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Die einzige Trainerin in der Jugend-Bundesliga: Sabrina Wittmann im Interview

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Von: Lea-Sophie Mollus

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Sabrina Wittmann
Sabrina Wittmann © Imago Images/Beautiful Sports

Sie ist die erste und bislang einzige Frau, die im deutschen Fußball eine erstklassige A-Jugend-Mannschaft trainiert: Sabrina Wittmann gibt bei den Bundesliga-Junioren des FC Ingolstadt 04 den Ton an.

In der Vorsaison ließ ihr Team der U19 des KSV Hessen Kassel beim 10:0 keine Chance, aktuell steckt der FCI im Abstiegskampf. Ihr Alleinstellungsmerkmal spielt für die 31-Jährige eine untergeordnete Rolle. Wir haben mit ihr über die Arbeit in einem männerdominierten Beruf gesprochen.

Frau Wittmann, Sie wollen nicht darauf reduziert werden, in Ihrem Bereich als Frau etwas Besonderes zu sein. Warum?

Weil es dann weniger um meine Arbeit als um meine Person geht. Es sollte um das gehen, was man tut. In vielen anderen Bereich ist es ja auch nicht der Fall, dass eine Mitarbeiterin dafür in den Mittelpunkt gestellt wird, dass sie eine Frau ist. Darum finde ich das Thema manchmal etwas unangenehm.

Warum gibt es in Ihrem Job so wenige Frauen?

Ein Grund ist vermutlich schon allein, dass wenige diesen Weg einschlagen. Zudem gibt es wenige Führungskräfte, die sich trauen, etwas zu tun, was eher ungewohnt ist – also zumindest aktuell noch ungewohnt.

Ist das mit Blick auf die Leistung berechtigt? Gibt es dabei Unterschiede zwischen Frauen und Männern?

Laut Studien zeigt sich seit vielen Jahren, dass heterogene Teams – also nicht unbedingt nur Frauen in Führungspositionen – erfolgsversprechender sind. Ich glaube, das könnte ein Ansatz sein, an dem man anknüpfen sollte. Es geht vor allem darum, dass mehr Frauen Teil eines Ganzen sein sollten.

Sehen Sie sich als Vorbild?

Dieses Wort macht immer Druck. Ich sehe mich nicht als Vorbild, aber in der Position, in der ich mich gerade befinde, auch mit dem gewissen Alleinstellungsmerkmal, kann ich mich der Verantwortung nicht entziehen und möchte meinen Beitrag leisten.

Spielt Ihr Frau-Sein in Ihrem Berufsalltag überhaupt eine Rolle?

Unabhängig davon, dass ich etwa einmal die Woche ein Interview geben muss – oder darf – tatsächlich nicht. Von außen liegt ein viel größerer Fokus auf dem Thema als intern.

Wie kam es denn eigentlich, dass Sie Trainerin geworden sind? War das schon immer Ihr Traum?

Auf keinen Fall. Ich habe damals nie darüber nachgedacht, Fußballtrainerin zu werden. Ich habe auch nicht sonderlich hoch Fußball gespielt und würde mich selbst auch nicht als total talentiert bezeichnen – vor allem rückblickend mit dem Trainer-Blick. Ich hatte aber schon immer großes Interesse an dem Spiel an sich.

Wie liefen Ihre Anfänge als Trainerin? Wurden Sie als Frau direkt respektiert?

Damals waren die Spieler neun Jahre alt, das war relativ einfach. Natürlich habe ich mir darüber Gedanken gemacht, als ich mein Jura-Studium beendet und auf den Sport gesetzt habe, auf den ich eigentlich nie gedacht hätte, zu setzen. Bei der U19 Co-Trainerin zu sein, war für mich damals ein Test: Ich wollte wissen, ob ich in der Lage bin, bei 18-, 19 Jahre alten Männern Gehör zu finden. Ich würde behaupten, das hat funktioniert.

Hatten Sie diesbezüglich sonst schon mal Probleme im Lauf Ihrer Karriere?

Als Trainerin der U13 hatte ich mal ein paar aufmüpfige Väter, die von unserem damaligen Sportlichen Leiter eingenordet werden mussten. Ansonsten bisher nicht.

Was gefällt Ihnen an Ihrem Job am besten?

Definitiv die Zusammenarbeit mit meinen Spielern, also das Zwischenmenschliche. Auch eine große Gruppe für eine gemeinsame Sache zu begeistern – diese Herausforderung finde ich am spannendsten.

Und was gefällt Ihnen nicht so gut?

Der Leistungsdruck für die jungen Fußballer in der aktuellen Monsterliga und das Spiel mit ihren Träumen.

Gibt es etwas, das Sie anders machen, als es ein männlicher Kollege tun würde?

Ich will es eigentlich nicht verallgemeinern, aber ich glaube, dass wir Frauen insgesamt reflektierter sind. Das kann ich zumindest für mich persönlich behaupten.

Zur Person

Sabrina Wittmann (31) stammt aus Ingolstadt. Bei ihrem Heimatverein SC Steinberg/Biberg fing sie 2005 an, Fußball zu spielen. Als sie 2008 für elf Monate im US-amerikanischen Kentucky war, sammelte Wittmann als Co-Trainerin eines Middle-School-Teams erstmals Erfahrungen an der Seitenlinie. 2012 wurde sie bei den U15-Frauen das FC Ingolstadt erstmals Cheftrainerin, seit 2013 coacht sie die „Jungschanzer“ im Ingolstädter Nachwuchsleistungszentrum, dessen Sportliche Leitung sie im August übernommen hat. Zudem war Wittmann in der Saison 2020/21 als Co-Trainerin der U16-Juniorinnen des DFB im Einsatz. (Lea-Sophie Mollus)

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