"Wie Schlag in den Magen"

Disziplinloser HSV wieder in Not - Druck wird größer

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HSV-Spieler Albin Ekdal geht nach der Roten Karte vom Feld. Sein Vergehen brachte HSV-Trainer Gisdol besonders in Rage. Foto: Peter Steffen

Wolfsburg - Wieder einmal schwächt sich der HSV im Kampf gegen den Abstieg aus der Fußball-Bundesliga selbst. Die ständigen Disziplinlosigkeiten verärgern Trainer Gisdol. Mitschuld am 0:1 in Wolfsburg hat diesmal der Schwede Ekdal. Der Druck wird wieder größer.

Aufbruchstimmung adé? Schon nach dem ersten Pflichtspiel 2017 herrscht beim Hamburger SV wieder großer Redebedarf. Die auch im neuen Jahr anhaltenden Disziplinlosigkeiten brachten Trainer Markus Gisdol beim 0:1 (0:0) am Samstag beim VfL Wolfsburg in Rage.

"Da müssen wir drüber reden", kündigte Gisdol nach dem missglückten Hinrunden-Finale der Fußball-Bundesliga an. Mit 13 Punkten bleibt der HSV nach 17 Spieltagen Drittletzter und steht zum Rückrundenauftakt beim direkten Konkurrenten FC Ingolstadt am kommenden Spieltag noch mehr unter Druck als ohnehin schon. "Es muss nächste Woche zu elft zu Ende gespielt werden. Das ist ganz klar", forderte Gisdol von seinem Team, das sich immer wieder selbst schwächt. Deutlich prangerte der Coach diesmal Albin Ekdal als mitverantwortlich für die unglückliche Pleite in Wolfsburg an.

"Damit hat er der Mannschaft extrem geschadet", schimpfte Gisdol auf den Schweden nach dessen unnötiger Gelb-Roten Karte nach nur 34 Minuten: "Ich hätte auch nicht gedacht, dass wir Albin so früh auf so eine Weise verlieren. Das ist super ärgerlich." Gisdols Matchplan war früh ad absurdum geführt. Trotz guter taktischer Leistung und viel Kampf verlor der HSV am Ende durch ein Tor von Mario Gomez (83. Minute) noch einen schon sicher geglaubten Punkt.

"Wie ein Schlag in den Magen"

"Das ist wie ein Schlag in den Magen", urteilte Mittelfeldspieler Lewis Holtby zur Situation. Ekdal selbst zeigte sich "erschüttert": "Ich schäme mich, dass ich die Mannschaft im Stich gelassen habe." Nach seiner Entschuldigung noch in der Kabine hielten sich die Mitspieler auffallend mit Kritik zurück. Kein Wunder: Es war bereits der fünfte Platzverweis für die Hamburger aus den vergangenen elf Spielen, alle für unterschiedliche Akteure.

"Das ist etwas, was uns ständig zurückwirft", sagte Gisdol. Derart undiszipliniert wird das Unternehmen Klassenverbleib in der Rückrunde noch schwieriger. "Das müssen wir eindämmen", sagte auch der neue HSV-Sportchef Jens Todt, der zusammen mit dem ebenfalls neuen Vorstandsvorsitzenden Heribert Bruchhagen bald schon wieder als Krisenmanager gefragt sein dürfte, wenn auch das enorm wichtige Spiel beim noch hinter dem HSV platzierten FC Ingolstadt verloren geht.

Dabei sah sich der HSV nach nur einer Niederlage aus den letzten sechs Spielen im alten Jahr schon fast auf dem rettenden Weg. Bruchhagen und Todt als neues Führungsduo und die Neuzugänge Mavraj und Kyrgiakos Papadopoulos sorgten für Optimismus und Selbstbewusstsein, das auch in Wolfsburg auf dem Platz zu spüren war. "Der Grundauftritt war gut. Da ist Leben drin", urteilte Todt nicht unzutreffend. Trotzdem ist der Fehlstart da.

Die Niederlage und der erneute Platzverweis dürften auch den Druck auf den neuen Sportchef erhöhen, bis zum Ende der Transferfrist in knapp zehn Tagen weitere neue Spieler zu holen. Zumal bei Johan Djourou ein Ausfall droht. Der Schweizer Innenverteidiger hatte sich in Wolfsburg beim Aufwärmen am Knie verletzt. Wie schwer die Blessur ist, ist noch unklar. "Da müssen wir abwarten", sagte Gisdol.

Bis zum so wichtigen Duell beim direkten Konkurrenten in Ingolstadt dürfte aber noch keine Verstärkung da sein. "Wir stehen jetzt nicht direkt vor einem Abschluss, schauen aber weiter", verriet Todt und fügte hinzu: "Auch in dieser Situation werden wir nicht in Aktionismus verfallen."

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