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Max Kruse und der VfL Wolfsburg trennen sich: Eine Million Euro und die Freiheit

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Von: Maximilian Bülau

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Max Kruse.
Ein besonderer Typ: der Fußballer Max Kruse. © Imago/Jan Huebner

Wenn Max Kruse nicht Max Kruse wäre, dann wäre eine Nachricht wie diese während einer Fußball-Weltmeisterschaft eher unwahrscheinlich: Bundesligist VfL Wolfsburg und der hochbegabte Angreifer gehen fortan getrennte Wege.

Aber weil Max Kruse eben Max Kruse ist, weilt der 34-Jährige nicht bei der fast stürmerlosen Nationalmannschaft, sondern pokert, streamt bei Youtube, quatscht in einem Podcast mit Oliver Pocher. Und weil Max Kruse eben Max Kruse ist, kommt er mit einem Trainer wie Niko Kovac nicht besonders gut klar.

Aber von vorn. Der in Reinbek in Schleswig-Holstein bei Hamburg geborene Kruse wechselte erst in der Winterpause Anfang des Jahres von Union Berlin zum VfL Wolfsburg. Aus der Hauptstadt, seiner Wahlheimat, wo er sich so wohl fühlt, wo er sich bei den Eisernen einen exzellenten Ruf erarbeitet hatte, nach Wolfsburg – in die VW-Stadt, die in etwa so glamourös ist wie eine Currywurst mit Pommes an der Bude vor dem Baumarkt. Kruse kam als Hoffnungsträger zum VfL, der in Abstiegsnot geraten war. Sein Unterstützer und Befürworter war Trainer Florian Kohfeldt. Beide kannten sich aus gemeinsamen Bremer Zeiten. Sportlich war dieser Wechsel aus Kruses Sicht nicht wirklich verständlich. Finanziell wohl schon, damit begründete der 34-Jährige damals auch den Standorttausch. Langfristig und hoch dotiert nannte Kruse sein neues Arbeitspapier, das er bei den Niedersachsen unterschrieb.

Sportlich leistete Kruse aber zunächst auch seinen Beitrag und bewahrte den VfL vor dem Gang in die zweite Liga. Sieben Tore und eine Vorlage gelangen ihm bei seinen 14 Einsätzen in der Rückrunde, darunter ein Dreierpack gegen Mainz 05. Wolfsburg beendete die Spielzeit auf Rang zwölf. Kohfeldt und der VfL gingen dennoch getrennte Wege. Und Niko Kovac wurde sein Nachfolger.

Der Kroate ist ein Trainer, der viel Wert auf Fleiß und Disziplin legt. Und der insgesamt wenig Kompromisse eingeht, dem vielleicht hin und wieder das Gefühl für die Wertigkeit eines Fußballers fernab von Laufleistung und Zweikampfhärte abgeht. Etwas, das ihm die Arbeit beim FC Bayern einst nicht unbedingt erleichterte. Kruse, nicht als Trainingsweltmeister, aber für seinen feinen Fuß bekannt, durfte in den ersten fünf Partien der neuen Saison noch mitspielen, zweimal stand er über 90 Minuten auf dem Feld. Was ihm aber nicht half: Nach diesen fünf Spielen hatte der VfL gerade einmal zwei Zähler auf dem Konto, der Angreifer keine Torbeteiligung.

Als die Wölfe ab Anfang Oktober eine Serie mit acht Partien ohne Niederlage starteten, die auch heute noch Bestand hat, da gehörte der 34-Jährige schon nicht mehr zum Kader. Ende September hatte Kovac ihn aussortiert, warf ihm mangelnde Professionalität vor, was sich negativ auf den Rest der Mannschaft auswirke. Was Kruse sicher auch nicht half: Hatte er vorher schon einen leichten Bauchansatz, wirkte er in seinem übergroßen Trikot mittlerweile wirklich wie jemand, der häufig Currywurst mit Pommes an der Bude vor dem Baumarkt bestellt.

Jedenfalls ist das Missverständnis zwischen Trainer und Spieler nun insofern ausgeräumt, als dass beide künftig nicht mehr zusammenarbeiten. Am Montagabend wurde bekannt, dass Kruses Vertrag beim VfL aufgelöst wird. Dafür bekommt er eine Abfindung, die dem Vernehmen nach eine Million Euro betragen soll. Und er ist wieder frei. Für was? Allein aufs Pokern will er sich wohl noch nicht beschränken. Ein Engagement in den USA soll wahrscheinlich sein. (Maximilian Bülau)

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