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Erinnerungsstücke eines Weltmeisters werden versteigert: Eckels Kühlschrank ist nun in Kassel

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Von: Wolfgang Bauscher

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Der 68 Jahre alten Kühlschrank von Fußball-Weltmeister Horst Eckel.
Für kurze Zeit für einen Schatz besonderer Art zuständig: Wolfgang Fuhr, Geschäftsführer der Kasseler Agon SportsWorld, präsentiert in den Räumen seines Unternehmens den 68 Jahre alten Kühlschrank von Fußball-Weltmeister Horst Eckel. © Andreas Fischer

Ein Kühlschrank in Kassel ist nichts Besonderes. Auch wenn er von weit her kommt und nach kurzem Aufenthalt bald wieder ein neues Zuhause findet.

Kassel – Wenn dieser Kühlschrank jedoch aus dem Nachlass von Horst Horst Eckel stammt, dem im November verstorbenen, damals letzten noch lebenden deutschen Fußballhelden von Bern, dann erregt dies Aufsehen. Was es damit auf sich hat?

Eigentlich hätte der bei der WM im Kader stehende Kasseler Gala Metzner einen von 22 Kühlschränken, die der Hersteller, die Firma Wolfenhöfer, dem deutschen Aufgebot stiftete, bekommen sollen. Das hat nie geklappt. Nun ist doch ein Exemplar in Kassel angekommen, zumindest für ein paar Wochen. Und dieser Kühlschrank gehörte eben Horst Eckel. Im Auftrag von dessen Witwe und Tochter wird die Memorabiliensammlung nun bei einer Auktion versteigert – vom Kasseler Unternehmen Agon SportsWorld.

Dieses wurde 1999 vonWolfgang Fuhr gegründet. Noch heute ist dieser als Geschäftsführer tätig. „Ich mache weiter, solange es Spaß macht. Mit einer Zweidrittelstelle“, wie der 65-Jährige betont, „aber die Nachfolger sind bereits im Unternehmen.“ Acht Mitarbeiter hat Fuhr, der 1985 mit einem Antiquariat in der Goethestraße begonnen hatte. 1990 gründete er den Agon-Verlag am jetzigen Standort in der Südstadt. Das Unternehmen wurde laut Fuhr zum größten Versandhandel für Sportbücher in Europa. „Bis Amazon kam. Dagegen hatten wir keine Möglichkeiten“, sagt Fuhr. Er verlegte sich auf Auktionen von Memorabilien aus den Bereichen Olympische Spiele und Fußball. Zu den Kunden von Agon gehören Privatpersonen ebenso wie Unternehmen und die wichtigsten Museen der Welt. „Wir sind seit 20 Jahren international etabliert, wertvollste Sammlungen werden bei uns versteigert“, sagt Fuhr.

Wie die Kasseler an die Sammlungen kommen? „Leute werden an uns verwiesen, treten an uns heran. Einen Namen gemacht haben wir uns mit den Sachen von Thomas Häßler, die dieser verkaufen musste“, berichtet Fuhr. Im Grunde versteht er sich nicht als Händler oder Auktionator: „Wir beraten die Angehörigen, bewerten, beurteilen, prüfen die Authentizität und versteigern in ihrem Namen. Dafür erhalten wir ein Erfolgshonorar“, berichtet Fuhr. Aus Gründen der Pietät geht Agon nicht auf die Besitzer zu. „Die Leute werden von Interessenten oft hart bedrängt, belogen und betrogen“, weiß Fuhr.

Während Helmut Rahn viele Stücke seiner Sammlung sogar verschenkte und Fritz Walter vieles verkaufte, ist Eckels Sammlung noch komplett. „Ein seltener Glücksfall“, wie Fuhr betont. Verkauft werden soll diese nun, wie es auch der Weltmeister aus der Pfalz selbst gewollt hätte, damit seine Witwe Hannelore im eigenen Haus bleiben und gepflegt werden kann, anstatt ins Heim zu müssen. Wunsch der Famile wäre es laut Auktionskatalog, der unter www.agon-auktion.de eingesehen werden kann, „wenn die komplette Sammlung von einem öffentlichen Museum, Archiv oder Privatsponsor übernommen und sachgerecht archiviert, gesichert und somit öffentlich zugänglich würde“.

Alle rund 500 Stücke, darunter das Trikot vom Finale gegen Ungarn, werden daher zunächst am 9. November für 280 000 Euro angeboten. Wird die Sammlung nicht verkauft, was Fuhr für wahrscheinlich hält, kommt es am 19. November wegen der Nähe zu Kaiserslautern in Mannheim zur Auktion. Viele Interessenten werden vor Ort und via Internet auf der ganzen Welt dabei sein.

Wobei der Kühlschrank mit gerade einmal 500 Euro angesetzt ist und vergleichsweise ein Schnäppchen wäre. Im Gegensatz zu den Endspielschuhen (12 500 Euro) oder der Siegermedaille, die bei 35 000 Euro startet. Ein Limit nach oben gibt es nicht.

Wie aber war das nun mit dem Exemplar von Gala Metzner? Nördlich der Mainlinie wurden einige der zunächst nach Kaiserslautern – wo die Walter-Brüder und auch Eckel heimisch waren – gelieferten Geräte nicht zugestellt. Auch der Hamburger Jupp Posipal und der Kölner Hans Schäfer schauten in die Röhre. Möglicherweise lag es an Mitte der 50er-Jahre bestehenden logistischen Problemen. „Metzner war vor allem auf Fritz Walter nicht gut zu sprechen. ,Der schuldet mir noch einen Kühlschrank. Aber irgendwann waren sie alle weg’, sagte er mehrmals bei unseren Treffen“, berichtet Fuhr. Nun hat es mit Eckels Exemplar immerhin einer nach Kassel geschafft. Wenn auch 68 Jahre zu spät. (Wolfgang Bauscher)

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