Trainingslager

Eintracht Frankfurt will in Florida gute Grundlage für Rückrunde schaffen

Sattes Grün: Eintracht Frankfurt im Trainingslager in Florida. Bild: Jan Hübner
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Sattes Grün: Eintracht Frankfurt im Trainingslager in Florida.

Die Trainingsbedingungen in den USA sind top, strittig bleibt der Trip aber allemal. Wir berichten täglich aus Florida.

Einfach vom Frankfurter Flughafen aus zehn Stunden gen Westen über den Atlantik gejettet, anschließend die nicht ganz unkomplizierten Einreisemodalitäten der USA hinter sich gebracht, dann noch eine knappe Stunde im Omnibus rausgedüst aus der Großstadt, bis kurz vor dem Ziel immer der vierspurigen Interstate 275 folgend, schließlich die spektakuläre, fast sieben Kilometer lange Sunshine-Skyway-Brücke überquerend, dann noch ein paar Kurven nach links und ein paar nach rechts. Und schon waren der Tross da. Wieder da. Wieder in Bradenton, wieder in der IMG Akademie.

Eintracht Frankfurt: Falette nicht dabei

Den Weg ins Wintertrainingslager kannten sie bei Eintracht Frankfurt diesmal fast schon aus dem Effeff – auch wenn er nicht für alle von Anfang an gleich war. So kamen eine Handvoll Profis einfachheitshalber direkt aus ihren Urlaubsorten in die USA, Torwart Kevin Trapp zum Beispiel aus St. Barth, Kapitän David Abraham aus seiner Heimat Argentinien. Andere kamen gar nicht. Keeper Frederik Rönnow (Sehneneinriss im Oberschenkel) und Defensivspieler Lucas Torro (Innenbandriss im rechten Knie) kurieren ihre Verletzungen fernab der Mannschaft aus, und Innenverteidiger Simon Falette ist als Wechselkandidat freigestellt, damit er sich einen neuen Verein suchen kann. Es heißt, der 1. FC Köln habe seriöses Interesse am 27-jährigen Franzosen, der in Frankfurt noch einen Vertrag bis Juni 2021 besitzt.

Einzelschicksale, die freilich keine großen Auswirkungen auf die USA-Reise der Eintracht haben, die am Donnerstag bereits zum vierten Mal zu Trainingszwecken nach Nordamerika aufbrach. 2017 war der hessische Bundesligist in der Sommerpause in Kalifornien auf Erkundungstour, das Jahr drauf hakte der Klub mal eben in einem Rutsch Salt Lake City und Philadelphia als Stationen ab, und wie schon im vergangenen Winter trug das Flugzeug die Fußballprofis vom Main nun wieder nach Florida, an die Westküste des Sonnenscheinstaates, wo die Luft stets einen Hauch salzigen Meeresduftes vom Golf von Mexiko in sich trägt.

Bis zum 10. Januar weilt die Eintracht-Entourage nun an diesem Ausflugsziel im südöstlichste Bundesstaat der USA. Nett ist es hier, und angenehm mild dazu. Mal sollen es in den nächsten Tagen 17 Grad werden, häufig 22, ab und zu sogar 27 – da lässt es sich doch wirklich gut schuften für die passende Rückrundenform beim zuletzt so arg kriselnden Erstligisten. Zur Erinnerung: Nur noch Tabellendreizehnter sind die Frankfurter nach vier Dezember-Niederlagen, der Vorsprung zur Abstiegszone beträgt lediglich drei Punkte. Nicht besonders viel.

Eintracht Frankfurt findet in Florida beste Bedingungen vor

„Wir haben im vergangenen Jahr sehr gute Bedingungen in Florida vorgefunden und konnten uns dort optimal auf die Rückrunde vorbereiten“, ist sich Reise-Initiator Fredi Bobic, Sportvorstand bei Eintracht Frankfurt und ein ausgewiesener USA-Liebhaber, sicher, durch den Florida-Trip eine angemessene, gute Grundlage für die verbleibende zweite Saisonhälfte schaffen zu können. „Zugleich zahlt die Tour auf unser internationales Engagement in den USA ein. Wir möchten wieder ein guter Botschafter der Bundesliga sein“, nennt Bobic abseits des sportlichen Werts einen zweiten, wohl nicht ganz unwesentlichen Grund für den Flug über den Ozean. Nicht wenige behaupten, es sei der ausschlaggebende.

Wie dem auch sei: Die Hessen kennen sich bestens aus auf dem 162 000 Quadratmeter, umgerechnet etwa 23 Fußballfelder großen Areal der IMG Akademie, sie kennen die 250 Meter gepflasterten Fußweges von ihrem Vier-Sterne-Hotel zu den zehn bestens getrimmten Rasenplätzen, vorbei an einer riesigen Muckibude und einer Turnhalle. In der Akademie habe es „an jeder Ecke nach Sport gerochen“, sagte Bobic im vergangenen Januar und zog, wenig überraschend, ein positives Fazit: „Die Plätze waren super, das Hotel angenehm, das Wetter gut.“

All das war und ist natürlich nicht zu bestreiten, es ist vielmehr sehr treffend formuliert, denn die 1978 von Nick Bollettieri als Tennisakademie gegründet Anlage am Rande der 50.000-Einwohner-Stadt Bradenton hat fast alles zu bieten, was ein Sportlerherz begehrt. Mehr als 13.000 Athletinnen und Athleten sind vergangenes Jahr dort Trainingsgäste gewesen. Tennis, Baseball, Golf, Basketball, American Football, und eben Fußball – für Sportler fast jeder populären US-Sportart gibt es Trainingsmöglichkeiten. Zeitweise nutzen auch die Schiedsrichter der heimischen Fußball-Profiliga MLS das Gelände zur Vorbereitung auf ihre Saison oder zu Zusammenkünften.

Im Gegensatz zum Vorjahr werden die Hessen diesmal zwei Nächte weniger in Bradenton verbringen, nur deren fünf, anschließend ziehen sie noch einmal für die finalen drei Tage um. Das war anfangs nicht so geplant, diesen Reisetag wollte man eigentlich vermeiden – wenn er sich auch nur auf eine Busfahrt von rund 90 Kilometern ins nördlich gelegene Clearwater beläuft. Eine Doppelbelegung der Akademie soll Ursache für den Umzug sein.

Eintracht Frankfurt: Keine Teilnahme am Florida-Cup

Nahm die Eintracht im Vorjahr auch noch am sogenannten Florida Cup teil, der sich auf Duelle gegen die brasilianischen Klubs FC São Paulo (2:1) und Flamengo Rio de Janeiro (0:1) sowie ein eher dezentes Faninteresse beschränkte, steht diesmal nur eine Partie auf dem Plan. Am 8. Januar geht es gegen Ligakonkurrent Hertha BSC um die Ehre und um eine ansteigende Formkurve mit Blick auf den Rückrundenstart, genau zehn Tage später in Sinsheim gegen die TSG Hoffenheim. Gekickt wird gegen die Berliner wie im Vorjahr im eigentlichen Baseballstadion von Saint Petersberg, ebenfalls in der Tampa Bay Area gelegen, mit hübschem Blick auf Palmen und den Hafen der Stadt.

Die Erfahrungen des vergangenen Jahres haben aber nicht nur gezeigt, dass die Trainingsbedingungen top sind in Florida, sondern auch, dass Topbedingungen nicht alles bedeuten. Vorab gerade von Sportvorstand Bobic zurückgewiesene Befürchtungen, die weite Reise, die deutlichen Temperaturunterschiede und der Jetlag könnten sich kontraproduktiv auf das kickende Personal auswirken, bestätigten sich später zumindest in Teilen. „Man hat gesehen, dass wir nicht so frisch waren. Wir müssen uns jetzt gut erholen“, sagte Mittelfelddauerrenner Gelson Fernandes im vergangenen Januar trotz des 3:1-Rückrundenauftaktsieges gegen Freiburg. Dem war nicht wirklich zu widersprechen, so schlaff traten einige Frankfurter damals nach fünf Tagen Anpassungszeit in Deutschland auf.

Diesmal kehrt die Reisegruppe Florida lieber zwei Tage eher heim ins Hessenland, genau eine Woche vor dem Rückrundenauftakt, sicher ist sicher. Ob das Diskussionen bei einem Misserfolg in Sinsheim über den Trip ersparen würde? Eher nicht.

Von Daniel Schmitt

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