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Kevin Trapp: Der Botschafter im Kasten bei Eintracht Frankfurt

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Der Rückhalt: Kevin Trapp ist nicht nur die Nummer eins, sondern auch das Aushängeschild.

Kevin Trapp ist bei der Eintracht mehr als nur Torwart - sehr zum Leidwesen seiner Rivalen.

Arsenal London, ein großer Opponent, ein klangvoller Name, internationales Flair, Flutlicht, ein vollgepacktes Stadion, Kribbeln im Überschuss. Abende wie dieser am Donnerstag sind nicht nur, aber gerade auch für einen wie Kevin Trapp gemacht, absolute Highlight-Veranstaltungen, selbst wenn die Atmosphäre nicht mal im Ansatz an das Playoffspiel gegen Straßburg heranreichte. Seinerzeit, Ende August, hatte es den Eintracht-Torwart förmlich davongetragen, nach dem erfolgreichen Duell gegen Racing hatte er Mühe, seine überbordenden Emotionen unter Kontrolle zu halten. 

„Wir haben ein unfassbares Spiel gemacht. Wir haben gezeigt, dass wir fast unschlagbar sind“, sagte er und kämpfte gar mit den Tränen. Das mit dem Unschlagbar hat sich zumindest erledigt, gegen Arsenal kassierte die Eintracht mit dem 0:3 die erste Heimniederlage im Europapokal seit 13 Jahren. Kevin Trapp war daran schuldlos, er hielt seine Mannschaft mit klasse Paraden sogar lange im Spiel. Die Pleite ärgert ihn, doch er blickt schon wieder voraus, am Sonntag kommt das nächste Kaliber, Borussia Dortmund, dann soll ein Sieg her, ein Stimmungsaufheller, ein Wendepunkt. Kevin Trapp glaubt daran. 

Kevin Trapp lebt Eintracht Frankfurt, hat sich dem Verein und dem Projekt mit Haut und Haaren verschrieben

Der Keeper lebt Eintracht Frankfurt, er hat sich dem Verein, dem Projekt, mit Haut und Haaren verschrieben. Das hatte er auch damals schon, 2015, als er seinen Vertrag langfristig verlängert hatte, ehe er auf einmal die Chance seines Lebens witterte: Paris St. Germain, Extraklasse, Königsklasse. Trapp entschied sich zum Wechsel, er war damals knapp 25, die Eintracht legte ihm keine Steine in den Weg und ließ sich mit knapp zehn Millionen Euro entschädigen. 

Trapp aber hielt immer Kontakt nach Frankfurt, die Verbindung zu Torwarttrainer Manfred „Moppes“ Petz etwa ebbte nie ab, sie war tief und fest wie eh und je. Und als die Eintracht dann nach Lukas Hradecky eine Nummer eins suchte und sie in Frederik Rönnow nicht fand, schlugen die Frankfurter zu. Erst auf Leihbasis, nun fest, bis 2024. Es war ein Kraftakt für den Bundesligisten, dem ein langes Gepoker und Gezacker voranging, doch es hat geklappt, die Eintracht hat fast so viel an Paris bezahlt wie sie damals bekommen hatte, aber das viele Geld war es ihr wert. 

Kevin Trapp ist eine prägnante Gestalt bei Eintracht Frankfurt – Spielender Markenbotschafter

Trapp ist ohne Zweifel eine prägende Gestalt der Frankfurter Mannschaft, er ist das Gesicht der Eintracht, das Aushängeschild, er repräsentiert den Verein, ist so etwas wie ein spielender Markenbotschafter. Der Beau im Kasten ist smart, polyglott, spricht viele Sprachen, er weiß sich in der Öffentlichkeit in Szene zu setzen, er hat Manieren, eine gute Kinderstube, weiß sich auszudrücken und zu benehmen. 

Als neulich der Grundstein zum neuen Eintracht-Campus gelegt wurde, war er als einziger Spieler neben Kapitän David Abraham dabei, er war es dann auch, der den Medien als Gesprächspartner zur Verfügung stand, weil er Botschaften unters Volk bringt, die über „Vollgas geben“ hinausgehen. 

Und er bringt einen gewissen Glamourfaktor nach Frankfurt, weil seine Verlobte Izabel Goulart ein bekanntes Model ist, sie soll bald Trapps Ehefrau werden, der Haken an der Sache: Die beiden sind so beschäftigt, dass sie, wie er der „Bild“ sagte, keinen Termin finden. Izabel Goulart lebt eigentlich in Paris, Trapp holt dort auch sein Essen ab, das eine befreundete Brasilianerin kocht. Er nimmt die Speisen tiefgekühlt mit nach Frankfurt. Darauf muss man erst mal kommen. 

Eintracht Frankfurt: Kevin Trapp ist ein extrem ehrgeiziger Spieler

Trapp ist natürlich die unangefochtene Stammkraft unter der Latte. Der 29-Jährige ist ein hervorragender Schlussmann, Nationaltorwart, der aber in manchen Spielen einfach das Glück nicht auf seiner Seite hatte, mal ging ein Schuss ins kurze Eck, dann durch die Beine, dann fiel ein abgewehrter Ball dem Stürmer vor die Füße. Manchmal war es zum Haareraufen.Und wenn er alles hält, was er halten kann, wie gegen Arsenal, dann geht die Partie trotzdem verloren. Künstlerpech. 

Trapp ist ein extrem ehrgeiziger Spieler. Kollege Jan Zimmermann, aktuell die Nummer vier, charakterisierte ihn mal so: „Kevin ist ein Trainingstier, total verbissen, er ist überehrgeizig, er würde bei jedem Gegentor am liebsten den Pfosten aufessen. Jedes Gegentor ist eine persönliche Niederlage. Dieser Ehrgeiz überträgt sich auf die Mannschaft, diese Einstellung bringt uns alle weiter.“ Trapp hat hohe Ziele, gibt sich nie mit dem Erreichten zufrieden. 

"Anspruch ist gewachsen" – Eintracht Frankfurt hat hohe Ziele

„Ich bin hier mittlerweile in einer Mannschaft, die sagt: Egal gegen wen – wir können gewinnen. Der Anspruch von uns an uns selbst ist extrem gewachsen. Wir schauen nicht nur drauf, nicht abzusteigen“, sagt der Keeper und nimmt sogar die Champions League ins Visier: „Und wenn das gelingen sollte mit einem Verein, der noch nie in der Champions League dabei war, und du quasi Legenden-Status kriegst, das ist unersetzbar. Und diesen Ehrgeiz in der Mannschaft spürst du.“ Momentan aber, das sagte auch Trainer Adi Hütter, „müssen wir kleinere Brötchen backen“. Trapp weiß, dass bei der neuen Mannschaft Geduld gefragt ist. An seinen hohen Zielen ändert das nichts. 

Die haben sicher auch seine Rivalen im Tor, doch sie stehen, weil der Saarländer derart unverrückbar die Nummer eins ist und das ganz Licht absorbiert, so ziemlich im Schatten. Die Perspektiven der Herren Rönnow, Wiedwald und Zimmermann sind beschränkt, wobei Jan Zimmermann, die 34 Jahre alte Nummer vier, noch am ehesten seinen Frieden mit der verzwickten Situation geschlossen hat. Denn er ist auch so ein wichtiges Mitglied der Gemeinschaft, wichtig für das Binnenklima in der Kabine. „Ich bin nicht Mutter Theresa. Ich hole mir über meine Leistung auf dem Trainingsplatz auch mein Standing“, sagte „Zimbo“ mal der FR. „Aber es geht für mich auch darum, den Jungs zu helfen. Wenn man merkt, ein Spieler ist schlecht drauf, versuche ich, auf ihn einzuwirken. Es geht dann auch über das Verhalten und die Persönlichkeit in der Kabine, da geht es darum, ob man ein offenes Ohr hat und hilfsbereit ist.“ Das ist Zimmermann.

Frederik Rönnow wollte Lukas Hradecky in Frankfurt beerben – doch daraus wurde nichts

Auch Frederik Rönnow, die Nummer zwei, ist anerkannt und beliebt, aber der Däne würde den Verein auch verlassen. Nicht, weil er sich unwohl fühlen würde, aber er braucht Spielpraxis, er ist vor 15 Monaten ja nach Frankfurt gekommen, um Lukas Hradecky als Nummer eins zu beerben. Doch daraus wurde nichts, erst streikte das Knie, dann kamen generelle Bedenken der Sportlichen Leitung hinzu, und als er sich jetzt in der Vorbereitung in den Fokus hätte spielen können, weil Trapp ja noch in Paris und nicht in Frankfurt war, da stoppte ihn sein Körper erneut: Schulterverletzung, wochenlange Zwangspause. Deshalb hat sich auch kein Abnehmer für ihn gefunden. Dabei muss der 27-Jährige unbedingt spielen, um nicht seinen Platz in der dänischen Nationalmannschaft zu verlieren. Vielleicht klappt’s ja im Winter mit einem Wechsel, auch wenn die Frankfurter den sozialverträglichen und liebenswerten Rönnow gerne behalten würden. 

Sollte der Däne gehen, müsste Felix Wiedwald, der Dritte im Bunde, an Bord bleiben. Der 29-Jährige ist der einzige Torwart, der in dieser Saison außer Trapp schon in Pflichtspielen im Tor stand – gegen die Leichtgewichte Flora Tallinn und FC Vaduz konnte er sich aber mangels Beschäftigung nicht auszeichnen. Die Eintracht würde Wiedwald abgeben. Oft spielen wird er in Frankfurt eher nicht mehr.

Indes hat die Eintracht Frankfurt eine harte Strafe von der UEFA wegen Vergehen im Spiel gegen Straßburg kassiert. 

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