Ein Jahr beim KSV Hessen

Ex-Kasseler Marcel Andrijanic will mit Portal für Amateurfußballer Spielern und Vereinen helfen

Oliver Ioannou (SV Drochtersen Assel, links unten), Marcel Andrijanic (SV Drochtersen Assel, links oben), Yannik Jaeschke (TSV Havelse, Mitte) und Noel Below (Sportfreunde Siegen).
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Das Gründerteam: Oliver Ioannou (SV Drochtersen Assel, links unten), Marcel Andrijanic (SV Drochtersen Assel, links oben), Yannik Jaeschke (TSV Havelse, Mitte) und Noel Below (Sportfreunde Siegen).

Sie gehen ein großes Risiko ein. „Wir haben unsere Jobs aufgegeben, leben von Erspartem. Manche von uns haben bereits Familie.“

Kassel – Das sagt Marcel Andrijanic. Der 28-Jährige, der von 2013 bis 2014 ein Jahr für den Fußball-Regionalligisten KSV Hessen Kassel aktiv war, ist einer von vier Gründern, die sich mit einem Scouting-Portal für Amateurfußballer selbstständig gemacht haben.

Das Ganze heiß „Poacher“, was übersetzt so viel wie wildern oder abstauben bedeutet. Ein „poacher goal“ ist im Englischen ein Abstaubertor.

Und genau darum geht es Andrijanic und seinen Kollegen Oliver Ioannou, Yannik Jaeschke und Noel Below. Drei der vier spielen in der Regionalliga Nord Fußball, Below ist für die Sportfreunde Siegen in der Oberliga Westfalen aktiv. Dem Team, das von Ex-KSV-Coach Tobias Cramer betreut wird. Poacher soll eine Plattform sein, auf der Spieler den passenden Verein finden und Vereine den passenden Spieler. Auf dem eben gewildert und abgestaubt wird.

Andrijanic beschreibt das Ganze als eine Mischung aus Facebook und Xing – also etwas zwischen Sozialem Medium und Jobbörse für Fußballerinnen und Fußballer. „Es soll eine große Community werden. Es gibt viele Spieler, die fühlen sich nicht entdeckt. Keiner kommt vorbei, um sie zu scouten. Das wollen wir ändern“, sagt er. Die Idee dazu entstand während Andrijanics Zeit beim TuS Erndtebrück. „Wir haben das seit vier Jahren im Kopf. Wir haben uns damals gefragt: Wo wollen wir hin, haben auf Anrufe gewartet. Da war immer eine Ungewissheit“, sagt er. In verschiedenen Konstellationen haben die vier Gründer alle irgendwo mal mit mindestens einem der Kollegen zusammengespielt.

Funktionieren soll Poacher von der Regionalliga bis in die unterste Klasse. Und das Portal soll deutschlandweit etabliert werden – zudem in Österreich, der Schweiz und Luxemburg. So die Zukunftsvorstellung. „Es ist ein bisschen wie bei der TV-Sendung ‘Die Höhle der Löwen’ – wir haben schon einige Investoren, suchen aber nach weiteren“, sagt Andrijanic. Stand der Dinge sei derzeit: Mehr als 150 Vereine haben sich bereits auf Poacher angemeldet, zudem rund 450 Spieler. Seit Anfang Dezember 2020 ist eine Beta-Version unter www.poacher-sports.de online. Insgesamt hat das Start-up-Unternehmen derzeit neun Mitarbeiter.

Die Anmeldung ist erst einmal kostenlos, für Vereine sei es immer kostenfrei, sagt Andrijanic. Für Spieler gibt es eine Premium-Variante, die mehr Funktionen freischaltet. So können die Fußballer Klubs direkt anschreiben, sonst können sie nur kontaktiert werden. Die Kosten sind übersichtlich. Für ein Monatsabo bezahlt der Spieler 6,95 Euro. Bucht er gleich für ein halbes Jahr, dann kostet Poacher noch 4,95 Euro pro Monat. Bei einem Jahresabschluss sind es noch 3,95 Euro im Monat.

Aber ist das alles ganz neu? „Es gab bereits Versuche mit einer ähnlichen Idee, die schon länger auf dem Markt sind. Aber die haben sich nicht durchgesetzt“, sagt Andrijanic. Damit das bei Poacher besser läuft, arbeiten die vier Gründer seit einem Jahr in Vollzeit an ihrem Portal. Sie arbeiten daran, dass Vereine gesuchte Positionen ausschreiben können – Stürmer, unter 30, Linksfuß, Oberliga zum Beispiel. Sie arbeiten an Merklisten und einer Plattform für Videos, in denen sich Spieler selbst präsentieren können. „Wir haben immer noch viel zu tun“, sagt Andrijanic. Aber das Potenzial bei geschätzten 3,5 bis vier Millionen Amateurfußballern in Deutschland, die älter als 16 Jahre sind, ist auch groß. (Maximilian Bülau)

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