Playoffs

Eintracht gegen Straßburg: Nicht nur ein Prestigeprojekt

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Hoffen wieder auf viele Fußballfeste in Europa: Die Eintracht-Fans. 

Für Eintracht Frankfurt geht es um viel mehr als die abermalige Teilnahme am internationalen Geschäft.

Der schicke gedeckte Zweiteiler mit dem Adler auf der Brust durfte in Estland nicht fehlen und natürlich auch in Liechtenstein nicht. Nicht nur die Vorstände und Aufsichtsräte der Eintracht trugen den schwarzen Anzug durch Europa, alle Offiziellen, selbst die Damen und Herren der Presseabteilung putzten sich entsprechend heraus. Für besondere Anlässe gilt bei Eintracht Frankfurt ein besonderer Dresscode, und internationale Auftritte sind für den Klub aus der Bankenstadt noch immer etwas ganz Spezielles, etwas Außergewöhnliches.

Für die Verantwortlichen hat der adrette, stilvolle Auftritt auch eine symbolische Aussagekraft, der Profimannschaft soll damit die Bedeutung des Wettbewerbs verdeutlicht werden. „Das wird von oben nach unten vorgelebt“, sagt Vorstand Axel Hellmann. Auch in der Qualifikation bei Leichtgewichten wie Flora Tallinn oder FC Vaduz. „Wir wollten der Mannschaft signalisieren, dass das keine Ausflugsfahrten sind.“ Mit Erfolg. Die beiden ersten Opponenten wurden seriös aus dem Weg gerollt.

Eintracht Frankfurt vor kniffliger Aufgabe

Heute (20.30 Uhr/live bei RTL Nitro und im Live-Ticker) wartet ein anderes Kaliber auf die Hessen, dann müssen sie im ersten von zwei Playoffspielen zur Europa League bei Racing Straßburg bestehen. Es gibt entschieden leichtere Aufgaben. Gerade die Partie im Elsass dürfte eine knifflige Angelegenheit werden, die Racing-Fans gelten als heißblütig, sie können das Stadion schon mal in einen Hexenkessel verwandeln, und auch das Straßburger Team ist eines, das in erster Linie eine kämpferische und läuferische Note ins Spiel bringt. Die Eintracht ist gewarnt.

Für die Frankfurter zählt trotzdem nur der Einzug in die Gruppenphase der Europa League, es ist das erste ganz große Etappenziel auf dem langen Weg durch die Saison. „Jetzt“, sagt Hellmann, „geht es ans Eingemachte.“ Eine abermalige Teilnahme, es wäre die zweite in Folge, hätte für den Vorjahreshalbfinalisten eine enorme Bedeutung. Die Eintracht hat mächtig Gefallen gefunden an diesem Wettbewerb, den sie lebt wie kaum ein zweiter Verein und den sie in der vergangenen Spielzeit mit ihrem Gesamtauftritt bereichert hat. Reputation und Sympathien hat der Verein überdies gewinnen können. Die Europa League ist nicht nur, aber auch ein Prestigeprojekt.

Bei der Eintracht sind die Ansprüche gestiegen

Die Vorstellungen auf internationalem Parkett gehören inzwischen irgendwie schon zum guten Ton, sie sind, wie Vorstand Hellmann befindet, „gut fürs Gesamtgefüge“. Die zurückliegende Europapokalrunde war sehr speziell und einzigartig, gespickt mit Glanzlichtern und magischen Nächten, sie lässt sich in dieser Form nur schwerlich wiederholen. Sollte die Qualifikation gelingen, dann, kündigt der 48-Jährige schon mal vorsorglich an, „werden wir unsere eigene Geschichte schreiben“. Für den bekennenden Europa-Fan Hellmann steht daher unumstößlich fest: „Wir müssen über diese Hürde – mit aller Kraft.“

Der Umkehrschluss ist aber ebenso legitim: Sollte die Eintracht vorzeitig die Segel streichen müssen, wäre die Enttäuschung gewaltig, ein erster Dämpfer und kleiner Stimmungskiller gleich zu Saisonbeginn. Das zeigt auch, dass die Ansprüche gestiegen sind. Die internationalen Auftritte gehören zwar noch nicht zum Selbstverständnis des Klubs aus dem Herzen von Europa, aber im Stadtwald könnte man sich daran gewöhnen. „Das sind Festtage für uns, wir nehmen diesen Wettbewerb an“, sagt Hellmann und fügt schmunzelnd hinzu: „Aber das muss man mittlerweile ja nicht mehr kommunizieren.“

Mehreinnahmen von rund 40 Millionen Euro

Für den Juristen ist die Europa League aus dreierlei Gründen von herausragender Bedeutung, „klimatisch, sportlich und wirtschaftlich“. Weiche Faktoren wie Bindung und Identifikation spielen bei den „klimatischen“ Faktoren genauso eine Rolle wie der Imagegewinn, zudem könne ein erfolgreicher Trip durch Europa der Mannschaft einen zusätzlichen Schub im Alltag geben und sie durch die vielen Spiele tragen, das hat man in der vergangenen Saison erlebt. „Du hast die Möglichkeit, in einen Flow zu kommen“, findet Hellmann.

Der Klub hat seinen Werbewert und Bekanntheitsgrad gerade durch die internationalen Darbietungen gesteigert, erst kürzlich wurde ein neuer, werthaltiger Deal mit dem US-amerikanischen Hauptsponsor Indeed abgeschlossen, der dem Verein in toto und auf Strecke fast zehn Millionen Euro mehr als zuvor einbringen wird.

Der Bundesligist habe nach dem Pokalerfolg vor einem Jahr und dem darauffolgenden Parforceritt durch Europa mit Endstation Stamford Bridge überdies eine „überragend hohe Nachfrage“ bei allen relevanten Erlösmöglichkeiten, also Merchandising, Marketing, Ticketing. Eine abermalige Teilnahme an der Europa League würde diesen Rahmen noch weiter dehnen. „Das“, bekundet Hellmann, „wäre eine enorme wirtschaftliche Chance“ – gerade um den Abstand zu den Topklubs zu verkürzen. In der vergangenen Europa-League-Spielzeit durfte sich Finanzchef Oliver Frankenbach über Einnahmen von mehr als 40 Millionen Euro freuen.

Eintracht Frankfurt will sich eine gute Basis für das Rückspiel holen

Sollte sich die Eintracht qualifizieren, würde sie sich in Lostopf zwei oder drei wiederfinden, mindestens ein attraktiver Gegner wäre also drin. Mit den Schwergewichten kennt sich die Mannschaft aus, allein in der zurückliegenden Runde kreuzte sie mit Chelsea London, Benfica Lissabon, Inter Mailand, Schachtjor Donezk, Lazio Rom oder Olympique Marseille die Klingen.

Hellmann hofft daher heute im ersten Playoffspiel auf eine respektable Ausgangsposition fürs Rückspiel. „Mit einem guten Ergebnis hätten wir zu Hause alles in der eigenen Hand. Das ist ein Vorteil.“ Der Marketingvorstand baut in einer Woche auf das frenetische Publikum, das das Stadion ja mehr als einmal in ein Tollhaus verwandelt hat. Hellmann glaubt auch nicht an ein Spiel in einer „freundschaftlichen Atmosphäre wie gegen Tallinn oder Vaduz“, er rechnet dann eher mit Unterstützung „im Frankfurt-Style“, also ohrenbetäubend laut und einpeitschend.

In Frankreich werden sich die rund 2000 ins Elsass reisenden Eintracht-Fans auf einige Einschränkungen gefasst machen müssen. Als Frankfurter Anhänger dürfen sie sich erst im Gästeblock des Meinaustadions outen; „Fanschals, Trikots oder andere markante Zeichen ihrer Mannschaft dürfen im Stadion nicht sichtbar getragen werden“, heißt es in einer Verordnung der Präfektur Bas-Rhin. Eintracht-Anhänger dürfen sich in der Nähe des Stadions und angrenzenden Straßen nicht als solche zu erkennen geben. Und: Alkoholische Getränke dürfen nicht mitgeführt werden.

Vergleiche an das Stadtverbot, das weiland in Marseille im Zuge des Geisterspiels verhängt wurde, drängen sich jedoch nicht auf. Das Reglement ist nämlich nicht explizit auf die Eintracht-Fans gemünzt, auch in den in den ersten beiden Qualifikationsrunden bekamen die israelischen Gäste aus Haifa und dem bulgarischen Plowdiw diese Auflagen erteilt. In Frankreich sind Restriktionen dieser Art, erst recht seit den Terroranschlägen, nicht ungewöhnlich. Für die Anhänger sind sie dennoch lästig und unschön.

Falls Sie das Spiel der Eintracht gegen Straßburg live verfolgen möchten, finden Sie alles Wissenswerte hier.

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