Torjägerin mit Tattoo-Liebe

Deutschlands Offensiv-Ass Anja Mittag war nie besser als bei dieser WM

Sie hat schon fünfmal gejubelt: Anja Mittag führt gemeinsam mit Teamkameradin Celia Sasic die Torjägerliste der WM an. Foto: afp

Das Rampenlicht ist Anja Mittags Sache eigentlich nicht. Und doch kommt sie in diesen Tagen bei der Fußball-WM der Frauen nicht darum herum. Sie rückt sogar immer weiter hinein.

Mit fünf Toren, ihrem Spielwitz und ihrer Übersicht ist Anja Mittag eine der tragenden Säulen im Spiel der deutschen Nationalmannschaft und Garantin des Viertelfinal-Einzugs. Am Freitag (22 Uhr/ZDF/Eurosport) treffen die Deutschen in Montreal auf Frankreich.

Mit ihren 30 Jahren ist die gebürtige Chemnitzerin auf dem Höhepunkt ihrer Karriere angelangt. Besser als in diesen Tagen in Kanada war die Angreiferin nie. Ihre Treffer im Turnier sind tatsächlich ihre ersten WM-Tore – nach nun elf Jahren und 124 Einsätzen im Nationalteam. Sie darf sich zwar Weltmeisterin nennen, doch beim letzten Triumph der deutschen Frauen 2007 spielte sie gerade einmal sechs Minuten. Ausgerechnet 2011, als die WM im eigenen Land stattfand, gehörte sie nur im Panini-Sammelalbum zur deutschen Mannschaft. Weil ihre Leistungen stagnierten, hatte sie Bundestrainerin Silvia Neid kurz vor Turnierbeginn aus dem Kader gestrichen. Kurz dachte die Torjägerin über Rücktritt nach. Doch sie blieb.

Nicht aber bei ihrem Verein Turbine Potsdam. Nach 162 Einsätzen, 116 Toren, fünf Deutschen Meisterschaften, drei DFB-Pokalsiegen, einem Uefa-Cup-Sieg und einem Triumph in der Champions League suchte und fand sie ihr sportliches Glück im schwedischen Malmö. „Die Luftveränderung hat mir gutgetan. Mich hat keiner gekannt in der Liga, und ich konnte befreit aufspielen“, bekannte sie unlängst in einem Interview. Dreieinhalb erfolgreiche Jahre folgten: Mit dem Klub, der seit 2013 Rosengard heißt, wurde sie zweimal Meister, zweimal Torschützenkönigin. Europäische Topklubs klopften an. Im Sommer zieht sie nach Frankreich, Paris St. Germain ist ihr neuer Verein. Durch die Zeit im Ausland sei sie menschlich und spielerisch gereift, attestierte ihr Neid.

So auffällig Mittag spielt, so auffällig kommt sie auch optisch daher. Der linke Arm ist vollständig tätowiert, der rechte zum Teil. „Menschen mit Tattoos haben eine schöne Ausstrahlung. Deshalb lasse ich mir selber immer wieder welche stechen“, hat Mittag einmal erklärt. Jedes Kunstwerk hat eine Geschichte: Hammer und Schraubenzieher erinnern an den Vater, der Bauarbeiter war. Wie ihr Zwillingsbruder Peter trägt sie einen Leuchtturm – ein Symbol für Heimat. Apropos Zwilling: Bei der Verteilung der Gene sei etwas falsch gelaufen, scherzte sie einmal. Denn Peter habe keinen besonderen Draht zum Fußball, wohl aber sie und der ältere Bruder Tom, der ihre Liebe zur Torjagd im Kindesalter weckte.

Auf ihrem linken Unterarm trägt Mittag das Datum 28. Juli 2013. Es ist der Tag des EM-Endspiels gegen Norwegen in ihrer damaligen Wahlheimat Schweden. Sie wurde in der zweiten Halbzeit eingewechselt und erzielte keine drei Minuten später mit dem ersten Ballkontakt das entscheidende 1:0 und krönte ihr Team zu Europameisterinnen. Gut möglich, dass vielleicht bald noch ein zweites Datum hinzukommt: der 5. Juli 2015 – der Tag des WM-Finals.

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