Abwehr-Notstand im Nationalteam

Hummels-Comeback beim DFB noch in diesem Jahr? Entscheidung gefallen

Niklas Süle hat sich das Kreuzband gerissen und fällt womöglich für die EM 2020 aus. Experten fordern nun vehement die Rückkehr von Mats Hummels. Jetzt äußerte sich Jogi Löw.

  • Joachim Löw verbannte Mats Hummels, Jerome Boateng und Thomas Müller aus der Nationalelf.
  • Mit der Verletzung von Niklas Süle brandeten die Spekulationen um eine Rückkehr Hummels‘ wieder auf.
  • Nationalelf-Manager Oliver Bierhoff schloss eine Rückkehr in diesem Jahr aus.

Update vom 4. November, 16.05 Uhr: Ein Comeback von 2014er-Weltmeister Mats Hummels in der von Verletzungen gebeutelten deutschen Fußball-Nationalmannschaft ist zumindest zum Jahresabschluss kein Thema. "Jogi hat es ja auch schon gesagt, dass es jetzt zumindest im November nicht zur Diskussion steht", sagte DFB-Direktor Oliver Bierhoff am Montag in Berlin.

Die DFB-Auswahl trifft zum Ende der EM-Qualifikation am 16. November in Mönchengladbach auf Weißrussland und drei Tage später in Frankfurt auf Nordirland (beide 20.45 Uhr/RTL). Abwehrchef Niklas Süle von Bayern München wird wegen seines Kreuzbandrisses fehlen. Weil weitere Innenverteidiger verletzt sind oder waren, diskutierte Fußball-Deutschland zuletzt vehement über eine mögliche Rückkehr des im März wie Thomas Müller und Jerome Boateng von Bundestrainer Joachim Löw aussortierten Dortmunders Hummels.

Bierhoff (51), der die Tür für den früheren Münchner zuletzt einen Spalt breit geöffnet hatte, verwies in der Personalie auf das EM-Jahr 2020. Nach dem Jahresabschluss habe Löw "drei, vier Monate Zeit, sich genauer darüber Gedanken zu machen, wie man sich seine EM-Mannschaft vorstellt. Im Fußball ist immer alles möglich", sagte er. Zuletzt habe er mit Hummels gesprochen, als die DFB-Auswahl im Oktober in Dortmund trainiert und gespielt (2:2 gegen Argentinien) hatte, ergänzte Bierhoff: "Es war ein netter Kontakt, den man ja auch immer noch hat."

Gegen Weißrussland und Nordirland erwartet der Europameister von 1996 "den einen oder anderen Spieler zurück", der zuletzt ausgefallen war. Daher gebe es derzeit "keinen Grund zur Panik", Süles Ausfall sei allerdings "ein herber Rückschlag. Bei den vielen Verletzten kann man ja eigentlich kaum noch planen".

Löw über mögliches Hummels-Comeback: „Erfolg der Mannschaft immer an erster Stelle“

Update vom 24. Oktober, 18.46 Uhr: Die Verletzung von Niklas Süle setzt nicht nur dem FC Bayern zu. Auch Bundestrainer Joachim Löw war schwer getroffen. Auch im DFB-Team war Süle gesetzt. Nicht klar ist, ob Süle bis zu EM wieder fit wird. 

Die Frage ist weiterhin: Wie reagiert Jogi Löw nun? Die Rufe nach einer Rückkehr von Mats Hummels in die Nationalmannschaft wurden zuletzt lauter. Doch Löw legte nun nach und gab zu Protokoll, dass dies „im Moment kein Thema“ sei. Allerdings sagte Löw der Braunschweiger Zeitung auch, dass es im Fußball schwer sei "endgültige Prognosen abzugeben"

"Keine Ahnung, was nächstes Jahr sein wird. Am Ende steht der Erfolg der Mannschaft immer an erster Stelle." Löw betonte aber auch, dass er schon noch ein "paar andere, junge Abwehrspieler" sehe, "die sich in den nächsten Monaten noch entwickeln können."

Der 59-jährige Löw betonte, dass er den Umbruch trotz des schwerwiegenden personellen Rückschlags und der zuletzt nicht immer überzeugenden Auftritte weiter forcieren will. Ihm sei klar gewesen, dass die Entwicklung einer verjüngten Mannschaft "ein längerer Prozess ist mit manchen Höhen und Tiefen", sagte er. Man müsse den jüngeren Spieler, die man "schon so ein bisschen ins kalte Wasser" werfe, Vertrauen entgegenbringen. Dann könnten sie sich am besten entwickeln.

"So war das eigentlich auch 2010. Bei der WM in Südafrika war es auch eine junge Mannschaft, die ein paar Jahre später Weltmeister geworden ist", sagte Löw: "Man sollte auch nicht immer alle Pläne, die man hat, über den Haufen werfen, weil der eine oder andere verletzt ist."

Mögliches EM-Aus für Süle: Experten fordern Hummels-Rückkehr - Druck auf Löw steigt

München - Das Jahr 2018 steckt noch immer tief in den Köpfen von Fußball-Deutschland. Nach dem bitteren Vorrunden-Aus bei der Weltmeisterschaft in Russland folgte im November der Abstieg aus der ersten Liga in der Nations League. Joachim Löw stand stark in der Kritik.

Der Bundestrainer vollzog mit Verspätung den Umbruch im Nationalteam und kündigte an, die drei Weltmeister Thomas Müller, Jerome Boateng und Mats Hummels künftig nicht mehr nominieren zu wollen. Das sorgte für große Aufregung, weil auch die Spieler diesen Schritt nicht verstehen konnten.

Joachim Löw: Hummels, Boateng und Müller raus, Süle zum Chef befördert

Statt dem Innenverteidiger-Duo Hummels/Boateng, das auch beim FC Bayern zusammenspielte, sollte nun Niklas Süle der Abwehrchef sein und seine Mitspieler führen. Was anfangs waghalsig wirkte, schien zu funktionieren, da der 24-Jährige sich bei den Bayern und im DFB-Team weiterentwickelte.

Die Rufe nach einer Rückkehr von Hummels, der mittlerweile nach Dortmund zurückgekehrt ist, verstummten aber nie ganz, weil der meinungsstarke Abwehrspieler ein Comeback nie ausschloss und die gleichwertigen Alternativen rar waren und sind. 

In der letzten Länderspielpause fielen mit Matthias Ginter, Jonathan Tah und Niklas Stark gleich drei Innenverteidiger aus, so dass nur noch Süle und der Freiburger Debütant Robin Koch übrigblieben. Antonio Rüdiger fehlte ohnehin verletzt. Hummels kehrte trotzdem nicht zurück, obwohl Löw gestand, dass er immer noch in der Lage“ sei, „weltklasse zu spielen“.

Niklas Süle: Kreuzbandriss wirbelt Löws Pläne durcheinander

Der 19. Oktober könnte die Pläne des Bundestrainers, Hummels nicht mehr zu nominieren, aber endgültig auf Eis gelegt haben. An diesem Tag riss sich Niklas Süle das Kreuzband - die EM ist für den etatmäßigen Abwehrchef in größter Gefahr. Auch der FC Bayern überlegt angeblich, einen Ersatz zu verpflichten, wie tz. de* berichtet. Uli Hoeneß schloss aber genau das aus.

Auch wenn eine Comeback von Süle nicht vollständig ausgeschlossen scheint, stellt sich die Frage nach dem Abwehrchef für die EM 2020. Weder Ginter, der bei zwei Weltmeisterschaften dabei war, aber nicht zum Einsatz kam, noch Rüdiger, Tah, Stark oder Koch sind echte Abwehrchefs bzw. haben das über einen längeren Zeitraum konstant nachgewiesen.

Die naheliegendste Alternative ist eine, die Joachim Löw bisher kategorisch ausschloss: Eine Rückkehr von Mats Hummels. Der Innenverteidiger stabilisierte sich just ab dem Zeitpunkt, zu dem der Bundestrainer ihn im DFB-Team ausbootete und setzt diesen positiven Trend seit der Rückkehr zum BVB im Sommer fort.

Mats Hummels: Springt Joachim Löw nach Süle-Verletzung über seinen Schatten?

Außerdem kann Hummels, der in München an Süles Seite spielte und in Dortmund mit dem Schweizer Akanji ein Duo bildet, eine Abwehr und einen jungen Nebenmann führen. Ausgeschlossen hat der 30-Jährige ein Comeback nach wie vor nicht. Zuletzt sagte er, dass er gegen eine Nominierung nicht wehren würde.

Löw wehrte sich Anfang Oktober mit der Aussage, dass er Hummels und dem ebenfalls nicht mehr berufenen Khedira gesagt habe, „dass wir jetzt jüngeren Spielern Raum zur Entwicklung geben wollen. Gerade Sami und Mats wissen am besten, wie wichtig es für ihre eigene Entwicklung war, dass wir ihnen im Vorfeld der WM 2014 Möglichkeiten gegeben haben.“ Hält der Bundestrainer weiter an seinem Nein zu Hummels fest?

Experten fordern: Löw muss Hummels nominieren und zur EM mitnehmen

Geht es nach den Experten, kann er das nicht, wenn er bei der EM 2020 Erfolg haben will. „Wenn wir mit Rüdiger und Ginter in die EM gehen, können wir nicht Europameister werden", sagt Steffen Freund bei RTL Nitro. Der Europameister von 1996 nennt den Süle-Ausfall „eine große Katastrophe. Süle sollte Führungsspieler werden - das geht jetzt völlig schief.“

Freund fordert den Bundestrainer dazu auf, Hummels zu nominieren. „Ich habe vor einem Jahr gesagt, dass Mats Hummels unser bester Innenverteidiger ist, und er wird auch nochmal zurückkommen in die Nationalmannschaft", ist er sich sicher und verleiht seinen Gedanken noch einmal Nachdruck. „Wenn Jogi Löw es jetzt nicht macht, bin ich riesig enttäuscht.“

In dieselbe Kerbe schlägt auch Lothar Matthäus. „Ich würde immer die Besten spielen lassen“, sagt Matthäus und widmet sich dann einem Konjunktiv. „Wenn Mats mit dem BVB eine überragende Rückrunde spielt und der Bundestrainer vor der EM die gleiche Situation vorfindet wie aktuell, sollte er zum Hörer greifen und Hummels anrufen, nominieren und mitnehmen.“

Joachim Löw: Bundestrainer hat sich nach Süle-Verletzung noch nicht zu Hummels geäußert

„Wenn es nach Leistung geht, bricht Löw sich auch keinen Zacken aus der Krone, wenn er da zurückschwenkt“, meinte auch Ex-Nationalspieler Thomas Helmer. Hummels‘ Teamkollege Marco Reus lobt den 30-Jährigen gar überschwänglich. „Er bringt uns viel Qualität, nicht nur sportlich. Ich denke, er gibt unserem Spiel auch etwas, was in der vergangenen Saison vielleicht ein bisschen gefehlt hat“, sagt er bezogen auf Hummels‘ Leistungen beim BVB.

Hat die Aussage von Joachim Löw, dass es „keine Veranlassung gibt, den Mats zu nominieren“ noch Bestand? Noch hat sich der Bundestrainer nicht zu dem Thema geäußert. Spätestens die nächste Länderspielpause im November wird Gewissheit bringen, was die Causa Hummels betrifft.

Holt der FC Bayern einen Weltmeister als Süle-Ersatz?

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Rubriklistenbild: © dpa / Peter Kneffel

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