Foto von Cenk Tosun geliked

Das DFB-Team, Gündogan und Can: Gefällt mir, gefällt mir nicht mehr

+
Dieses Foto war Anlass des Ärgers: Die Türken (von links) Yusuf Yazici, Cenk Tosun, Merih Demirat, Mehmet Zeki und Hakan Calhanoglu salutieren nach Tosuns Treffer zum 1:0 vor ihren Fans. 

Nach der Erdogan-Fotoaffaire, gibt es erneut Kritik an verschiedenen Spielern. Dazu führt ein Like von Can und Gündogan auf Instagram. 

Ein sogenannter Like – eine Gefällt-mir-Angabe – ist das A und O in den Sozialen Medien. Wem ein Beitrag, ein Bild zusagt, der lässt das durch einen Like wissen. Dass prominente Fußball-Spieler nicht zu sorglos ihre Herzchen und gestreckten Daumen verteilen sollten, mussten Ilkay Gündogan und Emre Can in den vergangenen Tagen erfahren.

Die beiden deutschen Nationalspieler mit türkischem Hintergrund hatten bei einem Instagram-Beitrag des türkischen Nationalspielers Cenk Tosun aufs Knöpfchen gedrückt – was für ordentlich Aufregung sorgte. Denn Tosuns Bild zeigt ihn jubelnd nach einem Tor, die Hand zum militärischen Gruß an der Stirn, dazu die Worte: „Für unsere Nation, insbesondere für diejenigen, die ihr Leben für unsere Nation riskieren.“ 

Gündogan und Can war anschließend unterstellt worden, dass sie die Politik des türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan unterstützten. Dessen Militäroffensive in Nordsyrien beschäftigt derzeit nicht nur die deutsche Politik.

Emre Can 

Insbesondere Gündogan unterstellte den Medien nun Kalkül. Dass diese Nachricht kurz vor dem Spiel gegen Estland hochgekocht sei? Absicht. Immerhin sei das Bild schon von Freitag, habe mehr als 200 000 Likes, einige von Fußball-Profis. Das alles fühle sich nicht wie ein Zufall an und erinnere an die Praktiken einer bestimmten Partei.

Gündogan dürfte für sich selbst wahrscheinlich auch gedacht haben: Nicht schon wieder! Kurz vor der WM im vergangenen Jahr hatte es schon einmal viel Aufregung um ein Foto mit ihm, Erdogan und Mesut Özil gegeben. Özil war nach der WM aus der Nationalmannschaft zurückgetreten, Gündogan nicht. Can hatte sich damals klar distanziert. 

Likes revidiert 

Beide Spieler nahmen noch vor der Partie gegen Estland ihren Likes zurück – gefällt mir nicht mehr, hieß es auf einmal. Sie erklärten aber auch, dass es ihnen nie um die politische Botschaft gegangen sei, sondern nur darum, ihren Freund Tosun zu beglückwünschen. Gündogan teilte sich mit ihm in Manchester zeitweise sogar eine Wohnung. Er habe eine schwere Zeit im Verein hinter sich. Mehr nicht.

Ilkay Gündogan 

Neben all diesem Trubel gab es dann am Sonntagabend noch die Pflichtaufgabe in Estland in der EM-Qualifikation. Gündogan und Can standen in der Startelf. Und um im Bild zu bleiben: Der eine bekam ein Like, der andere nicht.

Gündogan sorgte mit zwei Treffern nach der Pause dafür, dass das deutsche Team eine Blamage verhinderte. Can hatte es seinen Mitspielern mit einer Roten Karte wegen einer Notbremse in der 14. Minute nicht gerade einfacher gemacht. Beide sorgten für Bestmarken: Einen früheren Platzverweis hat in der deutschen Nationalmannschaft noch kein Spieler gesehen.

 Für den 25-Jährigen war es zudem die erste Rote Karte seiner Karriere. Gündogan erzielte nicht nur zwei Treffer, sondern hatte auch 180 Ballaktionen – so viele wie kein anderer im DFB-Trikot vor ihm.

Zumindest der 28-Jährige gab beim 3:0-Erfolg gegen Estland eine sportliche Antwort auf den ganzen Wirbel. Insgesamt gilt derzeit für die deutsche Nationalmannschaft aber: Das ist zu wenig Einsatz, Laufbereitschaft, Zweikampfhärte. Oder anders ausgedrückt: Dieser Fußball bekommt kein Like.

Zur Fotoaffaire zwischen Erdogan und Gündogan wurde bereits im letzten Jahr berichtet. 

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.