FC Arsenal

Mesut Özil: Weiter auf Tauchstation – gegen Eintracht Frankfurt nicht im Kader

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Zum Start seiner siebten Spielzeit bei Arsenal ist Özils Situation so kompliziert wie nie.

Arsenal-Profi Mesut Özil ist beim ersten Europa-League-Gruppenspiel in Frankfurt überraschend nicht dabei. Er soll in London an seiner körperlichen Verfassung arbeiten.

Frankfurt - Die Fans des FC Arsenal sind immer noch stolz darauf, dass er bei ihnen ist. Sie hoffen immer noch, dass die komplizierte Geschichte einen guten Ausgang nimmt. „We’ve got Özil, Mesut Özil…”, sangen sie noch vor dem Spiel beim FC Watford am vergangenen Sonntag (2:2), bei dem der einstige deutsche Nationalspieler zum ersten Mal in dieser Saison zum Einsatz kam. Und tatsächlich deutete Özil an, dass er immer noch den Unterschied ausmachen kann beim Klub aus Nordlondon, er leitete das 2:0 mit einem eleganten Steilpass ein.

Für Trainer Unay Emery war die Leistung aber offenbar nicht ansprechend genug, zumindest ist der 30-jährige Techniker heute Abend (18.55 Uhr/Live bei Dazn und bei uns im Live-Ticker) zur Eröffnung der Europa-League-Gruppenphase bei Eintracht Frankfurt überraschend nicht im Kader der Engländer dabei. Özil wurde von Emery nicht für das 19-köpfigen Aufgebot nominiert, er blieb in London und soll dort an seiner körperlichen Verfassung arbeiten.

Mesut Özils Situation bei Arsenal London ist so kompliziert wie nie

„Wir wollten eine Rotation vornehmen. Er hat gegen Watford seine Minuten bekommen und soll nun pausieren, um uns am Sonntag beim nächsten Spiel zu helfen“, sagte Emery einigermaßen genervt dreinschauend, als er gestern auf der Pressekonferenz im Bauch der Frankfurter Arena zu einem Spieler befragt wurde, der nicht einmal dabei ist. Freilich ersparte ihm der finstere Blick kein Nachhaken der Reporter. Ob es denn wirklich nötig sei, dass ein austrainierter Profifußballer nach nur einem Einsatz über genau 71 Minuten wirklich schon wieder eine Auszeit benötigt. Emerys knappe Antwort: „Ja, das ist nötig“.

Zum Start seiner siebten Spielzeit beim FC Arsenal ist Özils Situation so kompliziert wie nie. Dabei sollte sein Verein, sollte seine gewohnte Umgebung in London doch eigentlich ein Ort zum Wohlfühlen sein nach der Affäre um sein Treffen mit dem türkischen Regierungschef Recep Tayyip Erdogan, der Horror-WM und seinem krachenden Rücktritt aus der Nationalmannschaft im Sommer des vergangenen Jahres. Eine Versöhnung mit dem Deutschen Fußball-Bund gab es nach dem von der Özil-Seite erhobenen Rassismusvorwürfen nie. Bundestrainer Joachim Löw blitzte vor einem Jahr ab, als er das Trainingsgelände des FC Arsenal besuchte und den 92-fachen Nationalspieler treffen wollte. Sein früherer Lieblingsspieler ging lieber auf Tauchstation.

Welche Gründe stecken hinter der Nichtnominierung von Mesut Özil? 

Das Duell gegen Eintracht Frankfurt hätte seit alldem der erste fußballerische Auftritt von Özil auf deutschem Boden werden können. Ob die Nichtnominierung tatsächlich nur eine Frage der miesen körperlichen Verfassung des Spielmachers ist, oder auch andere Gründe dahinterstecken, lässt sich nur mutmaßen.

Klar ist dagegen: Das Wohlfühlklima bei den Gunners ist für die Nummer zehn eine Illusion, denn Emery ist kein Fan des 30-Jährigen und hat in seinem System sowieso nur selten Platz für ihn. Außerdem leidet Özil immer wieder an mysteriösen Verletzungen. In der vergangenen Saison machte er von 38 Spielen in der Premier League nur 20 von Beginn an. Bei der 1:4-Demontage im Finale der Europa League gegen den Stadtrivalen FC Chelsea im fernen Baku tauchte er wieder einmal ab. Unter dem Strich gelangen ihm in 35 Pflichtspielen sechs Tore und nur drei Vorlagen. Enttäuschend. 

Arsenal-Trainer prophezeit seiner Mannschaft ein schweres Spiel bei Eintracht Frankfurt

Vor der aktuellen Saison gab es Gerüchte, dass die Gunners ihren Topverdiener abgeben wollten. Doch ein Wechsel kam nicht zustande. Stattdessen geriet Özil wegen des Überfalls auf ihn und seinen Mitspieler Sead Kolasinac in die Schlagzeilen. Der Ex-Schalker wehrte sich mit bloßen Händen, Özil flüchtete in ein Restaurant. Im August kam es vor seinem Privatanwesen zu einem weiteren Zwischenfall. Der Verein stellte ihn zwischenzeitlich sogar vom Trainingsbetrieb frei.

Unai Emery, sichtlich erfreut, als sich gestern eine Frage endlich mal ums Spiel gegen die Eintracht drehte, prophezeit seiner Mannschaft derweil ein schwieriges Spiel in der Stadt am Main. „Sie haben vergangene Saison mit dem Einzug ins Halbfinale gegen Chelsea bewiesen, dass sie richtig stark sind.“ Der Fußballlehrer rechnet mit einer Menge Gegenwehr aufseiten der Hessen, er fordert deshalb explizit von seinen Jungs, nicht nur spielerische Mittel auf den Rasen bringen zu wollen, sondern auch den Kampf anzunehmen. „Wir müssen von Anfang an richtig dagegenhalten und vor allem auf die zweiten Bälle gehen, um aus diesen Situationen heraus gefährlich vor dem Tor zu werden und am Ende das Spiel auch zu gewinnen“, so Emery. 

Problemzone des FC Arsenal befindet sich hinten in der Abwehr – eine Chance für Eintracht Frankfurt

Ganz klar, die Gäste von der Insel sind auch ohne Özil mit einer Reihe von fußballerischen Einzelkönnern gespickt, gerade die Offensive um die Stürmer Pierre-Emerick Aubameyang und Sommer-Rekordeinkauf Nicolas Pepe ist immer für Tore gut. Statt Özil wird aller Voraussicht nach hinter den Spitzen der Spanier Dani Ceballos Regie führen – gewiss kein schlechter Mann, dieser spanische Edeltechniker, den sich der FC Arsenal von Real Madrid ausgeliehen hat. 

Die Problemzone, das ist bekannt, befindet sich dagegen hinten in der Abwehr. Die Innenverteidigung mutet nicht unüberwindbar an, auch die beiden Außenverteidiger marschieren gerne weit nach vorne mit und offenbaren deshalb in ihren Rücken einigen Raum zu Entfaltung. Sead Kolasinac, einer dieser Außenbahnflitzer, sieht deshalb die ganze Mannschaft in der Abwehrpflicht. „Wir müssen als gesamtes Team gut arbeiten.“ Nur sein Kumpel Mesut Özil nicht.

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