Kurioses beim DFB-Pokal

DFB-Pokal: Oberligist muss 520 Kilometer zum Heimspiel anreisen

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Die Dassendorfer Fans: Die Anhänger des Hamburger Oberligisten müssen für das Heimspiel gegen Dynamo Dresden eine lange Anreise auf sich nehmen. 

Der TuS Dassendorf aus der Oberliga Hamburg trifft im DFB-Pokal auf Zweitligist Dynamo Dresden. Logisch, dass der Fünftligist Heimrecht hat. Gespielt wird aber in Zwickau.

Es heißt ja immer, dass der Pokal seine eigenen Geschichten schreibt. Eine besondere gibt es bereits vor dem Anstoß zur ersten Runde zu erzählen. Sie handelt vom TuS Dassendorf. Der Klub aus der Oberliga Hamburg bekam Zweitligist Dynamo Dresden zugelost, und klar: Der Verein aus der niedrigeren Klasse besitzt Heimrecht. So steht es in den Statuten des Deutschen Fußball-Bundes (DFB). Offiziell werden die Schleswig-Holsteiner am Samstag ab 15.30 Uhr auch ein Heimspiel bestreiten – allerdings in Zwickau.

Gibt’s nicht? Gibt es doch. 520 Kilometer liegt die sächsische Stadt von Dassendorf entfernt. Acht Stunden Busfahrt haben Spieler, Betreuer und Fans zu absolvieren. Einfache Strecke. „Aber wir hatten keine andere Möglichkeit. Es gab keine Alternativen in der näheren Umgebung“, sagt Jan Schönteich, Sportchef beim TuS Dassendorf. Heißt: Der eigene Sportplatz ist viel zu klein, und das Ausweich-Stadion in Bergedorf hätte mit hohem Aufwand und hohen Kosten hergerichtet werden müssen.

Jan Schönteich, Sportchef TuS Dassendorf

Außerdem hätten Vereine aus der Nachbarschaft mit brauchbarem Stadion „nicht gerade eine Flasche Sekt geköpft, als sie hörten, dass Dynamo-Fans dort auflaufen würden“, erklärt Schönteich. Beim Standort Lübeck winkte die Polizei ab, weil sie mit einem Großaufgebot beim Risikospiel zwischen dem dortigen VfB und dem FC St. Pauli im Einsatz ist. Und was einen einfachen Heimrecht-Tausch anbelangt, da grätschte der DFB dazwischen.

So weit, so problematisch. Weil aber zwischen den beiden sächsischen Klubs eine enge Verbindung besteht, bot Drittligist FSV Zwickau seine rund 10 000 Zuschauer fassende GGZ-Arena als Austragungsort an. Schönteich versichert, dass die Dassendorfer mit dieser Entscheidung gut leben können. Wirtschaftlich würde es sich lohnen. Und sportlich? „Ob wir in Dassendorf, Hamburg oder Rio de Janeiro spielen – unsere Siegchancen ändern sich nicht“, sagt Schönteich.

Große Vorfreude

Nach dem ersten Schock herrscht innerhalb der Mannschaft inzwischen „riesige Vorfreude“, wie Abwehrchef Amando Aust sagt. Der Dassendorfer Kapitän ist in Nordhessen kein Unbekannter. Bis 2011 spielte der 29-Jährige für den OSC Vellmar in der Hessenliga, ehe er wegen seines Studiums in den Norden zog und sich zunächst Holstein Kiel anschloss.

Anfangs knirschten die Dassendorfer Spieler mit den Zähnen. Dann erklärte der Verein die Hintergründe für den Umzug, „und nun freuen wir uns auf eine moderne Arena und auf eine tolle Atmosphäre. Das wird ein geiles Erlebnis“, sagt Aust. Zumal ein Großteil der Mannschaft vor einem Spiel noch nie in einem Hotel übernachtet hat. Bereits am heutigen Freitag bricht der erste Bus mit Team und engsten Fans Richtung Sachsen auf. Außerdem stellt der Verein am Samstag einen Bus für weitere Fans zur Verfügung.

Heimspiel-Flair bleibt aus

Ein Wermutstropfen bleibt trotzdem. Kurzentschlossene werden nicht mal eben nach Zwickau reisen. Zudem bedauert Aust, dass das typische Heimspiel-Flair verloren geht. Was ja im Pokal eine wichtige Rolle spielen kann, wenn sich der Favorit mit nicht gerade optimalen Bedingungen herumschlagen muss. Angefangen mit einer beschwerlichen Anreise. Dresden hingegen muss nur 116 Kilometer zurücklegen.

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