Erik Durm

Druck machen, den Konkurrenzkampf anheizen: Erik Durm weiß genau, was seine Aufgabe in Frankfurt ist

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Bislang nur Ergänzungsspieler bei der Eintracht: Erik Durm.

Außenverteidiger Erik Durm kennt seine Aufgabe bei Eintracht Frankfurt genau - Druck machen auf die Arrivierten.

Am Mittwochabend hat Erik Durm selbstverständlich Fußball geguckt. Er hat Deutschland gegen Argentinien geschaut, er hat Daumen gedrückt, wie er das immer macht, wenn seine Farben spielen und er nicht dabei ist. Er sagt, er fiebere mit und hege keine schlechten Gedanken, etwa nach dem Motto: Warum nur spiele ich nicht? Nein, so ein Typ ist Erik Durm, 27, verheiratet und seit kurzem Vater einer kleinen Tochter, nicht, ganz im Gegenteil. Durm, im Sommer vom Premier-League-Absteiger Huddersfield zu Eintracht Frankfurt gekommen, kommt ein bisschen daher wie der brave, wohl erzogene, große Junge, Schwiegermutters Traum, nett und verbindlich. Und: „Er hat das Herz am richtigen Fleck“, sagt sein Trainer Adi Hütter.

Deutschland gegen Argentinien – da gehen bei Erik Durm aber schon die Gedanken fünf Jahre zurück, an jenen Juli-Tag im Maracana, als Jogis Jungs Weltmeister wurden und Erik Durm auch. Er hat zwar, wie Kevin Großkreutz und Matthias Ginter, seinerzeit keine einzige Minute gespielt, dennoch empfand er die vier Wochen in Brasilien als einmalig, der Moment des Abpfiffs in Rio war für ihn der „schönste Moment meiner Karriere“, ein absolutes Highlight. Und diese Erinnerungen an den 13. Juli könne ihm auch niemand nehmen.

Erik Durm will Karriere bei Eintracht Frankfurt am laufen halten

Die Nationalmannschaft ist schon lange kein Thema mehr für den in Pirmasens geborenen Durm, „vermessen“ wäre es, daran aktuell Gedanken zu verschwenden, zuletzt gehörte er Mitte Juni 2015 zum Kreis der Besten, im Spiel gegen Gibraltar zählte er zum Kader, zum Einsatz kam er nicht. Sieben Länderspiele stehen dennoch in seiner Bilanz.

Nein, Erik Durm hat genug damit zu tun, seine Karriere in Frankfurt weiter am Laufen zu halten. Er ist ja auch einer, der die Realitäten gut einzuschätzen weiß. Er war lange verletzt, das Knie, die Hüfte, das Außenband, verbrachte wegen Reha-Maßnahmen acht Monate in einem Hotel in München, in der kompletten Saison 2017/18 bestritt er kein einziges Spiel, ehe er langsam wieder auf der Insel den Anschluss schaffte und 28 Spiele (eine Vorlage) bestritt. In Frankfurt ist er als Backup geholt worden, wahlweise für Filip Kostic (links) oder für Danny da Costa (rechts), aber Trainer Hütter sieht ihn klar auf der rechten Seite. „Er ist einer, der uns helfen kann. Durch ihn sind wir variabler geworden.“

Rechts freilich ist die Konkurrenz groß, Danny da Costa, ein Weggefährte aus den U-Auswahlmannschaften, hat die Nase vorn, auch Timothy Chandler scharrt vernehmlich mit den Fußballschuhen. Bisher ist Erik Durm auf sieben Einsätze gekommen, selten über 90 Minuten. „Ich bin zufrieden mit meinen Minuten“, sagt er, der in der Europa League ebenso zu Einsätzen kam wie in der Liga, gegen seinen alten Klub Borussia Dortmund sogar die komplette Spielzeit. Seine beste Halbzeit legte er im DFB-Pokalspiel gegen Waldhof Mannheim hin, als er hauptverantwortlich für den Aufschwung in der zweiten Halbzeit war und zwei Tore vorbereitete.

Erik Durm will den Konkurrenzkampf anheizen

Natürlich weiß er, dass noch „Luft nach oben ist, in allen Bereichen“. Zum Stammspieler hat er es bei der Eintracht bislang noch nicht geschafft. „Ich weiß genau, was meine Aufgabe hier ist.“ Nämlich Druck machen, den Konkurrenzkampf anheizen, da sein, wenn er gebraucht wird. Er weiß aber auch, woran es liegt, dass er häufig auf die Ersatzbank muss. „Ich müsste offensiv mehr in die Eins-gegen-Eins-Situationen gehen“, erklärt er, mutiger, draufgängerischer, mehr den Zweikampf suchend. Das habe ihm auch Trainer Hütter angeraten.

Flankenkönige mit Potenzial: Eintracht Frankfurt attackiert mehr als jedes andere Bundesligateam über die Außen, manch Profi aber kämpft gerade mit seiner Form.

Das Kuriose dabei: Eigentlich müsste Durm geradezu prädestiniert dafür sein, das direkte Duell Mann gegen Mann zu suchen. Immerhin hat er die meiste Zeit seines Lebens als Stürmer gespielt, in der A-Jugend war er sogar einmal Torschützenkönig, 2009/10 war das, als der junge Durm noch für den 1. FC Saarbrücken stürmte. Erst 2013, bei Borussia Dortmund, hat ihn der damalige Coach Jürgen Klopp zum Außenverteidiger umgeschult – auch weil es damals beim BVB ein Überangebot an guten Angreifern gab. Da sei ihm das Stürmen fast schon „abgewöhnt“ worden, sagte Durm am gestrigen Mittwoch nach dem Vormittagstraining. Aber eigentlich traut er sich schon ein couragierteres Vorgehen zu, er will halt auch hinten nichts anbrennen lassen.

Erik Durm ist gut in Frankfurt angekommen

Gerade in den nächsten Wochen und Monaten mit dem „Hammerprogramm“ und Spielen gegen Leverkusen, Mönchengladbach, Bayern, Freiburg, Wolfsburg, zweimal Standard Lüttich, zudem das Pokalspiel auf St. Pauli, ist ein verstärkter Blick auf die Defensive sicher nicht ganz verkehrt. Dennoch sagt Durm: „Wir freuen uns auf die Dreifachbelastung. Und wir können definitiv jeden schlagen“ – sofern man, was man tue, jedem Gegner den erforderlichen Respekt zolle, ob das nun Union Berlin sei oder Bayern München.

Ansonsten fühlt sich der Weltmeister und Pokalsieger in Frankfurt gut angekommen, ihm gefällt die Stadt, zudem die Nähe zu seiner Familie in Pirmasens, ohnehin kennt er die Region aus seine Mainzer Zeit bestens. Und er ist froh, wieder in Deutschland zu sein, „England“, sagte er im Sommer im Interview, „war nicht so mein Leben“. Und frische Brötchen gab es auch nicht.

Von Thomas Kilchenstein

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