Vorbereitung Eintracht Frankfurt

SGE hat bereits ein stabiles Fundament

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Die Schweizer Gelson Fernandes (M) von Eintracht Frankfurt trainiert mit seinen Kollegen.

Die SGE bereitet sich in der Schweiz auf die neue Saison vor – und bastelt nebenbei am Kader.

Als die Frankfurter Handlungsreisenden in Sachen Fußball am Sonntagmittag in der Schweiz einschwebten, hatte sich der Sommer endgültig vom malerischen Thunsersee verabschiedet. Dann und wann grummelte es drohend vom wolkenverhangenen Himmel herab, die Luft hing feucht und schwer, die Sonne erwischte kaum mal ein Schlupfloch. Die Eintracht-Profis nahmen die äußeren Bedingungen recht emotionslos zur Kenntnis, sie können sie ja sowieso nicht ändern, klar ist aber, dass sich Kärrnerarbeit auf dem Trainingsplatz einfacher verrichten lässt, wenn das Thermometer, wie angekündigt, 22, 23 oder 24 und nicht 33 Grad anzeigt.

SGE-Kader noch nicht komplett

Für die Frankfurter Bundesligamannschaft beginnt mit dem sechstägigen Trainingslager in der Schweiz, zunächst in Thun und ab Mittwoch in Biel, der erste wichtige Vorbereitungspart auf die neue Saison, die ja schon in zweieinhalb Wochen mit dem ersten Qualifikationsspiel für die Europa League beginnt. „Wir werden parat sein“, kündigt Adi Hütter an. Der Trainer hat erstmals seine komplette Mannschaft am Start, 30 Mann, also auch Nationalspieler wie Filip Kostic, Mijat Gacinovic oder Ante Rebic, die ja noch Urlaub genießen konnten. Das Team ist noch nicht komplett, aber es ist auch nicht so, dass es völlig unfertig der bevorstehenden Spielzeit entgegen schippert. Das Grundgerüst ist vorhanden, einige Zugänge sind schon an Bord, auch solche, die es auf Anhieb in die erste Elf schaffen könnten, Dominik Kohr oder Djibril Sow zum Beispiel.

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Andererseits sind, Stand jetzt, vier Spieler nicht mehr dabei, die tragende Pfeiler in der abgelaufenen Runde waren: Zuvorderst Luka Jovic, der zu Real Madrid abgewandert ist, auch die Leihspieler Kevin Trapp, Martin Hinteregger und Sebastian Rode. Alle drei sollen aber weiter die Farben der Eintracht tragen, das wird wohl bei Torwart Trapp und Abräumer Rode nur eine Frage der Zeit sein, beim Österreicher Hinteregger sind die Verhandlungen mit dem Augsburger Manager Stefan Reuter arg zäh. Ausgang offen. Der Kroate Rebic ist wechselwillig, die Eintracht würde dem 25-Jährigen auch keine großen Steine in den Weg legen, wenn die Ablöse stimmen sollte, mit 40 Millionen Euro rechnen die Hessen, wobei bei ihnen dann etwas mehr als die Hälfte hängenbleiben würde. Die Eintracht liegt mit ihrer Personalplanung im Soll, „aktuell bin ich zufrieden“, betont Hütter. Der eine oder andere Akteur wird noch gehen, gerade erst wurde Nachwuchsmann Deji Beyreuther zur zweiten Mannschaft der TSG Hoffenheim abgegeben, andere dazukommen, vielleicht hat Rückkehrer Daichi Kamada wieder eine Zukunft in Frankfurt. Den Japaner will Hütter noch mal näher beobachten, seine in Belgien gemachte Entwicklung sei jedenfalls sehr positiv.

SGE legt Wert auf Dynamik und Tempo

Gesucht wird noch ein spielstarker Regisseur, ganz sicher wird noch ein Stürmer kommen, und das wird keiner sein, der, wie der junge Serbe Dejan Joveljic, vielleicht noch ein bisschen Eingewöhnungszeit benötigen wird. Unter Zeitdruck wollen sich die Verantwortlichen nicht setzen lassen, so lange Rebic noch da ist, besteht dazu keine Notwendigkeit.

Auffällig ist, dass im Mittelfeld bisher sehr viel Wert auf Dynamik und Tempo gelegt wurde, was der richtige Ansatz ist, weil diese Komponenten im modernen Hochgeschwindigkeitsfußball unabdingbar geworden sind. Zudem bringen Spieler wie Rode, wenn er denn kommt, Kohr oder Sow eine gute Einstellung und die erforderliche Mentalität mit, um sich im engen Bundesligawettbewerb behaupten zu können. Das garantiert keine Platzierung unter den ersten Sechs, aber es erhöht die Wahrscheinlichkeit um ein Vielfaches, auch nicht weit abzurutschen. Das ist ein solides, stabiles Fundament.

Die Frage aber wird sein, wie die Eintracht den Abgang des Goalgetters Jovic verkraften wird, denn de facto fehlen ihr erst einmal 27 Pflichtspieltore, 17 in der Liga und zehn in der Europa League, sollte Rebic noch gehen kämen noch einmal zehn Treffer (9/1) hinzu. Das muss eine Mannschaft erst einmal auffangen. „Vielleicht entwickelt sich ja Joveljic in diese Richtung“, sagt Hütter, der den 19 Jahre alten Serben zwar behutsam aufbauen möchte, ihn aber als „absoluten Knipser“ bezeichnete. Wahrscheinlich ist aber eher, dass vieles an Sebastien Haller hängenbleiben wird. Und an dem neuen, noch zu verpflichtenden Stürmer, der gewiss schon etwas nachgewiesen haben wird und für zehn bis 15 Tore stehen sollte.

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Aus dem Mittelfeld ist es nicht so weit hin mit der Torgefahr. Neuzugang Sow hat in 55 Erstligapartien für Bern vier Tore gemacht, Kohr in 145 Bundesligaspielen vier Tore, Sebastian Rode in 125 Begegnungen sechs Treffer, Mijat Gacinovic, eigentlich der offensivste dieser Akteure, in 93 Erstligapartien drei Tore. Da sticht Jonathan de Guzman mit drei Treffern in „nur“ 44 Spielen schon beinahe heraus. Das Spiel der Eintracht wird also auf mehreren Schultern ruhen, und sie wird dennoch wieder individuelle Klasse benötigen.

Zumal sie sich breiter aufstellen möchte, um einen Hänger wie im Endspurt der zurückliegenden Spielzeit zu verhindern. „Es war eine unheimlich lange Saison, die Mannschaft war es nicht gewohnt, so viele spiele auf diesem hohen Niveau zu machen“, sagt Hütter und folgert: „Vom Kader müssen wir eine gute Breite haben, aber nicht nur Quantität, sondern auch Qualität.“ Um zu rotieren, ohne einen erheblichen Leistungsabfall zu haben. Schließlich könnte auch diese Runde strapaziös und kräftezehrend werden. Im besten Fall warten bis Weihnachten 31 Partien – das ist ein straffes Pensum.

Schwächephase der Eintracht am Ende der Saison

Und man darf gespannt sein, wie der Trainer, die Mannschaft und der gesamte Verein mit den gestiegenen Erwartungen umgehen. Zuletzt ging es immer nach oben, erst Platz elf (nach Einbruch in der Rückrunde), dann Platz acht (nach Leistungsabfall in der zweiten Saisonhälfte) und schließlich Rang sieben, natürlich ebenfalls nach einer Schwächephase zum Schluss. Die vergangene Saison, beginnend mit dem Pokalsieg, hat aber auch auf internationalem Parkett alles getoppt, die Eintracht ist bis ins Halbfinale der Europa League gekommen und erst in einer epischen Fußballschlacht samt dramatischem Elfmeterschießen am FC Chelsea gescheitert.

„Ich glaube nicht, dass draußen die Erwartung vorherrscht, dass wir wieder ins Halbfinale der Euro League stürmen“, wirft Vorstand Axel Hellmann ein und verweist auf die jahrelange Zementierungstheorie des Ex-Bosses Heribert Bruchhagen. „Den Menschen hier ist doch jahrelang beigebracht worden, wie schwierig die Bundesliga ist und noch schwieriger, ins internationale Geschäft zu gelangen. Von dieser Erziehungsmaßnahme profitieren wir heute. Keiner sagt: Jetzt müsst ihr in die Champions League.“

Die Menschen, auch intern, haben aber Blut geleckt, das streitet auch Hellmann nicht ab. „Wir können nicht einfach mal die europäischen Plätze als klares Ziel raushauen. Aber wer Adi Hütter und Fredi Bobic kennt, der weiß, wie groß ihre Ambitionen sind. Was man intern anstrebt und was nach draußen als fixes Ziel verkündet wird, muss ja nicht ein und dasselbe sein.“

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