Berliner Stadtderby heute ab 20.30 Uhr/Dazn

Hertha BSC gegen Union: Die Stadt ist groß genug für beide

Fahne von Hertha BSC.
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Vor dem Derby: Eine der Fahnen von Hertha BSC vor dem Humboldt-Forum in Berlin, die Helfer in der Stadt verteilt hatten.

Schon vor dem Derby zwischen Hertha BSC und Union in der Fußball-Bundesliga heute Abend (20.30 Uhr/Dazn) beschäftigt die Berliner eine Posse. Auslöser dafür waren Zehntausende blau-weiße Fahnen.

Die hatten umtriebige Hertha-Helfer in einer Nacht-und-Nebel-Aktion von Montag auf Dienstag in der Stadt verteilt. Marketing nennt man so etwas heute wohl. Doch bei den Politikern kam das nicht gut an. Wenn man heute nichts gegen diese Fahnen unternehmen würde, dann käme morgen Coca Cola und wolle seinen Weihnachtstruck irgendwo aufstellen, hieß es da. Die Hertha-Fahnen wurden wieder aus dem Stadtbild entfernt. Union-Anhänger posteten Bilder dieser in Mülleimern. Ein Vergleich vor dem Derby:

Der Anspruch

Hertha: „Das Ziel ist allen bei Hertha BSC klar. Und das heißt Qualifikation für den europäischen Fußball.“ Dies waren die Worte von Investor Lars Windhorst Mitte Oktober. 274 Millionen Euro hatte der Unternehmer bereits in den Klub gepumpt, 100 Millionen sollen folgen. Doch anstatt das Geld ins Team zu stecken – nur 30 Millionen Euro wurden für Transfers ausgegeben – sollen wohl zunächst Schulden getilgt werden.

Union: Wer nach Bildern von Union Berlin sucht, der stößt dabei unvermeidbar auf CDU-Politiker in der Hauptstadt. Ganz diplomatisch haben die Eisernen ihr Saisonziel ausgegeben: Klassenerhalt. Und wer etwas anderes sagt, der bekommt schon mal den Zorn des sonst eher stoischen Trainers Urs Fischer zu spüren: „Es ist doof. Doof und dumm, über Europa nachzudenken. Erzählen Sie nicht so etwas“, schimpfte er in Richtung eines Journalisten.

Die Wirklichkeit

Hertha: Schaut man auf die Tabelle, dann trennen beide Berliner Mannschaften sieben Plätze und doppelt so viele Punkte. In den bisherigen vier Heimspielen holte die Hertha nur einen mageren Zähler. Mit dieser Ausbeute hinkt die Alte Dame dem europäischen Anspruch meilenweit hinterher – auch, weil Zusammenspiel und Abstimmung der zweifelsohne vielen talentierten Spieler noch nicht passen.

Union: Trainer Fischer will zwar nichts davon hören. Aber derzeit steht Union auf dem sechsten Platz – der am Ende der Saison zur Teilnahme an der Europa League berechtigen würde. Auswärts hat Union in dieser Saison noch nicht verloren – und zuletzt zweimal gewonnen. Überhaupt haben die Eisernen den Platz erst einmal als Verlierer verlassen. Doch die Partien gegen die Top fünf der Liga stehen noch aus.

Die Trainer

Hertha: Bruno Labbadias Start in Berlin im April fiel direkt in den Lockdown. Dann gewann der 54-Jährige mit seinem Team 3:0 gegen Hoffenheim und eben 4:0 gegen Union – der beste Start eines Coaches in der Geschichte der Hertha, der später im sicheren Klassenerhalt mündete. Der Feuerwehrmann lag ihm, der Auftakt in die neue Saison aber überhaupt nicht. Erst das peinliche Pokal-Aus in Braunschweig, dann drei Pleiten in den ersten vier Bundesligapartien – mehr Fehlstart geht kaum.

Union: Im dritten Jahr unter dem Schweizer Urs Fischer ist bei Union weiterhin ein stetiger Aufstieg zu erkennen. Im ersten Jahr der Aufstieg, dann der sichere Klassenerhalt und Pokal-Viertelfinale. Und nun sieht es noch einmal besser aus als im Jahr zuvor.

Die Schlüsselspieler

Hertha: Ist ganz klar Matheus Cunha. Seit Januar spielt der Ex-Leipziger in der Hauptstadt, markierte bislang sechs Treffer in neun Partien. Torwart-Neuzugang Alexander Schwolow kann genauso den Unterschied machen wie Jordan Torunarigha, dessen mögliche Rückkehr heute sehnlichst erwartet wird.

Union: Max Kruse ist bei den Eisernen direkt eingeschlagen. Neun Spiele, sechs Tore, fünf Vorlagen – der 32-Jährige hat großen Anteil am derzeitigen Höhenflug. Co-Kapitän Marvin Friedrich aus Kassel ist der Chef in der Abwehr und traf schon zweimal per Kopf. (Torsten Kohlhaase und Maximilian Bülau)

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