Deutschland trifft Freitag auf Rumänien

Die letzten Weltmeister: Flick ist einer, der Spieler stärkt – doch beim DFB muss er auch entwickeln

Manuel Neuer.
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Weltmeister, der noch im Dienst ist: Manuel Neuer.

Als Hansi Flick Trainer des FC Bayern München wurde, hatte er nicht die ganz großen Innovationen im Gepäck. Erfolgreich war er trotzdem. Sehr erfolgreich.

Kassel – Die Titel, die die Münchner in seiner Amtszeit sammelten, beruhten nicht auf großen Veränderungen – der 56-Jährige stärkte das, was er kannte. Die Nationalspieler der Bayern, die Flick lange als Co-Trainer von Joachim Löw begleitete, fanden mit ihm zu alter Form zurück.

Nun ist Flick selbst Fußball-Bundestrainer und trifft in der vierten Partie unter seiner Führung morgen in Hamburg auf Rumänien (20.45 Uhr/RTL). Während seines ersten Lehrgangs Anfang September machte er das, was er schon in München tat: Er schenkte Spielern Vertrauen, die ihm nicht neu waren. Nun muss er auch entwickeln.

Acht deutsche Fußballer, die 2014 in Brasilien den WM-Pokal halten durften, haben ihre Karriere beendet. Nur acht muss man fast schon sagen – immerhin liegt der Titelgewinn bereits mehr als sieben Jahre zurück. Weidenfeller, Lahm, Mertesacker, Höwedes, Khedira, Schürrle, Schweinsteiger, Klose. Heißt: 15 sind immer noch aktiv – nicht viele gehören heute aber noch in den erweiterten Kreis der deutschen Nationalmannschaft. Da sind Neuer, Ginter und Müller, die immer noch oder wieder regelmäßig berufen werden. Da ist Hummels, der wohl wieder nominiert werden soll, wenn er richtig fit ist. Und da sind Boateng, Götze und Draxler, die sich vielleicht noch einmal Hoffnungen machen dürfen. Aber Akteure wie Großkreutz, Durm, Mustafi, Zieler oder Kramer werden wohl nicht mehr das Trikot mit dem Adler auf der Brust tragen. Kroos, Özil und Podolski sind offiziell aus dem DFB-Team zurückgetreten.

Nun lag das Augenmerk der Öffentlichkeit während Flicks erster drei Bewährungsproben in der WM-Qualifikation stark auf Leroy Sané, ein wenig auf Niklas Süle, Timo Werner und Thilo Kehrer. Was der neue Bundestrainer bereits geschafft hat: Er machte allen diesen Akteuren klar, dass er fest mit ihnen plant, stärkte ihnen den Rücken. Sie standen jeweils in der Startelf, nur Sané und Kehrer wurden einmal ausgewechselt.

Die Profis dankten es ihrem Coach mit engagierten Auftritten. Vor allem Sané stach heraus, der ackerte und lief, wie man ihn lange nicht gesehen hatte. Der 25-Jährige war häufig der Erste, der sich die Bälle bei Einwürfen neben der Werbebande schnappte, um das Spiel zu beschleunigen. Diese wankenden Nationalspieler stehen auf einmal wieder fest auf dem Rasen.

Doch das Potenzial dieser Trickkiste ist erschöpflich. Die Auswahl von 2021 ist auch eine der letzten Weltmeister von 2014. Der Blick muss in die Zukunft gehen – und Flick muss nun das neue Potenzial nutzen.

Die Hoffnungen der Zukunft haben Namen: David Raum, Nico Schlotterbeck, Karim Adeyemi, Jamal Musiala, Florian Wirtz. Die Aufgabe des Bundestrainers in den kommenden Wochen und Monaten wird sein, diese Fußballer einzubinden, sie zu entwickeln. Flick muss neben seinen Künsten als Standardexperte und Motivationscoach nun eine weitere Qualität beweisen, die beim DFB vielleicht noch wichtiger ist als in jedem Klub: Er muss junge Spieler besser machen und nicht nur die alten wieder besser. Die WM-Qualifikationsspiele nun morgen gegen Rumänien und am Montag in Nordmazedonien – das Hinspiel ging 1:2 verloren – könnten Flick dabei Möglichkeiten geben, öfter zu wechseln. (Maximilian Bülau)

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