Nordhausen droht Insolvenz 

Dirk Lottner: Entlassen als Tabellenführer

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In Saarbrücken entlassen: Dirk Lottner musste trotz Tabellenführung und Pokal-Achtelfinale gehen.

Die Fußball-Regionalliga gilt als undankbare Spielklasse. Sie ist unattraktiv für Sponsoren. Es ist schwer aufzusteigen.

Sie kostet dennoch viel Geld. Und sie lieferte in den vergangenen Tagen ziemlich kuriose Nachrichten. Drei Regionalligen, drei Geschichten – ein Überblick:

Unverständlich

Dirk Lottner übernahm im Sommer 2016 den 1. FC Saarbrücken in der Regionalliga Südwest – und wurde am Montagabend entlassen. Als Tabellenführer und Trainer, der den Viertligisten ins Achtelfinale des DFB-Pokals geführt hat. Am 5. Februar ist der Karlsruher SC zu Gast.

Lottner wird das Team dann nicht mehr betreuen. Der Verein begründete die Entlassung mit der „Entwicklung der letzten Wochen“ und dem „Auftreten der Mannschaft in den vergangenen Punktspielen“. Es ist schwer zu glauben, dass das wirklich der entscheidende Grund ist.

Denn: Ja, Saarbrücken verlor zuletzt 0:1 in Steinbach –beim Tabellendritten – und Anfang November beim Zweiten Elversberg 0:3. Aber die Mannschaft gewann auch 15 von bislang 19 Partien, steht eben noch im DFB-Pokal und ist auch im Saarlandpokal noch vertreten.

Der Präsident des Bundes Deutscher Fußball-Lehrer, Lutz Hangartner, kritisierte Saarbrücken gestern scharf: „Wir kennen die internen Dinge natürlich nicht. Aber rein aus der Distanz fehlt mir da jegliches Verständnis. Dieses Beispiel zeigt mal wieder, dass insgesamt viel zu früh Hektik ausbricht“, sagt er.

Unfassbar

Nicht der Tabellenführer der Regionalliga Nordost sorgt derzeit für die meisten Schlagzeilen, sondern Wacker Nordhausen – aufgrund von finanziellen Problemen. Vergangene Woche war bekannt geworden, dass die Spieler seit zwei Monaten auf ihre Gehälter warten, zudem berichtete der MDR über einen Schuldenberg von fast zehn Millionen Euro. Gestern folgte dann der nächste Paukenschlag: Nachdem Dynamo Dresden am Montagabend Trainer Cristian Fiel entlassen hatte, gab der Zweitligist gestern die Verpflichtung von Heiko Scholz bekannt – dem Coach von Wacker Nordhausen.

„Wir hatten jetzt zwei Tage frei und haben davon überhaupt nichts mitbekommen. Es traf uns völlig überraschend“, sagt Tobias Becker, Kapitän der Thüringer und ehemaliger Spieler des KSV Hessen Kassel. Nordhausen war erneut mit einigen Ambitionen in die Saison gestartet, hat nun aber als Tabellenfünfter schon sieben Punkte Rückstand auf Spitzenreiter VSG Altglienicke.

Dort spielt mit Dennis Lemke ebenfalls ein ehemaliger Löwe. „Wir freuen uns unheimlich, dass es so gut läuft. Natürlich würden wir gern auch am Ende da oben stehen, um die Aufstiegsrunde gegen den Vertreter der Regionalliga West zu bestreiten“, sagt der 30-Jährige, der seit einem Jahr wieder in seiner Heimatstadt Berlin spielt.

Unverhofft

Tabellenführer in der Regionalliga West ist übrigens der SC Verl. Dort spielt seit anderthalb Jahren der Ex-Kasseler Sergej Schmik. Der Rechtsverteidiger war im vergangenen Jahr Stammspieler, musste seinen Platz in dieser Saison aber für Rückkehrer Patrick Choroba räumen. Schmik erklärt die Stärke des Teams aus Ostwestfalen.

„Wir sind ein eingeschworener Haufen. Das macht einiges aus. Dazu haben wir zwei Torjäger.“ Gemeint sind Aygün Yildirim und Zlatko Janjic, die beide bereits zehn Tore erzielten. Das Ziel Aufstieg wurde laut Schmik vor der Spielzeit nicht ausgegeben. Aber wie Saarbrücken steht Verl als Regionalligist zudem im Achtelfinale des DFB-Pokals und empfängt am 5. Februar Union Berlin.

Schmik, der 30 Jahre alt ist, interpretiert seine Rolle in der derzeitigen Situation anders: „Ich führe die jungen Spieler und versuche, positive Stimmung zu verbreiten.“ Privat fühlt er sich richtig wohl in Verl. Spätestens in einem Jahr möchte er dann sein Lehramts-Studium beendet haben. 

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