Gesperrter Kapitän

Eintracht Frankfurt sucht den Stellvertreter für David Abraham

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Steigt nach seiner Sehnenverletzung vorsichtig ins Training ein: Almamy Touré. 

Wer ersetzt künftig den vermutlich lange gesperrten David Abraham? Trainer Adi Hütter befindet sich in einer Zwickmühle.

David Abraham, der böse Bube von der Dreisam, wird dem Vernehmen nach für seinen Bodycheck von seinem Arbeitgeber Eintracht Frankfurt mir 35.000 Euro zur Kasse gebeten. Die Strafe soll an eine karitative Einrichtung überwiesen werden, dann hätte der sinnlose Zwischenfall von Freiburg, als SC-Trainer Christian Streich „die Füße unter dem Boden verloren hatte“ (Eintracht-Coach Adi Hütter), wenigstens ein Gutes. Vor dem DFB-Sportgericht wird der 33 Jahre alte Verteidiger nicht ganz so glimpflich davonkommen, mindestens sechs Spiele Sperre, vielleicht mehr, drohen dem Argentinier, er wäre in der Liga frühestens im nächsten Jahr wieder dabei. Immerhin könnte er die beiden noch ausstehenden Spiele in der Europa League gegen den FC Arsenal und Vitoria Guimaraes bestreiten.

Dennoch wird sich Trainer Adi Hütter seine Gedanken machen müssen, wie er die Vakanz auf der rechten Abwehrseite füllt. In Topform, zumindest in der Verfassung vom Spiel gegen den FC Bayern München, ist das Fehlen des Kapitäns für Eintracht Frankfurt sicherlich ein herber Verlust. Vor allem dank seiner Schnelligkeit hat David Abraham manch brenzlige Situation bereinigt, so leicht läuft dem alten Fahrensmann keiner davon. Dieses Tempo fehlt der Frankfurter Hintermannschaft jetzt. Zudem hat der Stopper just auf seine alten Tage plötzlich eine gewisse Torgefahr entdeckt, zweimal hat er bislang getroffen, so viel wie seit Jahren nicht mehr.

Almamy Touré könnte eine Alternative sein - oder werden

Andererseits hat Abraham in dieser Runde auch ein paar weniger gute Spiele hingelegt, dazu musste er wegen diverser kleinerer Blessuren immer mal wieder aussetzen.

Der logischste Stellvertreter für den Südamerikaner ist Almamy Touré, der Abraham in dieser Saison bereits ersetzt hat. Aktuell ist der Franzose allerdings nicht im Vollbesitz seiner Schaffenskraft, Mitte Oktober im Spiel gegen Bayer Leverkusen hatte sich der 23-Jährige eine Sehne im Oberschenkel gerissen. Vier Wochen, hieß es, benötige er zur Genesung. Derzeit versucht er, vorsichtig in den Trainingsbetrieb wieder einzusteigen. Ob es mit einem Einsatz für das übernächste Wochenende im Heimspiel gegen den VfL Wolfsburg reicht, ist offen. Vor seiner Verletzung war Touré in prima Verfassung.

Martin Hinteregger auf rechts

So spricht einiges dafür, dass erst einmal Martin Hinteregger, die Frankfurter Geheimwaffe - in Freiburg spielte er in der Schlussphase sogar im Sturm - wieder auf rechts verteidigt. Das kann der Österreicher spielen, das hat er ja bei seinem Debüt in Frankfurt im Januar dieses Jahres getan. Da spielte er in den Partien gegen Borussia Dortmund (1:1), RB Leipzig (0:0) und Borussia Mönchengladbach (1:1) ebenfalls auf der für ihn falschen, weil rechten Seite, und zwar erstaunlich gut. Trainer Hütter ist im Normalfall nicht begeistert von der Vorstellung, seinen Landsmann nach rechts hinten zu beordern - etwa um dem aufstrebenden Linksfuß Evan Ndicka zu einem Einsatz zu verhelfen. Hütter hält diese Idee für ziemlich abwegig: „Wenn ich einen Rechtsfuß habe, werde ich doch keinen Linksfuß dahin stellen, da erübrigt sich jede Diskussion.“ Nun ist er dazu praktisch gezwungen, sofern Touré nicht schnell fit wird oder er Timothy Chandler mit dieser Aufgabe betraut. Hinteregger freilich kann diese Position spielen, er kann im Grunde alles in der Dreierabwehrkette spielen, das hat er auch schon unter Beweis gestellt.

Voll im Soll:  Für Eintracht Frankfurt geht es nun darum, das ganze Gebilde zu verfeinern

Eine neue Chance für Simon Falette?

So spricht also eine Menge für eine Abwehrreihe mit Hinteregger, Makoto Hasebe im Zentrum und Evan Ndicka auf links - allesamt Fachkräfte und sicherlich nicht die schlechtesten. Die Defensive wäre damit kaum weniger stabil.

Simon Falette, der bislang in keinem der 23 Pflichtspiele auf dem Platz gestanden hat, aber häufig im Kader auftauchte, könnte angesichts des Ausfalls von Abraham schneller als gedacht wieder eine Rolle spielen. Der 27-Jährige Nationalspieler Guineas hat sich, trotz geringer Einsatzmöglichkeiten, in der Vergangenheit im Training stets hochprofessionell verhalten. Wenn er in der vergangenen Saison zum Einsatz kam, etwa im Europa-League-Spiel gegen Benfica Lissabon, hat er sich bravourös behauptet.

Auf einen indes wird Adi Hütter nicht bauen können: Marco Russ, gelernter Innenverteidiger, absolviert nach seinem Achillessehnenriss weiter Reha-Training.

Von Thomas Kilchenstein

Adi Hütter kann in der Länderspielpause einen Ersatz für David Abraham suchen. Denn die Mannschaft testet am Donnerstag, 14.11.2019, am 14 Uhr gegen den SV Sandhausen. Mit unserem Live-Ticker verpassen Sie nichts vom Spiel. 

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