ein Sieg für die Seele.

Wie sehr sie ihn herbeisehnten, war in jener Szene zu erkennen, in der Gabriel Jesus allein auf Torwart Kevin Trapp zulief und den Ball meilenweit über das Tor drosch. Er schien die ganze Last dieser so stolzen Fußballnation zu spüren – und an ihr zu zerbrechen. Das Phänomen kennen sie seit 2014.

Was lässt sich über die deutsche Aufstellung sagen?

Nun ja, die Brasilianer sollen ein wenig verärgert darüber gewesen sein, dass Bundestrainer Joachim Löw nicht seine Premiumelf aufs Feld schickte – wegen dieser angeblichen Revanche für das 1:7. Von damals machten nur Toni Kroos, Jerome Boateng und der damals eingewechselte Julian Draxler mit. Aber Löw schert sich ja um so etwas nicht. Er testet, wenn er testen will. Fingerzeige für das WM-Aufgebot, das er am 15. Mai bekanntgibt? Stürmer Mario Gomez bekam den Vorzug vor Sandro Wagner, weshalb er im Rennen um den zweiten Stürmerplatz im Kader nach Timo Werner wohl leicht vorn liegt. Kevin Trapp hütete das Tor – und nicht Bernd Leno, was interessant in Hinblick auf die Planstelle für Torwart Nummer drei sein dürfte.

Wer war der Mann des Abends?

Womöglich Tite, Trainer der Brasilianer. Er beweist gerade, dass es möglich ist, einer brasilianischen Auswahl neben viel Spielkultur und Herzblut auch Struktur beizubringen. Womöglich hat er bei Löw und der deutschen Elf abgeschaut. Das 7:1 bezeichnete er einmal als Inspiration. Allerdings: Von Tite bis zum Titel ist es weiter, als es scheint, auch wenn in Russland der aktuell verletzte Superstar Neymar wieder dabei sein dürfte.

Wie war die Atmosphäre im Olympiastadion?

Sehr ordentlich, was auch an den vielen Zuschauern lag, die Brasilien anfeuerten. Ansonsten lässt sich sagen, dass Berlin nicht mehr der beste Ort für Länderspiele zu sein scheint. Hier gab es zuletzt das 4:4 gegen Schweden - nach 4:0. Und ein 2:3 gegen England - nach 2:0. Es bahnt sich ein kleines Trauma an. Aber so schlimm wie jenes der Brasilianer von Belo Horizonte ist es noch nicht.

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