Im DFB-Pokal heute gegen Leverkusen

Rot-Weiss Essen: Ein Klub mit Kultstatus

Willi Lippens (links) mit Wolfgang Rausch.
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Vereinslegende Willi Lippens (links) mit Teamkollege Wolfgang Rausch zu sehen.

Dieser Klub hat eine lange Tradition. Allerdings ist Rot-Weiss Essen in den vergangenen Jahren in der Versenkung verschwunden.

Kassel – Im DFB-Pokal kehrt der Verein aber gerade auf die große Fußball-Bühne zurück. Der nächste Auftritt steht heute (18.30 Uhr/Sky) an, wenn der Regionalligist im Achtelfinale den Bundesligisten Bayer Leverkusen empfängt.

Ein Blick in den Klub.

Die Geschichte

Die erfolgreichste Zeit liegt schon etwas zurück. Das war in den 1950er-Jahren, als RWE 1953 den DFB-Pokal gewann, dann zwei Jahre später das erste und einzige Mal Deutscher Meister wurde. In der Saison darauf nahm Essen an der Premiere des neu geschaffenen Europapokals der Landesmeister teil, schied aber in der ersten Runde gegen Edinburgh aus.

Essen zählte 1963 nicht zu den Gründungsmitgliedern der Bundesliga, stieg aber 1966 erstmals auf. Insgesamt sieben Saisons spielte RWE im Oberhaus – von 1973 bis 1977 vier Jahre am Stück. Nach dem Abstieg 1977 kehrte der Verein aber nicht mehr in die Bundesliga zurück.

Für Furore sorgten die Essener 1994, als sie es als Zweitligist bis ins DFB-Pokalfinale schafften. Dort verloren sie aber gegen Werder Bremen 1:3. Den Tiefpunkt erreichte der Verein 2010, als er Insolvenz anmeldete. Es folgte der Zwangsabstieg in die Nordrhein-Westfalenliga. Bereits 2011 gelang aber der Aufstieg in die Regionalliga, in der Essen bis heute spielt.

Die Kultfiguren

Wer den Namen Rot-Weiss Essen hört, denkt sofort an zwei Spieler. Helmut Rahn und Willi Lippens. Sie stehen für die erfolgreichsten Zeiten des Klubs. Der Boss, wie der in Essen geborene Rahn genannt wurde, gewann mit RWE den DFB-Pokal und die Meisterschaft. Zwischen diesen beiden Erfolgen wurde er 1954 Weltmeister. Rahn schoss im Finale gegen Ungarn den 3:2-Siegtreffer. Noch heute erinnert eine Bronze-Statue von Rahn vor dem Essener Stadion an die Vereinslegende.

Lippens spielte 13 Jahre für Essen – davon sechs in der Bundesliga. Er ist mit 434 Partien nicht nur der RWE-Rekordspieler, sondern mit 233 Treffern auch bester Torjäger. Kultstatus erlangte er weit über Essen hinaus als Spaßvogel, der immer einen flotten Spruch auf den Lippen hatte. Legendär ist folgende Szene: Beim Regionalligaspiel 1965 in Herne sagte der Schiedsrichter zu ihm: „Herr Lippens, ich verwarne Ihnen.“ Lippens antwortete: „Herr Schiedsrichter, ich danke Sie.“ Daraufhin sah der Essener die Rote Karte. Bekannt ist er auch wegen seines Laufstils. Weil dieser an den Watschelgang einer Ente erinnerte, bekam er den tierischen Spitznamen.

Neben Rahn und Lippens spielten aber weitere bekannte Fußballer wie Otto Rehagel, Manfred Burgsmüller, Mario Basler, Horst Hrubesch, Matthias Herget, Werner Lorant, Norbert Nigbur und Mesut Özil für Rot-Weiss.

Der Weg im Pokal

Im DFB-Pokal blieb Essen in diesem Jahr bislang im eigenen Bundesland. Natürlich, weil der Viertligist immer Heimrecht hatte. Aber auch was die Gegner angeht. In der ersten Runde war Bundesligist Arminia Bielefeld aus Ostwestfalen mit 0:1 unterlegen. In der zweiten Runde hatte dann die Fortuna aus der Landeshauptstadt das Nachsehen. In einer spannenden Begegnung siegten die Essener 3:2.

Die Mannschaft

In der Regionalliga West, die ja als einzige neben der Südwest-Staffel den Spielbetrieb fortgesetzt hat, liefert sich Rot-Weiss Essen einen Aufstiegszweikampf mit der Reserve von Borussia Dortmund. Derzeit liegt der BVB zwei Punkte vor RWE – hat allerdings auch ein Spiel mehr absolviert. Die Lebensversicherung der Essener trägt dabei den Namen Simon Engelmann. Im Pokal traf der 31-Jährige in beiden Partien. In der Liga hat der Stürmer 20 Treffer in 22 Spielen erzielt. Der bekannteste Name ist aber ein anderer: Jakob Golz. Der 22 Jahre alte Ersatztorwart der Essener ist der Sohn von Richard Golz. Der stand für Freiburg und den HSV 453 Mal in der Bundesliga auf dem Feld. Im DFB-Pokal erreichte er dreimal das Viertelfinale. Und das will Sohn Jakob mit Essen heute auch schaffen. (Manuel Kopp und Maximilian Bülau)

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