Goncalo Paciencia

Goncalo Paciencia: Eintracht-Knipser außer Dienst

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Goncalo Paciencia - erfolgreichster Torschütze der Eintracht.

Goncalo Paciencia ist nach der Systemumstellung bei Eintracht Frankfurt außen vor - dabei ist er der torgefährlichste Stürmer.

  • Goncalo Paciencia ist Frankfurts bester Torschütze
  • Gegen Hoffenheim kommt der Stürmer nicht zum Zug
  • Der Portugiese freut sich über den Treffer vom Freund

Am vergangenen Samstag, beim ebenso überraschenden wie wichtigen 2:1-Erfolg bei der TSG Hoffenheim, hatte man das Gefühl, Goncalo Paciencia habe sich beim Siegtreffer von Timothy Chandler genauso gefreut, als hätte er selbst das Tor erzielt. Er herzte und knuddelte den Torschützen, fiel ihm um den Hals, lachte über das ganze Gesicht. Dabei spielte der Portugiese an diesem Spieltag gar keine Rolle, er stand nicht in der Startformation und wurde auch nicht eingewechselt, selbst kurz vor Schluss nicht, wenn Trainer bei eigener knapper Führung gerne die Gelegenheit nutzen, mit einer Einwechslung Zeit von der Uhr zu nehmen. Paciencia aber durfte sich in Sinsheim eine ganze Halbzeit nur warmlaufen, zum Einsatz kam er nicht. Anderntags ließ er in den sozialen Medien seinen Kumpel Timmy Chandler hochleben, „we all need a Chandy in life“, schrieb er. Und: „Du hast es verdient.“

Goncalo Paciencia hat seinen Marktwert gesteigert

Dass Goncalo Paciencia gar nicht spielte am ersten Rückrundenspieltag verwunderte nur auf den ersten Blick. Zwar ist der 25-Jährige der mit Abstand erfolgreichster Torschütze der Eintracht: Er hat in der Bundesliga in 16 Spielen bisher sehr respektable sieben Treffer erzielt, hinzu kommen drei weitere in der Europa League-Qualifikation, drei weitere Tore hat er aufgelegt. Der Mann aus Porto weiß also, wo das Tor steht. Dazu hat er eine prima Technik, ist im Kopfballspiel eine Bank und ist zudem ein sehr sicherer Elfmeterschütze (außer vielleicht in einem Europa League-Halbfinale gegen den FC Chelsea). Im Grunde hat er, der in der vergangenen Saison noch Stürmer Nummer vier war - allerdings hinter den drei torgefährlichsten Büffeln -, sein Potenzial abgerufen, hat das gebracht, was man von ihm erwarten durfte. Zudem hatte Paciencia, der in Frankfurt einen Kontrakt bis 2022 besitzt, seinen Marktwert von anfangs drei Millionen Euro bis auf aktuell 15 Millionen steigern können. So viel wie noch nie in seiner wechselhaften Karriere, die ihn in Klubs wie FC Porto, Rio Ave, Academica Coimbra oder Vitoria Setubal hat stürmen lassen.

Bas Dost ist Gewinner des Trainingslagers 

Zum Ende der strapaziösen Hinrunde ist aber auch ihm die Luft ausgegangen, immerhin hatte er 30 von 31 möglichen Pflichtspielen bestritten, lediglich in der allerletzten Partie beim SC Paderborn musste er wegen muskulärer Probleme passen. Und neben den zahlreichen Spielen mit Eintracht Frankfurt erhielt er aufgrund seiner Leistungsexplosion zudem Einladungen für die portugiesische Nationalmannschaft, folglich spielte er an der Seite von Superstar Cristiano Ronaldo gar in der EM-Qualifikation des Europameister eine starke Rolle. Auch diese Begegnungen inklusive der Reisestrapazen schlauchten den Beau zusätzlich. Immerhin erzielte er gegen Litauen sein erstes Tor für Portugal. Am Ende war er dann rechtschaffen platt.

Und irgendwie hatte er da auch seine Form verloren. Im Trainingslager in den USA fand er sie auch nicht wieder, die Leichtigkeit, mit der er anfangs agierte, war weg, vieles ging nur schwer, manches gar nicht mehr. Er hinkte deutlich hinter Bas Dost her, der die Tage in Florida deutlich besser zu nutzen verstand. Und folglich in Hoffenheim in der Startformation stand und eben nicht Paciencia.

Goncalo Paciencia hat im Trainingscamp Trainer Adi Hütter nicht unbedingt überzeugen können, ihn neben Dost als zweite Spitze zu nominieren. Wahrscheinlich wollte der Coach ohnehin in einer defensiveren Grundordnung mit nur einem Angreifer spielen lassen, da kam ihm die kleine Delle des Portugiesen zupass. Paciencia wird einen neuen Anlauf nehmen müssen. Auf einen Knipser wie ihn kann Eintracht Frankfurt eigentlich nicht so leicht verzichten.

Von Thomas Kilchenstein

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