Neuzugang

Eintracht bestätigt: Erik Durm wechselt an den Main

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Das Inselleben ist vorüber: Erik Durm (rechts), hier im Huddersfield-Dress gegen Liverpools Mo Salah, zieht es nach Frankfurt.

Eintracht Frankfurt holt den früheren Nationalspieler Erik Durm von Huddersfield Town und erhofft sich durch die sinnvolle Verpflichtung mehr taktische Flexibilität.

Update 3.7.2019, 13.00 Uhr: Eintracht Frankfurt bestätigt den Wechsel von Erik Durm vom englischen Klub Huddersfield Town zur SGE. Sportvorstand Fredi Bobic: „Es ist schön, dass es gelungen ist, einen 7-fachen deutschen Nationalspieler und Weltmeister von 2014 unter Vertrag nehmen zu können. Erik Durm erweitert nicht nur unsere Möglichkeiten, er ist ein starker Charaktertyp und ein überragender Teamplayer. Erik hat national wie international auf höchstem Niveau gespielt. Diese Erfahrungen sind ein großer Mehrwert für unsere Mannschaft.“

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Erik Durm, irgendwie Weltmeister und irgendwie auch nicht, wird neues Mitglied der Frankfurter Sportgemeinde Eintracht – wenn nichts mehr schiefgeht. Der 27 Jahre alte Verteidiger, der 2014 mit der deutschen Nationalelf in Brasilien den Titel holte, aber kein Minütchen mitspielen durfte, kennt sich aus mit unvorhersehbaren Geschehnissen, damals, im Sommer 2017, wollte er seinen Stammverein Borussia Dortmund verlassen und war mit dem VfB Stuttgart schon klar, ehe die Schwaben kalte Füße bekamen, weil sie eine Hüftproblematik festgestellt hatten, die ihrer Meinung nach eine Operation unumgänglich machte. Der Wechsel scheiterte, die OP wurde durchgeführt, und Durm brauchte lange, um wieder auf die Beine zu kommen. Ein ganzes Jahr sogar. Im Fußball kann sich das wie eine Ewigkeit anfühlen.

Insofern gehen sie bei Eintracht Frankfurt das Thema Durm noch defensiv an, aber klar ist, dass der frühere Nationalspieler das Frankfurter Dress tragen wird, wenn es keine medizinischen Vorbehalte gibt. Mit dem Profi ist alles klar und ausgehandelt. Der dynamische Abwehrspieler, der rechts wie links verteidigen kann, kommt ablösefrei vom englischen Erstligaabsteiger Huddersfield Town, wo er in der vergangenen Saison 30 Pflichtspiele (28 in der Premier League, eine Vorlage) absolviert hat. Der gebürtige Pirmasenser hat auf der Insel nicht die Sterne vom Himmel gespielt, aber eine solide Runde mit einem starken Beginn hinter sich gebracht.

Rechtsfuß auf der linken Außenbahn

Nach dem sang- und klanglosen Abstieg Huddersfields als abgeschlagenem Schlusslicht war für ihn klar, dass er wieder zurück nach Deutschland in die Bundesliga möchte. Der 1.FC Köln hatte Interesse signalisiert und der FC Schalke 04, mit dem Durm konkrete Gespräche geführt hat. Das lag in erster Linie an David Wagner, den neuen S04-Trainer, der den siebenfachen Nationalspieler schon bei der zweiten Mannschaft von Borussia Dortmund und eben in Huddersfield unter seinen Fittichen hatte. „Dave war meine großer Förderer, zu ihm habe ich ein super Verhältnis“, sagte Durm erst kürzlich im „Kicker“.

Doch dann grätschte die Eintracht hinein, und den Rechtsfuß, der zumeist links spielt, überzeugte das Frankfurter Gesamtpaket. Auch der auf Physis ausgelegte Spielstil mit Pressing und vielen Umschaltmomenten behagt dem laufstarken Akteur mit Offensivdrang.

Für Durm ist der bevorstehende Wechsel nach Frankfurt auch so eine Art Neuanfang in der alten Heimat, denn vor seinem Engagement in England hatte er eine nervende Leidenszeit hinter sich. Nach der Weltmeisterschaft 2014 ging es für ihn bergab, in den folgenden vier Jahren kam er auf lediglich 45 Bundesligaspiele, die Liste seiner Verletzungen war lang: Adduktorenprobleme, Entzündung im rechten Knie, Entzündung im linken Knie, Operation am Gelenk, Außenbandriss im Knöchel und eben jene Hüft-OP, die ihn für fast ein Jahr außer Gefecht setzte. Kein Wunder, dass er jetzt sagt: „Es wäre schön, eine komplette Vorbereitung absolvieren zu können.“ Diese Möglichkeit wird der Pfälzer, der in seiner Jugend eingefleischter Kaiserslautern- und daher auch Miroslav-Klose-Fan war (mit dem er bei der Nationalelf übrigens pfälzisch gesprochen hat), in Frankfurt bekommen.

Ablösefrei zur Eintracht

Für die Eintracht ist die anstehende Verpflichtung ebenfalls eine runde Geschichte. Durm ist ein Teamplayer, gilt als reflektierter Typ, „er ist ein toller, bodenständiger Junge“, wie BVB-Sportdirektor Michael Zorc sagte. Das ist für das Binnenklima wichtig, denn es ist kein Geheimnis, dass eine Mannschaft auch von ihrer Geschlossenheit lebt, weshalb gerade ein schwieriger Charakter wie Ante Rebic zuletzt nicht mehr so wirklich ins Gefüge passte. Trainer Adi Hütter bestätigte jetzt via Sky Austria, dass der Kroate mit einem Wechsel liebäugelt: „Kann sein, dass Ante eine neue Herausforderung sucht und den nächsten Schritt gehen möchte.“ Den 25-Jährigen zieht es, wie die FR berichtete, zum spanischen Vizemeister Atletico Madrid.

Erik Durm, der, so ganz nebenbei, auch für die Erfüllung der DFB- und Uefa-Bestimmungen hinsichtlich deutscher Spieler nicht unwichtig ist, kommt ablösefrei nach Frankfurt und liegt auch vom Gehaltsniveau her in einem angemessenen Rahmen, weshalb das Risiko doch arg überschaubar ist – trotz der Verletzungsanfälligkeit des Spielers, der 2012 von Mainz 05 zu Borussia Dortmund gewechselt war und es beim BVB auf insgesamt 64 Bundesligaspiele brachte. Das ist in fünf Jahren nicht die Welt.

Sollte Durm fit bleiben, macht der Transfer durchaus Sinn, denn der Profi passt auch von seiner Spielweise ins Profil der Eintracht, gilt als dynamischer, offensiv denkender Außenbahnspieler. Er kann auf beiden Seiten als Backup für Danny da Costa (rechts) und Filip Kostic (links) einspringen, die in der vergangenen Saison die Dauerbrenner im Team waren.

Oder er nimmt den Platz von Kostic ein, sodass der Serbe eine Position weiter nach vorne rücken würde. Denn Hütter plant insgeheim mit der Viererkette oder will diese Formation zumindest als ernsthafte Alternative etablieren. Der Österreicher hat ein Faible für diese Ausrichtung, das ist bekannt, vor seiner Zeit in Frankfurt ließ er fast ausschließlich im 4-4-2 spielen. „Wir wollen versuchen, variabel und unberechenbar zu sein“, sagt der 49-Jährige jetzt. „Wir wollen auch Spieler holen, die in der Lage sind, in der Viererkette zu spielen. Das hätte uns manchmal gut zu Gesicht gestanden.“ Grundsätzlich wähle er sein System aber so aus, dass „die besten Spieler auf dem Platz sind. Das ist wahnsinnig wichtig.“

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