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Schnellcheck zum Dienstag im DFB-Pokal: Ein Hühnerhaufen und ein Fohlenschreck

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Von: Maximilian Bülau, Frank Ziemke

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Frank Kramer.
Der Ex-Trainer eines Hühnerhaufens: Frank Kramer wurde einen Tag nach dem Pokal-Aus gegen Hoffenheim entlassen. © Hasan Bratic/dpa

Pokalabend am Dienstag. Acht Spiele. Achtmal die Frage: Ab ins Achtelfinale, oder ab nach Hause?

Alle Außenseiter im Wettbewerb waren gestern dabei. Auch Schalke! Ob – und wo – es eine Überraschung gab, das verrät der Schnellcheck.

Dann fangen wir doch gleich mal mit Schalke an. Zeigte sich der Krisenklub im Pokal stabiler?

Beim 0:3 gegen Hoffenheim in der Liga waren die Königsblauen gelobt worden. Für ihre Einstellung. Naja, es war halt trotzdem ein 0:3. Beim erneuten Aufeinandertreffen, diesmal in Hoffenheim, baute der umstrittene Trainer Frank Kramer seine Defensive auf Fünferkette um. Aus Verletzungsgründen nur um einem gelernten Innenverteidiger herum. Ergebnis: Schalke spielte wie ein Hühnerhaufen.

Wie spielt denn ein Hühnerhaufen?

So wie Schalke halt. Flatterig. Nervös. Durcheinander. Lückenhaft. So schnell konnte man gar nicht gucken, wie Schalke auseinandergenommen wurde. Angelino kommt nach wenigen Sekunden frei zum ersten Abschluss. In der 5. Minute steht es 1:0. Munas Dabbur trifft ziemlich unbedrängt. Nach 16. Minuten steht es 2:0. Schalke schaut tatenlos zu, wie Angelino abzieht. So geht es bis zu Pause weiter. Hoffenheim spielt. Schalke schaut zu. Dabbur macht noch das 3:0 (43.). Der Sky-Reporter fragt ungläubig: „Ist das hier Training?“

In aller Kürze: Wie bitter wurde es noch?

Bitter genug. Ozan Kabak 4:0 (51.). Pavel Kaderabek 5:0 (63.). Dass Schalkes Dominick Drexler den Ehrentreffer zum 5:1 (69.) erzielen durfte, hatte schon etwas von Mitleidsgeste.

Von einem Außenseiter zum nächsten: Wie ging es denn in Elversberg zu?

Neblig. Und das hatte nichts mit Pyrotechnik zu tun (siehe Artikel unten). Das Wetter sorgte für schlechte Sicht. Und vielleicht lag es auch daran, dass sich die Offensivreihen lange so bedeckt hielten wie der Himmel. Doch fünf Minuten vor dem Ende hatte Bochums Anthony Losilla dann doch einmal den Durchblick. 1:0. Das war’s.

Pokal und Derby: Das passt ja eigentlich. Gab es eins am Dienstagabend?

Sonst würden wir wahrscheinlich nicht fragen. Nur etwas mehr als 30 Kilometer Fahrstrecke liegen zwischen Braunschweig, dem Zweitligisten, und Wolfsburg, dem Erstligisten. Und wie schon früher am Abend ließ der Favorit aus der Autostadt schnell vermuten, dass das eine klare Sachen werden könnte. Mattias Svanberg machte das 1:0 für den VfL (8.). Aber apropos Hühnerhaufen: Wolfsburgs Keeper Koen Casteels hatte wohl in einer freien Minute mal nach Sinsheim geschaut. Anders ist es kaum zu erklären, warum er in der 40. Minute irgendwo in seinem Strafraum stand, nur halt nicht auf der Linie. Maurice Multhaupt lupfte ins leere Tor. 1:1. Überraschung? Nein, weil der Bundesligist durch Jakub Kaminski erneut in Führung ging (65.). Und weil der VfL das 2:1 bis zum Ende hielt. Wieder ein Favoritensieg. Was ist nur mit diesem DFB-Pokal los?

Noch einmal hieß es ja: Ein Zweitligist empfängt einen Erstligisten. Wer wen?

Darmstadt die Fohlen aus Mönchengladbach. Und endlich, ja endlich ging auch mal ein Außenseiter in Führung. Philipp Tietz traf für den Spitzenreiter der zweiten Liga (23.). Es ging auch mit einer Führung in die Pause. Doch nach Wiederanpfiff dauerte es keine 180 Sekunden, und es stand 1:1. Luca Netz – okay, wir sagen es – netzte ein. Wie in Braunschweig also wieder keine Überraschung? Denkste. Die Lilien aus Darmstadt zeigten, warum sie auch in der Zweiten Liga gerade nicht zu schlagen sind. Aaron Seydel machte elf Minuten vor dem Ende das 2:1 für die Südhessen. Und er mutierte so zum Fohlenschreck. Denn diese eine Überraschung hatte der Dienstagabend dann eben doch parat.

Klein gegen Groß, das gab es vor allem in den frühen Spielen. Wie schlugen sich die Außenseiter?

Naja, nicht wirklich gut. Gleich dreimal hieß es bereits zur Pause 2:0 für die Bundesliga – egal, ob der Gegner aus der zweiten, vierten oder gar fünften Liga kam. Am Ende blieb es für Frankfurt bei den Stuttgarter Kickers beim 2:0, Mainz siegte beim VfB Lübeck 3:0 und Leipzig gegen den Hamburger SV gar 4:0.

Welche Wege führten zum Erfolg?

Fußball kann manchmal sehr einfach sein. Das gilt vor allem bei Standardsituationen. Ecke – Tor, Ecke – Tor. So in Lübeck. Und dort in der 16. Minute. Ecke Karim Onisiwo, Innenverteidiger Alexander Hack halb mit dem Kopf, halb mit der Fußspitze – 1:0 für Mainz. Und eine Minute später in Stuttgart: Ecke Mario Götze, Kopfball Hrvoje Smolcic – da führte die Eintracht aus Frankfurt bereits 2:0, nachdem Randal Kolo Muani mit der ersten Chance bereits das 1:0 gemacht hatte (11.). In Lübeck erhöhte Marcus Ingvartsen kurz vor der Pause auf 2:0. Aymen Barkok traf kurz vor Schluss zum Endstand (88.).

Und in Leipzig? Da war der Weg zum Erfolg ein anderer. Er führte über die rechte Seite. Und ging so: quergelegt – eingeschoben, quergelegt – eingeschoben. Zweimal hieß der Nutznießer Yussuf Poulsen. Erst legte Mohamed Simakan auf (34.). Zwei Minuten später war es André Silva, der den Dänen bediente. Aber auch Leipzig kann das: Ecke – Tor. So fiel das 3:0 durch Simakan (69.). Benjamin Henrichs machte den Deckel drauf (82.).

Kam trotzdem noch etwas Feuer in die Spiele?

Ja, aber anders als gewünscht. Feurig wurde es nur auf den Tribünen. Mit Beginn der zweiten Halbzeit wurde gleich in drei Stadien kräftig gezündelt. Es ging los in Stuttgart, wo es erst im Eintracht-Block gewaltig loderte und qualmte, sogar Raketen in den Himmel stiegen. Sky-Reporter Wolff-Christoph Fuss kommentierte die Szenen süffisant als „vorgezogenes Sylvester-Feuerwerk im Degerloch“. Die Kickers-Anhänger zogen dann nach und zündeten ebenfalls Pyro. In Lübeck wurde zeitgleich das Spiel wegen Bengalos auf der Tribüne der Gastgeber sogar unterbrochen. Die Konferenz wechselte deshalb nach Mannheim. Und zu sehen war als Erstes was? Pyrotechnik und Rauch bei den Nürnberger Fans, die später einmal jubeln durften, weil Gerrit Gohlke das entscheidende Eigentor unterlief (63.).

Wie war die Übertragung im TV?

Mammut-Konferenz bei Sky: Acht Partien, da ist Abwechslung garantiert – Hochspannung nicht immer. Siehe Spiele ab 18 Uhr. Bei denen lieferte Buschi Buschmann aber den Spruch des Abends, als er über Hamburgs Trainer Tim Walter sagte: „Er wirft sich vor seine Spieler wie eine Löwenmutter vor ihre Babys.“ Kurz darauf wirkte Walter nach zwei Gegentoren in drei Minuten, kopfschüttelnd und mit grimmiger Miene, eher wie ein jagdlustiger Löwe, der sich gleich auf seine Beute stürzt. (Frank Ziemke und Maximilian Bülau)

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