Schalke muss in die zweite Liga, Bayern fast am Ziel

Schnellcheck zum Bundesliga-Dienstag: Ein Absteiger, ein Titelverteidiger

Amine Harit.
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Das war es, FC Schalke: Mittelfeldspieler Amine Harit ist die Enttäuschung anzusehen.

Es war ja nur Teil eins des 30. Spieltages in der Fußball-Bundesliga. Aber der hatte es in sich.

Brachte Überraschungen. Brachte die erste Entscheidung im Tabellenkeller. Und die Vorentscheidung im Titelkampf. Das alles und noch etwas mehr im Schnellcheck:

War und ist der FC Schalke noch zu retten?

Nein. Die Königsblauen sind abgestiegen. Was ja schon seit einiger Zeit ziemlich ausweglos war, ist nun besiegelt. Durch das 0:1 bei Arminia Bielefeld ist der FC Schalke zum vierten Mal in seiner Vereinsgeschichte nach 1981, 1983 und 1988 abgestiegen. Auch Dimitrios Grammozis als fünfter Trainer der Saison konnte den unaufhaltsamen Fall nicht stoppen. Über den abgeschlagenen Schalkern wird es dagegen immer dramatischer, da neben Bielefeld auch Köln überraschend gewann. Aber dazu später mehr.

Haben sich die Schalker denn auf der Alm noch einmal richtig gegen den Abstieg gestemmt?

Na ja, aufopferungsvoller Kampf sieht schon anders aus als das, was die Königsblauen – der Trikotfarbe nach diesmal allerdings auch Mintgrünen – ablieferten. Das zarte Pflänzchen Hoffnung nach dem 1:0 gegen Augsburg war ja beim 0:4 in Freiburg schon gnadenlos zertrampelt worden. Grammozis hatte zwar offensiv aufgestellt, mit Klaas-Jan Huntelaar und Goncalo Paciencia auf eine Doppelspitze gesetzt – doch was nutzt das, wenn es Offensivbemühungen kaum gibt. Bis zur Pause hatten die Gäste keine Torchance. Schlussmann Ralf Fährmann musste im Gegenteil mehrfach den Rückstand verhindern.

Und wie sah es nach der Pause aus?

Nicht besser. Noch schlechter. Also solange man es mit Schalke hält. Arminen-Anhänger durften sich freuen. Über das 1:0 von Fabian Klos (50.). Schalke ließ dann alles zusammenkommen, was zu diesen Abstieg führte. Mangelnde Gegenwehr. Mangelnde Ideen. Malick Thiaw sah Gelb-Rot. Fährmann hielt irgendwann einen Elfmeter von Klos. Da war aber längst alles zu spät. Schalke geht.

Wie waren die Reaktionen nach dem Abstieg?

Ohne Fans im Stadion und angesichts des langen Bewerbungsschreibens in Monaten der Trostlosigkeit nicht sonderlich emotional.

Ein kurzer Kommentar zum Schalker Abstieg?

Hier ist er: Einen solchen Absturz in so kurzer Zeit hat die Bundesliga selten erlebt. Gerade noch Champions League, nun zweite Liga. Was der FC Schalke 04 innerhalb eines Jahres erlebt hat, war eine Höllenqual für die Fans der Königsblauen. Dass eine Mannschaft, die ohne Zweifel mehr Qualität hat, in eine solche Abwärtsspirale gerät, ist kaum zu erklären. Und eben doch Folge eines chaotischen Managements, das in der Krise komplett die Übersicht verlor. Fünf Trainer in einer Saison konnten den Sturz nicht stoppen. Die spannende Frage wird nun sein, ob dieses Schalke die Zweitklassigkeit als Chance nutzen kann für einen Neubeginn auf allen Ebenen.

Aus dem Keller an die Spitze. Wie reagierte der FC Bayern auf die Abschiedsbitte seines Meistertrainers?

Indem er ihn nahezu sicher wieder zum Meistertrainer machte. Gegen Leverkusen wurden schon früh die Weichen auf Sieg gestellt. Und damit eben auch auf Titelverteidigung. Weil Leipzig schon wieder patzte. Aber auch dazu später mehr. Entscheidender Mann war zweimal David Alaba – auch wenn er keinen Treffer selbst erzielte. Beim 1:0 fand seine Flanke Thomas Müller, dessen Abschluss parierte Lukas Hradecky zwar noch. Beim Nachschuss von Eric Maxim Choupo-Moting war er dann aber chancenlos (7.). Sechs Minuten später folgendes Bild: Flanke Alaba, Abpraller zu Joshua Kimmich, 2:0. Wie gesagt, die Weichen waren früh gestellt. 2:0 stand es auch beim Abpfiff. Damit zu den weiteren Spielen.

Was machte die Entscheidungen und Vorentscheidungen an diesem Tag erst möglich?

Dafür springen wir zurück zum Spiel am frühen Abend. Zum Duell des Vorletzten Köln gegen den Zweiten Leipzig. Klare Sache? Keineswegs. Denn nach dem 0:0 gegen Hoffenheim stolperten die Sachsen erneut, verloren 1:2 gegen die abstiegsbedrohten Kölner und sorgten somit – wenn auch ungewollt – für die Vorentscheidung im Titelkampf. Nach Kölns Sieg reichte Schalke selbst ein Remis in Bielefeld nicht mehr, um den vorzeitigen Abstieg zu verhindern.

Gab es einen Mann des Abends in Köln?

Auf jeden Fall. Und der hieß Jonas Hector. Trainer Friedhelm Funkel zog den Kapitän etwas weiter nach vorn. Und Hector dankte es dem neuen Coach mit einem Doppelpack, seinem ersten in der Bundesliga. 50 Sekunden nach Wiederanpfiff traf er per Flugkopfball. Und nur Sekunden, nachdem Amadou Haidara das 1:1 mit einem fulminanten Schuss aus 16 Metern erzielt hatte, bediente Ondrej Duda Hector wunderschön mit der Hacke und der 30-Jährige vollstreckte ins rechte untere Eck. Anschließend liefen die Sachsen an, hatten Chancen, kamen aber nicht zum Ausgleich. Köln funkelt wieder dank seines doppelten Hectors.

Was passierte sonst noch?

Eintracht Frankfurt rehabilitierte sich für das 0:4 gegen Gladbach. Die Hessen gewannen gegen Augsburg 2:0. Das 1:0 machte der wiedergenesene Martin Hinteregger per Kopf (37.). Der Österreicher hatte vorher mit einem rüden Foul mit offener Sohle gegen Marco Richter für Aufregung gesorgt. Den zweiten Treffer besorgte Torjäger André Silva (58.) – ebenfalls per Kopf. Augsburgs Alfred Finnbogason vergab einen Handelfmeter mit einem schwachen Chippversuch (73.).

Wie war die Übertragung im TV?

Mit Fortschreiten der Saison wächst ja auch der Spaß an der Konferenz. Ob im Radio oder wie hier bei Sky. Wo Reporter Tom Bayer in Köln bei der Chance für Nordi Mukiele feststellte: „Da hat er knapp vorbeigezielt.“ Was aber auch heißt: Wenn Mukiele knapp neben das Tor gezielt hat, dann hat er ja nahezu perfekt getroffen. Was wiederum zu einer wichtigen Aufgabe für Julian Nagelsmann führt: Wie erklärt der Trainer dem Spieler, dass das schon ganz gut war, das Ziel aber das Tor sei, nicht ein Punkt knapp daneben. (Frank Ziemke und Maximilian Bülau)

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