Unser Experte Matthias Hamann über Varianten und Wichtigkeit

Fußball-Zweitligist Karlsruher SC zeigt eine neue Eckball-Variante

Ein Spieler des Karlsruher SC legt sich den Ball für eine Ecke zurecht.
+
Kurz vor der Ausführung: Ein Spieler des Karlsruher SC legt sich den Ball für eine Ecke zurecht.

Tore sind zwischen dem Karlsruher SC und Jahn Regensburg am Sonntag in der 2. Fußball-Bundesliga nicht gefallen. Dafür überraschte der KSC mit einer besonderen Eckball-Variante.

Kassel – Die Spieler versammelten sich vor der Ausführung an der seitllichen Strafraumkante – mit dem Rücken zum Ball und Schützen. Es folgte ein Ausruf, die Spieler machten sich auf den Weg in den Strafraum, Sekunden später wurde die Ecke ausgeführt.

Wir haben das zum Anlass genommen und uns mit unserem Experten Matthias Hamann über Eckball-Varianten und die Wichtigkeit dieses Standards unterhalten.

Hamann über ...

die Karlsruher Ecke: Ich bin da geteilter Meinung. Grundsätzlich ist das normale Muster bei einer Ecke ja, dass alle irgendwo hinlaufen und versuchen, den Ball zu köpfen. Aufs Tor oder vom Tor weg. Die Karlsruher wollten einen Überraschungsmoment schaffen. Aber bei dieser Variante kommt eigentlich dasselbe heraus. Man sieht, dass die Regensburger jeweils einem Spieler zugeordnet waren. Die Karlsruher laufen nur von einem anderen Punkt aus los. Und: Sie bewegen sich vom Ball weg, sehen diesen nicht, die Abwehrspieler dagegen schon. So ist es eigentlich noch besser für die verteidigende Mannschaft. Andersherum würde es mehr Sinn ergeben. Dann sehen die Angreifer den Ball, die Abwehrspieler aber nicht und müssen sich zudem auf den Gegner konzentrieren.

das Trainieren von Eckball-Varianten: Vorgeben muss das immer der Trainer, dafür sind Standards zu wichtig, können zu den entscheidenden Toren führen. Meistens wird so etwas trainiert, wenn Englische Wochen laufen, ohnehin nur Regenerationseinheiten auf dem Programm stehen. Da werden die Spieler – offensiv wie defensiv – dann eingebunden. Wichtig ist einfach: So eine Variante soll einen Überraschungsmoment schaffen. Das geht meistens nur einmal, weil es dann Videomaterial gibt, die Gegner sich darauf einstellen.

die Wichtigkeit von Eckbällen: Ich denke, Standards allgemein und auch Ecken sind sehr wichtig. Am Ende geht es immer darum, dass du über die gesamte Saison mehr Tore durch Standards machst als kassierst. Denken wir an die Spanier, die vor zehn, 15 Jahren dominiert haben. Die hatten eine sehr kleine Mannschaft, haben kaum Tore nach Ecken bekommen, selbst aber einige erzielt. Sie haben damals die kurze Ecke eingeführt, dann mal einen Ball auf den zweiten Pfosten geschlagen. Immer mit dem Gedanken, wie man Ecken als eher klein gewachsene Mannschaft bestmöglich umsetzen kann.

direkte Ecken: Ich habe mir schon öfter gedacht, dass es mich wundert, dass man das kaum sieht. Heute sind die Bälle, Schuhe und die Schusstechnik so ausgereift, da kannst du die Dinger mit richtig Tempo reinzwirbeln. Viele Mannschaften lassen den ersten Pfosten frei. Einfach mal volle Pulle auf den ersten Pfosten – das hat bislang noch niemand versucht.

eigene Eckball-Varianten: Ich habe nicht wirklich besondere Varianten trainieren lassen. Wir hatten beim KSV Hessen Kassel mit Marc Arnold aber auch einen klasse Schützen. Der hat die mit Pfeffer Richtung Fünfmeterraum gebracht. Und da standen dann Thorsten Schönewolf und Thorsten Bauer – zwei richtig gute Kopfballspieler. (Maximilian Bülau)

Unser Experte

Matthias Hamann (52) ist früherer Bundesliga-Profi, spielte unter anderen für 1860 München und Kaiserslautern. Von 2005 bis 2008 trainierte er den KSV Hessen Kassel. Der 52-Jährige lebt mit seiner Frau und zwei Kindern in Kassel. 

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.