Innenverteidiger

Evan Ndicka nimmt bei Eintracht Frankfurt einen neuen Anlauf

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Evan Ndicka (links).

Eintracht-Profi Evan Ndicka nimmt nach schwerer Zeit einen neuen Anlauf: „Es ist nicht immer alles rosafarben“.

Die Spekulationen sind auch Evan Ndicka zu Ohren gekommen, er lebt ja nicht hinterm Mond, im Gegenteil, er ist gut vernetzt, stets online, „das Handy habe ich immer dabei“, sagt der Verteidiger der Frankfurter Eintracht. Von dem vorgeblichen Interesse des französischen Topklubs Paris St. Germain hat er demnach aus den Medien erfahren. „Ihr seid doch die Journalisten“, bedeutet der 19-Jährige, als wolle er sagen, ihr müsst es doch besser wissen. Natürlich habe ihm dieses „Gerücht geschmeichelt“, doch den Wahrheitsgehalt könne er nicht beziffern. Nur so viel: „Ich habe in Frankfurt einen Vertrag, ich lebe im Hier und Jetzt. Ich konzentriere mich nur auf die Vorbereitung.“ Klare Sache.

Der Innenverteidiger mit dem starken linken Fuß nimmt in Frankfurt einen neuen Anlauf, fängt wieder bei Null an. Das hört sich jetzt dramatischer an, als es gemeint ist, denn der Franzose, in Paris geboren, hat beileibe keine enttäuschende Saison hinter sich. In 32 Pflichtspielen stand der elegante Abwehrmann in der Startelf – für einen, der mit 18 in ein neues Land und eine neue Liga gekommen ist, ist das eine bemerkenswerte Bilanz. Und doch bleibt der letzte Eindruck so ein bisschen haften, und der ist nicht gut. Von den letzten sieben Spielen saß er sechsmal draußen, zweimal schaffte er es zum Schluss gar nicht mehr in den Kader, einmal durfte er noch spielen, bei der desaströsen Klatsche in Leverkusen, als er, wie alle anderen auch, völlig neben sich stand und nach 37 Minuten vom Feld geholt wurde – da lag die Eintracht bereits 1:6 zurück.

Evan Ndicka mit folgenschwerer Szene im Eintracht-Spiel gegen Lissabon

Ndickas persönlicher Knackpunkt zum Negativen war die Europapokalpartie in Lissabon, als er nach 20 Minuten den durchgebrochenen Gedson Fernandes von hinten schubste, der Schiedsrichter auf Strafstoß für Benfica entschied und Ndicka, noch schlimmer, mit der Roten Karte des Feldes verwiesen wurde. Eine folgenschwere Szene, die fast das Aus in diesem Viertelfinale bedeutet hätte, wenn nicht Goncalo Paciencia mit seinem Tor zum 2:4 noch die Hoffnung am Leben erhalten, die Eintracht im Rückspiel tatsächlich die Sensation geschafft und die Portugiesen mit einem 2:0 aus dem Wettbewerb gekegelt hätte.

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Bei Trainer Adi Hütter war Ndicka in Ungnade gefallen, der Coach war auf den talentierten Verteidiger nicht gut zu sprechen, zumal ihm ein ähnlicher Lapsus schon einmal unterlaufen war, auch im Europacup, in Donezk. Da gab es, nach einem aber harmloseren Einsteigen, ebenfalls Strafstoß für den Gegner.

Eintracht Frankfurt: Einzelgespräch mit Evan Ndicka steht an

Ndicka hatte an seiner Nichtberücksichtigung zu knabbern, alles andere wäre ja auch unnatürlich. Aber nun, ein Vierteljahr später, gibt er sich aufgeräumt. „Im Fußball ist nicht immer alles rosafarben“, sagt er. „Es geht nicht immer nach oben, es gibt auch mal schwierigere Phasen.“ Doch nur, wenn man diese Tiefs überwinde, könne man auch gestärkt daraus hervorgehen. „Man muss aus seinen Fehlern lernen, das ist ein Prozess.“ Er habe das Negativerlebnis nebst unschönen Folgen abgehakt. „Man muss mentale Stärke an den Tag legen.“ Eine klärende Unterredung mit Hütter hat es noch nicht gegeben. „Die Einzelgespräche stehen noch an.“

Ndicka, der für sechs Millionen Euro aus Auxerre kam und mittlerweile mehr als das Dreifache wert ist, hat gezeigt, wie wichtig er sein kann. Und auch wenn Konkurrent Martin Hinteregger, der gestern in Augsburg das Training aufnahm, zurückkehren wird, wovon auszugehen ist, will er nicht weglaufen. „Das sind erfahrene Spieler, von denen ich nur lernen kann.“ Missgeschicke wie in Lissabon will er in Zukunft vermeiden. Das wäre für seine Entwicklung gewiss auch besser.

Von Ingo Durstewitz

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