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Der Hamburger SV hat die Aprilseuche

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Von: Frank Ziemke, Maximilian Bülau

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Sonny Kittel.
Nach der Niederlage gegen Paderborn: Hamburgs Sonny Kittel steht enttäuscht auf dem Feld. © Axel Heimken/dpa

Man muss dem Fußball-Zweitligisten Hamburger SV zugutehalten, dass die Krise in diesem Jahr schon früher begonnen hat. Seit fünf Partie ist der einstige Bundesliga-Dino sieglos – und hat damit einmal mehr eine gute Ausgangsposition im Aufstiegskampf verspielt.

Dem entgegenhalten muss man dann, dass es freilich nichts Positives ist, wenn eine Krise schon früher beginnt. Denn eigentlich hat der HSV ja die April- und nicht die Märzseuche. Seit die Hanseaten zweitklassig unterwegs sind, haben sie im April noch nie ein Spiel gewonnen. Das setzte sich am vergangenen Samstag mit dem 1:2 gegen Paderborn fort. Schon jetzt sind die ersten drei Plätze kaum zu sehen. Und der April hat gerade erst angefangen.

Die Aprilseuche

Geht seit dem Abstieg 2018 um. In der Bundesliga gewann der HSV in dem Jahr noch drei von vier Spielen, was aber nicht mehr zum Klassenerhalt reichte. 2019 gingen die Hamburger als Zweiter in den April, spielten zweimal Remis und verloren zweimal. Weil zwei Pleiten im Mai folgten und es auch Ende März ein Unentschieden und eine Niederlage gegeben hatte, landeten die Norddeutschen nur auf Platz vier. Gut, ein Jahr später wurde im April wegen der Pandemie gar nicht gespielt. Doch wiederum rutschten die Hamburger in der entscheidenden Phase ab, standen nach dem 1:5 gegen Sandhausen am letzten Spieltag anschließend tatsächlich das erste Mal seit Woche zwei in Liga zwei schlechter als Platz drei – auf Rang vier. Im vergangenen Jahr kam der Absturz dann wieder im April. Nach zwei Niederlagen und drei Remis stand am Ende? Na klar, Platz vier.

Der Kittel-Aspekt

Sonny Kittel ist für die Hamburger ein wichtiger Mann. Der Mittelfeldspieler lenkt die Offensive. 20 Scorerpunkte stehen auf seinem Konto, darunter sieben Tore. In den letzten vier Spielen aber kriselte der 29-Jährige. Der „Kicker“ schrieb kürzlich über ihn: „Er stand in den beiden Vorjahren exemplarisch dafür, dass Potenzial und Widerstandskraft im Endspurt nicht in Einklang zu bringen waren.“ Könnte sich die Geschichte der Vorjahre wiederholen?

Das Nervenkostüm

Welche Mannschaft hat in der zweiten Liga die wenigsten Spiele verloren? Man mag es kaum glauben: der HSV. Es sind bisher nur fünf Partien ohne jeden Punkt. Selbst Spitzenreiter Bremen ging schon sechsmal als Verlierer vom Platz. Die Kehrseite ist aber dann eben: Von ihren 27 Saisonspielen haben die Hamburger nur zehn gewonnen. Das ist zu wenig für einen Aufstieg. Und zeigt, dass es um das Nervenkostüm der Hanseaten nicht bestens bestellt ist. Das unterstreicht dann auch, wenn Torjäger Robert Glatzel wie am Samstag ziemlich kläglich einen Elfmeter verschießt, der die Wende hätte bringen können. In Nürnberg hatte der HSV kürzlich in der 89. Minute verloren, Trainer Tim Walter sagte vor dem Spiel gegen Paderborn: „Druck ist ein Privileg.“ Seine Spieler konnten dann damit nicht umgehen.

Die Aue-Hoffnung

Ist auch eine, die der Spielplan mit sich bringt. Denn bereits heute steht der HSV wieder auf dem Feld – das Nachholspiel gegen Erzgebirge Aue steht an. Und damit eine Partie gegen den Tabellenvorletzten, zudem vor eigenem Publikum. Und insgesamt warten im April nicht die schwierigsten Aufgaben auf die Hamburger. Es geht nach Kiel, Regensburg und Ingolstadt, zuhause erwartet der HSV Karlsruhe, Mannschaften von Platz neun abwärts. Dazwischen liegt das Pokal-Halbfinale gegen Freiburg. Es gibt also Anlass zur Hoffnung, dass die Aprilseuche in diesem Jahr endet. Und weil im Mai die ebenfalls leichteren Gegner Hannover und Rostock warten, könnte es ja vielleicht doch noch was mit dem Aufstieg werden. Wenn sich die Aprilseuche jetzt nicht auch noch auf weitere Monate ausgeweitet hat, sondern eine Schwächephase im März geworden ist. (Frank Ziemke und Maximilian Bülau)

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