Der Denker

Ex-Eintracht Spieler Jan Rosenthal: Auf der Suche nach einer neuen Aufgabe

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Jan Rosenthal kam nie richtig bei Eintracht Frankfurt an, in eineinhalb Jahren kam er nur auf 18 Einsätze. 

Jan Rosenthal stand sich in seiner aktiven Zeit oft selbst im Weg. Mehr als ein Jahr nach deinem Karriereende ist er noch auf der Suche nach einer neuen Aufgabe. 

Frankfurt/Oldenburg - Der frühere Fußballer Jan Rosenthal tut derzeit das, was er schon immer am liebsten getan hat: Er denkt nach. Seine aktive Karriere hat der mittlerweile 33-Jährige vor mehr als einem Jahr beendet, seine letzte Station war der SV Darmstadt 98, drei Jahre hat er für die Lilien gespielt, davor bei Eintracht Frankfurt, SC Freiburg und Hannover 96, die Zahl seiner Klubs war überschaubar, ein Wandervogel war er nicht. 200 Bundesligaspiele hat er bestritten und 21 Partien in der zweiten Liga. Jetzt ist er Privatier, er lebt mit der Familie in Oldenburg, seine beiden Kinder haben absolute Priorität, um die will er sich kümmern.

Jan Rosenthal, der kluge Kopf, genießt mittlerweile dieses unbeschwerte Leben ohne Stress, ohne Druck, am Wochenende „als Spieler funktionieren zu müssen“. Er hat das zuweilen als belastend empfunden, man „kommt ja nie raus aus der Mühle“, die Gedanken waren immer da, hat er einmal gesagt, selbst während des Spiels, vor allem dann, wenn er nicht so oft am Ball war. Aber diese Zeiten sind vorbei, „heute“, sagt Jan Rosenthal, „verfolge ich kaum noch Fußball“. Heute macht er sich Gedanken, wie er sich künftig in seinem Leben einrichten mag. „Es ist“, sagt er, „konkret nichts geplant“.

Jan Rosenthal bei Eintracht Frankfurt: Hat er zu viele Dinge hinterfragt?

An der Fernuniversität Oldenburg ist er noch eingeschrieben, BWL mit Schwerpunkt Sportmanagement, aber ob es das ist, was ihn glücklich machen wird, weiß er noch nicht. Interessen hat er genug, er malt Bilder, stellt sie auch aus, er ist belesen, im Jugendbereich könnte er sich vorstellen, tätig zu sein, aber es ist nicht leicht für einen, etwas Adäquates zu finden, wenn „drei Viertel deines Lebens der Fußball bestimmt hat“. Und mit dem Jan Rosenthal eigentlich künftig weniger zu tun haben möchte.

Jan Rosenthal braucht seine Zeit, um Abstand zu bekommen vom Fußball, um sich abzunabeln aus der Welt „der Gladiatorenkämpfe“, als die er die Bundesligaspiele oft empfunden hat. Er ist ja mit offenen Augen durchs Leben gegangen, hat vieles hinterfragt, viele, etwa sein Ex-Trainer Armin Veh bei der Eintracht, sagten, er habe viel zu viel hinterfragt, aber so ist Rosenthal, immerhin einst auch deutscher U21-Auswahlspieler, eben gestrickt. 

Einfach hat er es sich damit nicht gemacht, bisweilen hat er sich selbst im Weg gestanden, er weiß das: „Vielleicht bin ich etwas komplizierter als mach anderer Fußballer, aber es soll keiner denken, ich bin deshalb weniger Fußballer“, hat er vor einiger Zeit im großen FR-Interview gesagt. Den Fußball hat er geliebt, „ich war gerne Teil des Geschäfts“. Natürlich fand er „das Leben am Limit“ mit all seinen Annehmlichkeiten prima, „tolle Menschen“ habe er kennengelernt, tolle Reisen gemacht, der Adrenalinkick nachmittags um 15.30 Uhr im vollen Stadion und ordentlich verdient hat er auch, „ich bin darin aufgegangen“.

Jan Rosenthal: Beste Zeit als Fußballer beim SC Freiburg – wurde nicht warm mit Armin Veh

Aber er hat das Geschäft eben auch reflektiert, hat sich Gedanken gemacht. Es war Teil eines persönliches Entwicklungsprozesses. „Mit 20 beurteilt man das doch anders als ein 33-Jähriger“, sagt er. Viele Dinge, die auch für ihn einst wichtig waren, haben sich mit einem gewissen Abstand als banal herausgestellt, „die Welt schien unterzugehen, nur weil man wegen eines Muskelfaserrisses nicht spielen konnte“, sagt er. Diese Oberflächlichkeit hat er mit zunehmendem Alter bemängelt, das kam nicht immer gut an. Als Fußballer im Rampenlicht „denkt man, man wäre wichtig - aber das ist Quatsch“.

Fußballerisch hatte der elegante Techniker, meist als hängende Spitze im Einsatz, seine beste Zeit sicherlich bei Hannover 96 und beim SC Freiburg. Der SC, vor allem aber Trainer Christian Streich, hat „Rosi“ geprägt, in einer Wohlfühloase fühlte er sich da im Breisgau. Und nur in solch einem Klima konnte einer wie Jan Rosenthal seine besten Leistungen abrufen. In Frankfurt aber fand der Intellektuelle keinen richtigen Draht zu Armin Veh, bei der Eintracht kam Rosenthal in eineinhalb Jahren von 2013 bis Winter 2015 nur auf 18 Einsätze und zwei Tore. Eigentlich viel zu wenig.

Sein Tipp für das erste Liga-Spiel der Eintracht in der Saison 2019/2020 gegen die TSG Hoffenheim: 2:0.

Von Thomas Kilchenstein

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