Europa League

Joveljic köpft die Eintracht zum Pflichtsieg über Tallinn

+
Lucas Torro feiert seinen Führungstreffer

Stürmer Dejan Joveljic hat Eintracht Frankfurt beim Start in das neue Europa-League-Abenteuer zu einem unspektakulären Pflichtsieg geköpft.

Tallinn - Als im Fußballstadion von Tallinn knapp zwei Stunden vor dem Anpfiff die Bässe zum ersten Soundcheck kräftig aufgedreht und die bis dahin einzigen Gäste, eine Handvoll Möwen, vertrieben wurden, hatte sich das gastgebende Team vom FC Flora gerade zum Treffpunkt verabredet. Die Spieler des estnischen Tabellenführers trudelten alle pünktlich ein vor dem Duell gegen Eintracht Frankfurt, sie hatten sich entweder zu Fahrgemeinschaften zusammengerottet oder die Bahn genommen. Einer war sogar zu Fuß zum Stadion marschiert, er wohnt gleich um die Ecke.

Nun ist die Art der Anreise zu einem Fußballspiel ja eher unerheblich für die spätere Leistung auf dem Platz, sie zeigt aber sehr wohl exemplarisch auf, in welch unterschiedlichen Sphären sich die beiden Mannschaften am gestrigen Abend eigentlich hätten bewegen müssen. Hier der kleine estnische Tabellenführer, dort der große Europa-League-Halbfinalist der Vorsaison aus Deutschland. Auf dem Platz war der Klassenunterschied im Hinspiel der Qualifikation zur Europa League dann natürlich auch zu sehen, die Eintracht hatte die besseren Fußballer in ihren Reihen, ganz klar. Er fiel aber weitaus geringer aus, als manch einer vorher erwartet hatte. Am Ende reichte es für die Frankfurter zu einem mühsamen 2:1 (1:1)-Erfolg. Das Motto: Hauptsache gewonnen. Der Matchwinner: Dejan Joveljic.

Eintracht Frankfurt: Bobic ist froh über den Sieg

„Es war auf jeden Fall spannend“, sagte Eintracht-Sportvorstand Fredi Bobic, „besser als jedes Testspiel. Man hat gesehen, dass solche Spiele nicht einfach zu spielen sind. Auch Tallin hat Waffen, die haben sie gut eingesetzt, und am Ende des Tages sind wir froh, dass wir hier mit einem Sieg rausgehen.“

Trainer Adi Hütter, der vorher ja schon angekündigt hatte, auch den einen oder anderen Fehler seiner Profis in dieser frühen Saisonphase verzeihen zu wollen, nominierte die erwartbare Startelf – mit Felix Wiedwald zwischen den Pfosten für den verletzt daheim gebliebenen Frederik Rönnow (siehe Artikel rechts), mit Lucas Torro für den Vater werdenden Gelson Fernandas im defensiven Mittelfeld, mit Makoto Hasebe, Filip Kostic, Ante Rebic und den anderen bekannten Gesichtern aus der vergangenen Saison. Einzig Mittelfeldmann Dominik Kohr durfte von den bisherigen fünf Neuzugängen im Kader schon beim Anpfiff auf dem Rasen stehen. Abwehrurgestein Marco Russ hatte es dagegen nicht einmal in den 18-köpfigen Kader geschafft.

Kohr war es dann auch, der die erste Aktion des Spiels hatte. Aus spitzem Winkel verfehlt er nach 120 Sekunden den Kasten. Die Eintracht war dennoch einigermaßen rasch drin im Spiel. Hütter trieb seine Mannen immer wieder mit unmissverständlichen Handbewegungen dazu an, den Ball schneller durch die eigenen Reihen laufen zu lassen. Um die weit hinten und daher dicht gestaffelte Abwehr der Gastgeber zu knacken, hatte der Trainer seinen Spielern zudem viele Diagonalbälle empfohlen. Zumindest griffen vor allem die drei Abwehrkräfte häufig zu diesem Mittel, um möglichst schnell möglichst viele Gegenspieler zu überwinden.

Das brachte den Hessen schließlich auch die erste Großchance der Partie ein. Ante Rebic hatte die Kugel auf dem linken Flügel heruntergeholt, auf Filip Kostic durchgesteckt, der sie an den Pfosten klatschen ließ. Im Nachschuss prüfte Lucas Torro mit einem satten Versuch aus der Ferne den estnischen Schlussmann Matvei Igonen (14.).

Eintracht Frankfurt spielerisch klar überlegen

Die fußballerische Überlegenheit der Eintracht zahlte sich schließlich nach 24 Minuten auch aus, als es wieder Torro probierte, wieder mit links, wieder aus der Ferne, nur diesmal zappelte der Ball im Netz – 1:0. Die Begegnung schien den vorher zu erwartenden Verlauf zu nehmen. Das dachten die mitgereisten 1800 Frankfurter Fans, das dachten die restlichen 6000 Anhänger aus Tallinn, das dachten wohl auch die Frankfurter Spieler. Eine Fehleinschätzung.

Denn blöderweise passte der schwache Mijat Gacinovic auf der rechten Frankfurter Abwehrseite einmal nicht auf, der Ball flog hoch in die Mitte, wo Mikhel Ainsalu zum Ausgleich nur noch sein Füßchen hinhalten musste (34.). Eine Unkonzentriertheit in der Frankfurter Hintermannschaft, die die Esten unter großem Jubel ihrer Anhänger mit einem 1:1 zur Pause in die Kabine verschwinden ließ.

Durch den Ausgleich angestachelt, starteten die Gastgeber mit einem Haufen Elan in Hälfte zwei, die Eintracht brauchte ein paar Minuten, um wieder die Oberhand zu erlangen. Dann aber verpassten Gacinovic (63.), Danny da Costa (64.) und Rebic (70.) gute Einschussmöglichkeiten. Besser machte es der Jüngste im Team, Fünf-Millionen-Zugang Joveljic.

Eintracht Frankfurt: Joveljic wird zum Matchwinner

Der Serbe sprintete sieben Minuten nach seiner Einwechslung in eine Flanke von da Costa und drückte den Ball mit dem Kopf über die Linie. Wieder dachten viele, dass es das war, wieder stimmte das eher nicht. Denn Tallinn zeigte eine beachtliche Moral, stemmte sich mit den noch vorhandenen Kräften gegen die drohende Niederlage.

Torjäger Erik Sorga traf mit einem Fernschuss sogar die Latte des Frankfurter Kastens (78.). Glück für die Eintracht, die in den Schlussminute nicht wie ein abgebrühter Bundesligist auftrat, sondern mächtig zittrige Beine bekam. Immerhin: Es sollte trotzdem zum wichtigen Auswärtserfolg reichen, der den Hessen für das Rückspiel am kommenden Donnerstag, 20.30 Uhr, in Frankfurt eine gute, einigermaßen komfortable Ausgangssituation verschafft, um in die nächste Runde einzuziehen.

Lesen Sie auch:

Europa League: Eintracht Frankfurt gewinnt mit 2:1 beim FC Flora Tallinn

Die Frankfurter Eintracht gewinnt das Hinspielin der zweiten Europa-League-Qualifikationsrunde gegen Flora Tallinn mit 2:1.

Jesus Vallejo vor Leihe nach England - Eintracht geht wohl leer aus

Eintracht Frankfurt sucht einen Innenverteidiger. Kandidat Vallejo steht aber wohl vor einer Leihe nach England.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.