Bundesliga

Neustart der Bundesliga: Eintracht und Co. kicken ab Mitte Mai auf Bewährung

Die Politik macht am Mittwoch den Weg für Geisterspiele in der Bundesliga frei. Ab Mitte Mai rollt auch für Eintracht Frankfurt wieder der Ball. 

  • Nach Corona*-Pause:Neustart der Bundesliga steht bevor
  • Eintracht Frankfurt muss noch zehn Ligaspiele absolvieren 
  • Ausschließlich Geisterspiele

Update vom Mittwoch, 06.05.2020, 15 Uhr: Jetzt ist es beschlossene Sache: Die Politik gibt grünes Licht für einen Neustart der Fußball-Bundesliga Mitte Mai. Details sollen von der Deutschen Fußball-Liga (DFL) selbstständig ausgearbeitet werden, auch, an welchem Datum der Spielbetrieb wieder aufgenommen wird. Alle Spiele finden als Geisterspiele also unter Ausschluss von Zuschauern statt. 

Die DFL hatte schon im Vorfeld einen umfassenden Hygiene-Plan zum Neustart der Liga erarbeitet. 

Neustart der Bundesliga: Grünes Licht für Geisterspiele

Erstmeldung

Wer vom Bundeskanzleramt am Spreeufer aufs Vereinsgelände von Hertha BSC tief im Westen der Hauptstadt will, der kann die Strecke über die Bundestraße 2 vorbei an Siegessäule und Ernst-Reuter-Platz in einer halbe Stunde mit dem Auto schaffen. Trotzdem wird Bundeskanzlerin Angela Merkel keinen Abstecher Richtung Olympiastadion unternehmen, um noch einmal persönlich zu ergründen, was Salomon Kalou mit seinem Livevideo bezwecken wollte, der die Fußball-Bundesliga vor einer der wichtigsten politischen Entscheidungen der Geschichte in Misskredit gebracht hat. Gleichwohl wird es nach dem Facebook-Fiasko nicht zum Kollateralschaden kommen.

Im Gegenteil: Vertreter von Bund und Ländern haben sich offenbar bereits am Montagabend darauf verständigt, grünes Licht für die Geisterspiele zu geben. Vorausgesetzt, dass Hygiene- und Sicherheitskonzept wird nicht so fahrlässig behandelt, wie es Kalou und Kollegen gemacht haben. Weil sich Hertha BSC noch am selben Tag von seinem Profi trennte und auch die Deutsche Fußball-Liga (DFL) einen unmissverständlichen Tweet versendete („Absolut inakzeptabel“), darf der Profifußball für das nach Lockerungen lechzende Land nach dem Politikgipfel zwischen Kanzlerin und den Länderchefs einen Vorreiter geben. Auch bei Eintracht Frankfurt würde dann wieder der Ball rollen. 

Bundesliga-Neustart nach Corona-Pause: Neun Spieltage und Nachholspiel von Eintracht Frankfurt noch offen

Dass dem Sport bei Zurückerlangung der Freiheiten naturgemäß eine besondere Rolle zukommt, hatte sich abgezeichnet. Am Mittwoch dürfte auch der Breitensport unter freiem Himmel bei bestimmten Voraussetzungen wieder erlaubt werden. Bereits am Donnerstag hat die DFL jetzt die nächste Mitgliederversammlung angesetzt, um das weitere Vorgehen mit seinen 36 Lizenzvereinen zu besprechen – darunter auch Eintracht Frankfurt. Damit ist ein Neustart am 15. Mai möglich. Dann hätten die Erste und Zweite Bundesliga genau zwei Monate pausiert. Problem ist allerdings die extrem kurze Vorbereitungszeit mit regulärem Mannschaftstraining.

Mehrere Trainer fordern einen Vorlauf von mindestens zehn bis 14 Tagen, um sich ihre Spieler vor allem wieder an Zweikämpfe gewöhnen zu lassen, die fast allerorten noch gemieden werden. Sportwissenschaftler warnen bereits vor einer erhöhten Verletzungsgefahr. Mehr Sicherheit würde ein späterer Starttermin bringen. Nachteil: Um das Saisonende am 30. Juni zu halten, wären reihenweise Englische Wochen nötig. Darüber dürfte im Detail am Donnerstag in der nächsten Videoschalte der Liga gerungen werden, die dann auch schon einen vorläufigen Spielplan veröffentlichen dürfte. Nur zur Erinnerung: Neun Spieltage sowie das zusätzliche Nachholspiel zwischen Werder Bremen und Eintracht Frankfurt stehen noch aus, auch die Halbfinals – an demEintracht Frankfurt auch beteiligt sein wird – und das Finale im DFB-Pokal sind irgendwo im Kalender unterzubringen.

Bundesliga-Neustart nach Corona-Pause betrifft neben Eintracht Frankfurt zwei weitere hessische Vereine

Der Fußballbetrieb ist gut beraten, bis dahin keine größere Fettnäpfchen mehr zu betreten. Der Einblick in den Berliner Kabinenalltag entlarvte neben einem aberwitzigen Umgang der Hertha-Kicker mit der Krise auch generelle Sicherheitslücken. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat trotzdem keine grundsätzlichen Zweifel am Konzept („Macht Sinn und kann auch Vorbild sein im übrigen für andere Profisport-Bereiche“). Der CDU-Politiker begrüßte die von Hertha BSC gezogenen Konsequenzen. Spahn hofft, „dass jetzt alle verstanden haben, dass es hier um etwas geht“. Der FDP-Vorsitzende Christian Lindner sprach von einem „Warnschuss für alle“.

Der hessische Innenminister Peter Beuth (CDU) sprach sich ebenfalls erneut für einen schnellen Neustart aus. Das Hygienekonzept sei „durchdacht und schlüssig“, teilte Beuth mit. „Unter Beachtung dieser Vorgaben könnte ein Neustart der Bundesliga noch im Mai erfolgen. Klar ist aber auch, dass Hygiene-Konzepte noch so gut sein können, am Ende müssen sie auch befolgt werden.“ Neben Eintracht Frankfurt in der Bundesliga würden Darmstadt 98 und Wehen Wiesbaden in der zweiten Bundesliga den Betrieb wieder aufnehmen. Auch Bayerns Ministerpräsident Markus Söder gab eine Stellungnahme ab: „Da macht die Liga hervorragende Konzepte, und dann gibt es Einzelspieler, wie jetzt zu lesen war, die sich sehr, sehr, sehr unglücklich verhalten. Ich finde auch gut, dass Profivereine sehr hart dagegen entscheiden, weil das bringt das ganze Konzept in Verruf.“

Größter Widerspruch: Was passiert im Falle von positiven Corona-Tests? 

Kalou hat dem Ansehen der Liga damit einen ähnlichen Bärendienst erwiesen wie einst Franck Ribery. Dabei hatte DFL-Chef Christian Seifert gerade erst mahnend gesagt: „Offensichtlich hat die Bundesliga auch durch einige Bilder, die sie selbst produziert hat, Stichwort goldene Steaks, teilweise ein Bild von sich erzeugt, dass ein Teil der Menschen nicht akzeptieren kann.“ Die despektierlichen Äußerungen von Hertha-Kapitän Vedad Ibisevic zu Gehaltsreduzierungen füttern ferner das Bild sorgloser Berufsfußballer, die an wenig anderem als einem prall gefüllten Bankkonto Interesse haben.

Die Liga möchte hingegen gerade jetzt ein ebenso skandalfreies wie einheitliches Erscheinungsbild abgeben. Von DFL-Seite wurde nicht kommuniziert, um welche Vereine es sich bei den insgesamt zehn Infektionsfällen nach den ersten beiden Testwellen* handelt. Der Zweitligist Erzgebirge Aue gab am Dienstag allerdings bekannt: Weil eine Person aus dem Funktionsteam positiv getestet wurde, hat sich am Dienstag der Spielerkader samt Trainer- und Funktionsteam in häusliche Quarantäne begeben. Der Umgang mit positiven Tests sorgt immer noch für den größten Widerspruch und könnte zur Sollbruchstelle werden: Innenminister Horst Seehofer (CSU) besteht im Widerspruch zur Task Force der DFL darauf, dass beim Intensivkontakt im laufenden Betrieb nach einem positiven Fall die ganze Mannschaft in 14-tägige Quarantäne muss. Das könnte alle Pläne gefährden.

Wie positionieren sich die Fans von Eintracht Frankfurt und den anderen Bundesliga-Vereinen?

Spannend wird auch sein, wie sich die Fans positionieren – natürlich auch die Fans von Eintracht Frankfurt. Aus verschiedenen Umfragen ergibt sich längst kein einhelliges Bild mehr. Die eine Hälfte ist dafür, dass bald wieder der Ball rollt, die andere dagegen. 

Die Gruppierung „Unsere Kurve“ teilte ohne Wertung zur Wiederaufnahme mit: „Fußball ohne Fans kann nur eine vorübergehende Erste-Hilfe-Maßnahme zum Abschluss der Saison sein, um die finanzielle Existenz zu sicher. Dies aber nur dann, wenn umgehend notwendige Reformprozesse eingeleitet werden.“ Klingt danach: Die Bundesliga spielt vorerst nur auf Bewährung weiter. Und das gilt längst nicht mehr nur medizinisch.

Von Frank Hellmann

Alle aktuellen Entwicklungen zum Coronavirus in Deutschland lesen Sie auch in unserem News-Ticker. 

Mit der Wiederaufnahme der Bundesliga ist Deutschland Vorreiter. Deshalb blicken andere Länder gespannt auf die ersten Bundesliga-Spieltage in der Corona-Krise*. Auch die Eintracht steht unter Beobachtung.

*fr.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

Rubriklistenbild: © dpa/Uwe Anspach

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