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Ein Experte aus Nordhessen gibt Tipps, wie Torhüter bei der WM Elfmeter halten

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Von: Maximilian Bülau

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Bono.
Marokkos Torhüter hält einen Elfmeter gegen Spanien: Bono blieb lange stehen. © Imago/Andres Pina

Am Mittwoch reicht es Jürgen Ey. Der 76 Jahre alte Ex-Fußball-Profi ruft bei dieser Zeitung an. Er will einen Leserbrief schreiben, ist richtig sauer.

Nicht auf die Zeitung. Sondern auf die Torhüter bei der WM. Auf die Torhüter allgemein. Am Dienstag hatte er das Achtelfinale zwischen Spanien und Marokko gesehen, eins von zwei K.o.-Duellen bislang, das in die Verlängerung und bis ins Elfmeterschießen ging. Und was ihm da geboten wurde, das brachte das Fass zum Überlaufen. Ey ruft also bei uns an, will Dampf ablassen. Doch was er zu sagen hat, ist interessant. Wir lassen es uns erklären. Und aus einem Leserbrief wird diese Geschichte.

Worum geht es dem ehemaligen Stürmer, der in Bremen geboren wurde, ein Jahr für den FC Bayern auflief (1970 bis 1971) und seine Karriere in Nordhessen erst beim KSV Hessen Kassel (1973 bis 1976; 86 Spiele, zwölf Tore) und dann bei der FSV Bergs-hausen (1976 bis 1979; 46 Spiele, neun Tore) ausklingen ließ? Ey, nach eigenen Aussagen bei jedem Klub, für den er spielte, auch erster Elferschütze, versteht nicht, warum sich die Torhüter bei Strafstößen so früh für eine Ecke entscheiden. Dazu muss man wissen, dass es im Profifußball mittlerweile etabliert ist, dass die Schützen ihren Anlauf enorm verzögern, kleine Sprünge einbauen, um den Schlussmann auszugucken und den Ball dann locker in die freie Ecke zu schieben. Einer, der das besonders gut macht, ist der Portugiese Bruno Fernandes. Auch der Pole Robert Lewandowski tritt so an. Für Diskussionen sorgt das schon seit Langem. Kritiker sagen, so ein verzögerter Anlauf solle verboten werden, die Schützen müssten durchlaufen und schießen, sonst hätten Torhüter kaum eine Chance.

Doch Ey sieht das anders. Auch er ist kein Fan des verzögerten Anlaufs. Aber er sagt: „Wer den Marokkaner Bono gesehen hat, der weiß, warum drei Spanier gegen ihn verschossen haben. Bono bleibt mit den Füßen auf der Linie, wippt etwas hin und her, bewegt den Oberkörper – aber er bleibt stehen. Keine Frage, er hat die Elfer gut rausgeholt. Aber die waren auch alle lasch geschossen. Weil die Schützen, die den Anlauf so verzögern, gar keinen Druck mehr auf den Ball bringen können. Die warten, bis sich der Torwart bewegt. Und wenn er es nicht tut, ist der Schütze irritiert, und es kommen Elfmeter wie die der Spanier heraus.“ Heißt also: Ey wirft den Torhütern vor, dass sie nicht aus den neuen Gegebenheiten lernen. „Die haben doch alle auch Standard- und Torwarttrainer. Aber sie verstehen nicht, dass man nur eine Chance hat, solche Elfer zu halten, wenn man lange stehen bleibt. Das ist traurig.“

Die Idee des verzögerten Anlaufs ist laut Ey nicht neu. Bereits der Tscheche Antonin Panenka, nach dem der in die Mitte gechippte Strafstoß benannt ist, mit dem er 1976 das EM-Finale gegen Deutschland entschied, habe gewartet, bis der Torwart lag. Ey selbst habe die Elfer früher übrigens immer stramm und hoch in die Mitte geschossen. Er kann sich nur an einen Versuch erinnern, der nicht reinging. Der Ex-Profi hat aber auch noch ein Lob übrig für Schützen wie Fernandes und Lewandowski. „Wenn du so schießt, musst du ja die ganze Zeit den Kopf oben haben, darfst nicht auf den Ball schauen, weil du den Torhüter beobachtest. Das ist nicht einfach“, sagt er.

Dann legt er auf. Der Dampf ist abgelassen. (Maximilian Bülau)

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