Kasseler bei Bremen plötzlich in der Startelf

Fast weg, jetzt wichtig: Die Geschichte des Niklas Schmidt

Niklas Schmidt.
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Zurück bei Werder: Der Kasseler Niklas Schmidt stand am Samstag gegen Hannover in der Startelf.

Niklas Schmidt hat Bundesligaerfahrung. 14 Minuten. Am 24. September 2016 wurde er eingewechselt. Damals trug er das Trikot von Werder Bremen, die Hanseaten gewannen 2:1 gegen Wolfsburg – nach vier Niederlagen zum Auftakt.

Schmidt gab per Ecke die Vorlage zum Siegtreffer in der Nachspielzeit. Zweimal stand der heute 23-Jährige anschließend noch im Kader der Bundesliga-Fußballer. Zumeist kam der offensive Mittelfeldspieler aus Kassel aber in der zweiten Mannschaft in Liga drei zum Einsatz. So auch ein Jahr später. Bei der Reserve spielte er regelmäßig. Ab 2018 begann für ihn eine kleine Rundreise.

Es hätte alles auch anders kommen können. Als 19-Jähriger war Schmidt in der Vorbereitung – im Sommer 2017 – bei der ersten Mannschaft von Werder dabei. Einige prophezeiten ihm den Durchbruch. Am 5. Juli 2017 titelte die Bild-Zeitung dann: „Dickmops-Eklat bei Werder.“ Schmidt sei mit Übergewicht aus der Pause gekommen, 82 Kilogramm bei einer Körpergröße von 1,84 Meter. Die Bild schrieb, der Jung-Profi sei nicht nur stark am Fuß, sondern auch an der Gabel. Sein damaliger Mitspieler Robert Bauer soll beim Training in Richtung Max Kruse gemeckert haben: „Der kommt so aus dem Urlaub, und keiner sagt was. Wir sind hier einer weniger. Der läuft ja nie mit.“ Der Kasseler soll geantwortet haben: „Hör auf zu stänkern.“ Darauf Bauer: „Ich höre auf zu schreien, wenn du zehn Kilo abnimmst.“ Der Dickmops-Eklat war geboren.

Was die Bild-Zeitung und einige Menschen, die über diese Geschichte lauthals lachen, aber vergessen, ist, dass so etwas einen jungen Spieler wie Schmidt belastet, beeinträchtigt. Eine Art von Journalismus, die mehr als fragwürdig ist. 2018 wurde Schmidt nach Wiesbaden verliehen, war dort Leistungsträger, traf im Hessenpokal gegen den KSV Hessen Kassel, den Klub aus seiner Heimatstadt. Werder verkaufte ihn nie, gab die Mittelfeld-Hoffnung aber auch in den kommenden beiden Saisons als Leihspieler ab, dieses Mal an den VfL Osnabrück.

Nach dem Abstieg der Norddeutschen stand der Kasseler in der Vorbereitung dann wieder in Bremen auf dem Platz. Eigentlich sollte er nun endgültig abgegeben werden, wie Sportchef Frank Bauman zunächst verkündete. Doch Schmidt arbeitete hart. Und weil Kevin Möhwald beim Zweitliga-Auftakt gegen Hannover 96 am vergangenen Samstag ausfiel, fand sich der 23-Jährige nun sogar in Werders Startelf wieder. Die zwischenzeitliche Führung beim 1:1 bereitete Schmidt per Ecke vor. Zweites Spiel, zweite Torvorlage für die erste Mannschaft. Der Kasseler hat nun gute Chancen, sich dauerhaft bei Werder zu etablieren. Sein Vertrag läuft noch bis 2022.

Die Bild schrieb übrigens vor dem Spiel gegen Hannover: „Wird dünner Niklas Schmidt die dicke Überraschung?“ Vor zwei Wochen hatte die Zeitung aber auch getitelt: „Niklas Schmidt der Hit“ – was sich auf die Form des 23-Jährigen in der Vorbereitung bezog. Spieler und Boulevard-Blatt werden sicher keine Freunde mehr. Aber Schmidt und Werder, das scheint nun endlich zu passen.

Ach, nicht zu vergessen: Bei Schmidts Bundesliga-Debüt hatte Robert Bauer Werder per Eigentor in Rückstand gebracht. Seit diesem Sommer ist der 26-Jährige vereinslos, spielte zuletzt in Russland für Arsenal Tula. Für Schmidt geht es dagegen Stück für Stück weiter nach oben. (Maximilian Bülau)

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