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Einst Volksheld, jetzt Staatsfeind: Ali Daei wohl im Iran festgenommen

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Von: Maximilian Bülau

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Ali Daei.
Er wurde im Iran wohl festgenommen: Ali Daei spielte in Deutschland für Arminia Bielefeld, den FC Bayern München und Hertha BSC. © Imago/Weckelmann

Ali Daei ist im Iran ein Volksheld. Der 53 Jahre alte Ex-Fußballer war lange Zeit Rekordspieler der Fußall-Nationalmannschaft.

Er ist mit 109 Treffern in 149 Partien Rekordtorschütze seines Heimatlandes. Ali Daei spielte für den FC Bayern und wurde Deutscher Meister. Er traf auch für Arminia Bielefeld und Hertha BSC. Für die Berliner war der ehemalige Angreifer auch dreimal in der Champions League erfolgreich. Als Iraner ist er damit eine Seltenheit.

Ali Daei spielte zu einer Zeit in der Bundesliga, als die Trikotsponsoren noch Opel, o.tel.o und Gerry Weber hießen. Sein Gesicht war einprägsam. Dichtes schwarzes Haar, rasiert – bis auf einen mächtigen Schnauzbart. Wer ihn zuletzt – zum Beispiel Anfang April bei der Gruppenauslosung für die anstehende WM in Doha sah – hätte ihn vielleicht auch deswegen kaum wiedererkannt. Der Schnauzer ist heute weg, allein ein kleiner grauer Kinnbart ist geblieben. Das kurze, graumelierte Haar trägt er ordentlich zurückgegelt.

Dass Ali Daei noch vor etwa einem halben Jahr als „Losfee“ für eine Weltmeisterschaft fungieren darf, zeigt den Stellenwert, den er in seinem Land hat. Den er in seinem Land hatte. Denn mittlerweile ist er von einem Volkshelden zum Staatsfeind geworden.

Alles beginnt am 16. September. Die 22 Jahre alte Mahsa Amini stirbt im Iran in Gewahrsam. Sie war von der Sittenpolizei festgenommen worden, weil sie sich nicht an die Kleiderordnung für Frauen gehalten haben soll. Die Menschen gehen seitdem überall im Land auf die Straße, protestieren, setzen sich für die Rechte der Frauen ein. Auch Ali Daei. Der 53-Jährige hat allein im sozialen Netzwerk Instagram 10,4 Millionen Abonnenten. Er rief über seine Kanäle dazu auf, die Probleme des iranischen Volks zu lösen, anstatt auf Unterdrückung, Gewalt und Verhaftungen zurückzugreifen. Wie viele andere Sportler des Landes wird Ali Daei zu einem Anführer der Protestbewegung. Doch das hat Folgen.

Die Regierung zieht Ali Daeis Pass ein, hindert ihn so an einer Ausreise. Zwar bekommt er seinen Pass zurück. Doch nun ist der Ex-Fußballer wohl festgenommen worden. Am vergangenen Mittwoch endete ein 40 Tage andauernde Trauerzeit, die traditionell im Iran gilt. Viele Menschen pilgerten zum Grab von Mahsa Amini – auch Ali Daei wollte dies tun. Zusammen mit dem 31 Jahre alten Torhüter Hamed Lak soll sich der 53-Jährige in einem Hotel in Saqqez aufgehalten haben, als er von Sicherheitskräften gesucht und abgeführt wurde. Die Familie von Amini hatte Unterstützer der Proteste vorab dazu aufgerufen, das Grab nicht zu besuchen – wohl in dem Wissen, dass es zu gewaltsamen Auseinandersetzungen kommen könnte oder unter dem Druck der Regierung.

Aus Deutschland bekommt Ali Daei immer wieder Unterstützung, von seinen Ex-Vereinen Bielefeld und Hertha, von Fans beider Klubs mittels Bannern. Berlins Manager Fredi Bobic lobte Daei vor der Partie gegen Werder Bremen für sein mutiges Auftreten.

Wo Ali Daei derzeit allerdings ist, steht nicht fest. Via Instagram war er letztmals am 17. Oktober aktiv. Seit Dienstag gibt es keine Nachricht mehr von ihm.

Seinen Pass hat er wieder. Seine Freiheit hat er nun wohl verloren. (Maximilian Bülau)

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