Bundesliga

Feuerwerk im Stadtwald: Eintracht Frankfurt feiert Heimsieg 

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Goncalo Paciencia (links) und Bas Dost  hatten allen Grund zur Freude. 

In einer atemberaubenden Partie spielt Eintracht Frankfurt beim 3:0 Bayer Leverkusen nach allen Regeln der Kunst aus. 

Als die mitreißende, atemberaubende Partie im Frankfurter Stadtwald dann beendet war, sind die siegreichen Eintracht-Profis dann nach hinten gelaufen zu ihrem Torwart Frederik Rönnow. Sie wussten schon, wem sie zu danken hatten, das wussten auch die knapp 51.000 Zuschauer: „Rönnow, Rönnow-Rufe“ halten kurz vor Schluss durchs Oval. Es war tatsächlich Fredrik Rönnow, der überragend parierte, der die Eintracht in einer kritischen Phase bärenstark im Spiel hielt. Ohnehin lief die Woche gut für den Ballfänger: Am Donnerstag war er erstmals Vater des kleinen Theodor geworden. 

„Das war das beste Spiel meiner Karriere. Es war ein sehr wichtiges Spiel für mich“, sagte er glückstrahlend in den Katakomben. Aber es war nicht so, dass Eintracht Frankfurt beim grandiosen 3:0 (2:0)-Erfolg über Bayer Leverkusen nur auf ihren Schlussmann bauen musste. Die Mannschaft lieferte ein überragendes Spiel ab, das mit Abstand beste in diesem Jahr, sie spielte den Konkurrenten aus Leverkusen zeitweise nach allen Regeln der Kunst aus. Der Sieg war auch in dieser Höhe verdient. Und auch die Ehrenrunde, die die Spieler nach den sensationellen 90 Minuten lief, war verdient. Das Besondere: Bayer Leverkusen hatte nicht einmal enttäuscht. „Die erste Halbzeit war überragend“, fasste Rackerer Gelson Fernandes zusammen. 

Auf seinen Stürmer André Silva, bislang gesetzt, hatte Trainer Hütter kurzfristig verzichten müssen. Der Portugiese teilte via Twitter am Spieltag, rund sechs Stunden vor dem Anpfiff, selbst mit, dass er abends nicht würde spielen können, weil er an einer nicht näher erläuterten Fußverletzung laboriere. Dass ein Spieler seinen eigenen Ausfall über soziale Netzwerke mitteilt, ist höchst ungewöhnlich und sicher nicht im Interesse von Eintracht Frankfurt gewesen, Geheimniskrämerei gehört ja längst zum Geschäft. Der Tweet war dann auch bald gelöscht worden. 

Eintracht Frankfurt ging zu Beginn ein unglaubliches Tempo

Aber so ist der Fußball. Weil Silva also nicht konnte - und er hätte gespielt, wenn er fit gewesen wäre - war Landsmann Goncalo Paciencia in die Startformation gerutscht, und das sollte sich sehr bald als glückliche Fügung erweisen. Paciencia machte ein bärenstarkes Spiel, erzielte früh zwei Tore zum 2:0-Halbzeitstand, das erste schon nach vier Minuten, als er einen Traumpass von Danny da Costa eiskalt vor dem Ex-Frankfurter Lukas Hradecky zur Führung nutzte. Beim 2:0 verwandelte er einen Handelfmeter - Aleksandar Dragovic hatte im Stile eines Torwarts einen Schuss geblockt - sehr souverän (17.). 

Dieses 2:0 war, man glaubte es kaum, nur ein sehr schwacher Ausdruck klarster Frankfurter Überlegenheit. Die Hessen gingen von der ersten Minute an ein unglaubliches Tempo, sie entwickelten einen lange nicht mehr gesehenen Druck auf das Leverkusener Tor. Die Frankfurter sprühten nur so vor Spielfreude, vor Esprit, zeigten zudem einen Leidenschaft wie lange nicht mehr. Es war die mit Abstand beste erste Halbzeit in diesem Jahr. Die Eintracht spielte wie aus einem Guss, es gab keinen einzigen Frankfurter, der auch nur ein bisschen abgefallen wäre. Chancen ergaben sich somit fast im Minutentakt. Goncalo Paciencia, Bas Dost oder Sebastian Rode, der wie aufgedreht spielte, hätten das Ergebnis höher schrauben können, eigentlich müssen. Mit dem 0:2 zur Pause war die Werkself im Grunde noch gut bedient, über ein 0:3 oder ein 0:4 hätten sie sich nicht beklagen können. Ein Tor von Filip Kostic war wegen Abseits nicht gegeben worden, zu Recht. 

Es war vor allem jener Filip Kostic, zuletzt ein bisschen in die Kritik gekommen, der ein wahres Feuerwerk auf seinem linken Flügel abbrannte. Den bald bemitleidenswerten Mitchell Weiser spielte er nach allen Regeln der Kunst Knoten in die Beine, der Leverkusener konnte den Serben nie halten und wurde nach einer halben Stunde von Peter Bosz erlöst. Karim Bellarabi kam an seiner Statt. 

Eintracht Frankfurt - Bayer Leverkusen: Der Live-Ticker zum Nachlesen

Bas Dost macht den Deckel drauf

Ganz waren die Gäste aus Leverkusen natürlich nicht aus dem Spiel zu halten gewesen. Auch Julian Baumgartlinger (37.) oder Lucas Alario (42.) hatten Möglichkeiten, aber zwingend waren die hochgelobten Gäste nicht. Sie wirkten lange Zeit reichlich überrascht vom Frankfurter Angriffswirbel, von dieser erstaunlichen Dominanz der Gastgeber. 

Dieses Tempo, diese Qualität konnten die Frankfurter im zweiten Abschnitt nicht mehr ganz halten, auch mussten sie für ihre immensen Bemühungen Tribut zollen. Leverkusen kam besser ins Spiel. Und just in dieser Phase hielt Torwart Frederik Rönnow die Eintracht im Spiel. Der Däne, eigentlich nur Ersatz für den verletzten Kevin Trapp, wehrte schwerste Schüsse und Kopfbälle von Kai Havertz, Bellarabi und Alario im halben Dutzend ab. Rönnow schien 1000 Hände zu haben, er parierte einfach alles. Die Eintracht blieb trotzdem gefährlich, setzte immer wieder vereinzelte Nadelstiche, bisweilen fehlte nur ein Quäntchen zur endgültigen Vorentscheidung. 

Und ein wenig Glück hatte die Eintracht auch: Schiedsrichter Christian Dingert hatte in der 69. Minute nach einem vermeintlichen Handspiel von Gelson Fernandes auf Strafstoß entschieden, entschied sich dann aber nach Studium der TV-Bilder dagegen, der Ball war dem Schweizer an die Brust geprallt. 

Und mitten in die kleine Leverkusener Drangperiode machte Bas Dost mit dem 3:0 (81.) den Deckel drauf auf eine spektakuläre Partie - mit langem Bein stocherte er die Kugel ins Tor. Es war das Sahnehäubchen auf dem Kuchen.

Von Thomas Kilchenstein und Ingo Durstewitz

Am Donnerstag, 24. Oktober 2019, muss Eintracht Frankfurt in der Europa-League-Gruppenphase im heimischen Stadtwald gegen Standard Lüttich ran. So sehen Sie das Spiel live im TV und im Live-Stream. 

In der Länderspielpause testet Eintracht Frankfurt im Waldstadion gegen den Zweitligisten SV Sandhausen. Wir sind am Donnerstag, 14.11.2019, live für Sie dabei. 

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