Analyse zum Saisonauftakt

Eintracht Frankfurt: Was ist drin für die SGE in der neuen Saison?

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Aushängeschild, Gesicht des Klubs und ein guter Torwart: Kevin Trapp geht voran.

Eintracht Frankfurts Entwicklung ist rasant, aber was ist in dieser Saison drin für die Mannschaft von Adi Hütter?

Auch nach dem fünften Pflichtspiel in dieser Saison hat für Eintracht Frankfurt die Bundesliga noch immer nicht begonnen, erst am Sonntag (18.08.2019) wird es ernst, dann müssen die Hessen zu Hause gegen die TSG Hoffenheim (15.30 Uhr) ran und Farbe bekennen. 

Nach vier Europa-League-Qualispielen und einem mühsamen 5:3-Erfolg in einem wilden Pokalduell in Mannheim fragen sich nicht eben wenige Menschen in Frankfurt: Wo steht die Eintracht? Was ist drin in dieser Saison? Können die Abgänge von Luka Jovic und Sebastien Haller kompensiert werden? Bleibt Ante Rebic vielleicht doch? Ist ein ähnlicher Parforceritt wie in der Saison zuvor möglich? Puh, Fragen über Fragen.

Eintracht Frankfurt: Was ist drin nach dem Bundesliga-Start? 

Seriös lässt sich das alles noch immer nicht beantworten, weil die Partien gegen Tallinn (2:1, 2:1), Vaduz (5:0, 1:0) und Waldhof (5:3) zwar solche im Wettkampfmodus waren, die Kontrahenten aber allesamt unterklassig sind und bei weitem nicht das Niveau eines Bundesligisten haben. Daher ist der Eintracht-Trip noch immer so etwas wie eine Reise ins Ungewisse. Das Saisonziel ist, ganz dezent, so umrissen: Eine Platzierung unter den ersten zehn. Das sollte machbar sein. 

Die internationalen Startplätze lässt der Klub aber nicht ganz aus den Augen. „Man kann auch mal Elfter oder Zwölfter werden, aber eben auch Sechster oder Siebter. Wir können aber nicht einfach mal die europäischen Plätze als klares Ziel raushauen. So weit sind wir noch nicht“, sagt Vorstand Axel Hellmann. „Aber wer Adi Hütter und Fredi Bobic kennt, der weiß, wie groß ihre Ambitionen sind. Was man intern anstrebt und was nach draußen als fixes Ziel verkündet wird, muss ja nicht ein und dasselbe sein.“

Eintracht Frankfurt: Die Spieler haben Blut geleckt

Angst vor einer überzogenen Erwartungshaltung haben die Verantwortlichen von Eintracht Frankfurt nicht. „Ich glaube, die Menschen in Frankfurt wissen schon, dass die letzte Saison eine außergewöhnliche war – vom Pokalsieg bis zum Halbfinale. Ich glaube nicht, dass draußen die Erwartung vorherrscht, dass wir wieder ins Halbfinale der Euro League stürmen“, bekundet der 48 Jahre alte Hellmann. „Meines Erachtens macht sich die Erwartungshaltung eher an der Art des Fußballs fest, den wir spielen, nämlich wieder aggressiven Offensivfußball. Da spricht auch nichts dagegen. Den Menschen hier ist doch jahrelang beigebracht worden, wie schwierig die Bundesliga ist und noch schwieriger, ins internationale Geschäft zu gelangen. Von dieser Erziehungsmaßnahme profitieren wir heute. Keiner sagt: Jetzt müsst ihr in die Champions League.“

Die Spieler haben aber durchaus Blut geleckt. „Unsere Erwartungen schrauben sich schon in die Höhe. Wir haben gesehen, was wir zu leisten imstande sind. Wir wollen das wieder erleben“, sagt Urgestein Marco Russ, so etwas wie der Methusalem im Team und einer, der schon ganz andere Zeiten im Zeichen des Adlers erlebt hat. „Keiner gibt sich mit dem zufrieden, was war und sagt: Okay, jetzt ist es auch okay, wenn wir Elfter werden“, betont der 34-Jährige. Er selbst wird bei diesem Projekt erst einmal nicht mittun können, er hat sich am Donnerstag gegen Vaduz einen Riss der Achillessehne zugezogen und fällt lange aus. Sogar das Karriereende droht. Ganz bitter.

Eintracht Frankfurt (SGE): Adi Hütter hat mehr Spielraum

In der Breite ist die Mannschaft verstärkt worden, Trainer Adi Hütter hat mehr Rotationsmöglichkeiten, keine Frage. „Ich denke, wir haben uns bis jetzt super verstärkt. Das sind gute Jungs mit einer super Einstellung und Mentalität“, sagt Russ. Doch in der Spitze klafft eine Lücke, die Abgänge von Luka Jovic und Sebastien Haller wiegen schwer. „Wenn man zwei solche Spieler verliert, macht man sich schon Gedanken“, sagt Rückkehrer Kevin Trapp. Er ist dennoch optimistisch. „Es ist ja auch nicht so, dass die ganze Mannschaft auseinanderbricht, das Team ist sehr gut verstärkt worden.“

Der 29-Jährige hadert noch immer ein bisschen mit dem verkorksten Schlussspurt der abgelaufenen Spielzeit, als auf den letzten Metern die Champions League verspielt wurde. „Das wäre historisch gewesen“, befindet der Keeper. „Aber auch so war es eine sensationelle Saison.“ Für die deutsche Nummer drei war sie ausschlaggebend dafür, dass er unbedingt zurück zur Eintracht wollte. „Das hat eine große Rolle gespielt.“ Genauso wie seine Karriere in der deutschen Nationalmannschaft.

Der Ballfänger hat vorab das Gespräch mit Bundestorwarttrainer Andreas Köpke und Bundestrainer Joachim Löw gesucht. Sie begrüßten den Wechsel zurück nach Frankfurt. „Ich habe das Gefühl, dass alle glücklich waren mit meiner Entscheidung“, sagt Trapp, der sich auf die neue Runde freut. „Das wird aber kein Selbstläufer“, sagt der Schlussmann, der dennoch glaubt, dass das neue Ensemble mindestens „so stark ist wie letztes Jahr.“ Was zu beweisen wäre.

Eintracht Frankfurt will Werte schaffen

Trapp soll bei der Eintracht das Aushängeschild werden, er ist beliebt und anerkannt. Er will sich einbringen und Verantwortung übernehmen. Er sieht sich als Führungsspieler und ist auch so etwas wie das Sprachrohr des Teams. „Dazu brauche ich auch keine Binde“, sagt er. Wegen Trapps Rückkehr machen sich die beiden Ersatzmänner Frederik Rönnow und Felix Wiedwald Gedanken über einen Vereinswechsel. Gerade für Rönnow, vor einem Jahr als Nachfolger von Lukas Hradecky und neue Nummer eins geholt, hat sich die Situation dramatisch verschlechtert, was nicht nur an Trapp liegt. Der Däne ist an der Schulter verletzt und daher schwer vermittelbar. Seine Verletzungsanfälligkeit hat ihm seine Zeit in Frankfurt ganz schön vermiest.

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Mit der Verpflichtung des charismatischen Torwächters Trapp ist auch der letzte Leihspieler der abgelaufenen Runde an den Main zurückgekehrt. Sowohl Martin Hinteregger als auch Sebastian Rode haben Verträge bis 2024 unterschrieben – genauso wie Dejan Joveljic, Djibril Sow und Dominik Kohr, Erik Durms Kontrakt endet 2023. Dahinter steckt eine Strategie. Durch langfristige Bindungen soll ein Gerüst geschaffen werden, eine stabile Plattform, die den Verein vor größeren Ausschlägen nach unten schützt.

Von der Leihspieler-Praxis will sich der Klub daher so gut es geht lösen. „Wir sind jetzt in der Lage, Spieler zu holen, die uns auch gehören. Das ist strukturell ein riesiger Unterschied. Für die Gesamtstrategie sind wir damit drei Schritte weiter als vor zwei, drei Jahren“, sagt Hellmann. Die Entwicklung des Vereins ist rasant. „Wir haben Vereine überholt, die vor fünf, sechs Jahren ökonomisch vor uns standen, den Hamburger SV, Werder Bremen, den VfB Stuttgart oder den 1.FC Köln und andere in dieser Gewichtsklasse. Und wir sind jetzt an der nächsten Kategorie dran, nämlich an Mönchengladbach und Schalke 04“, sagt Vorstand Hellmann. „Das heißt, im Fußball gibt es Durchlässigkeiten, man kann über Schwellen hinübergehen.“

(Ingo Durstewitz)

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