Rückkehr nicht ausgeschlossen

Zlatan Ibrahimovic hilft Ante Rebic

Kunststück: Zlatan Ibrahimovic glaubt, er kann es noch.
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Kunststück: Zlatan Ibrahimovic glaubt, er kann es noch.

Welche Auswirkungen der Ibrahimovic-Wechsel nach Mailand für Ante Rebic und Eintracht Frankfurt hat.

In der Lombardei stehen die Tifosi, die es mit dem stolzen, aber abgestürzten AC Mailand halten, Kopf, sie sind zlatanisiert, mal wieder. Alldieweil: Zlatan Ibrahimovic kehrt zurück nach Italien, zurück zum AC Milan, und mit ihm, dem 38 Jahre alten Megastar aus Schweden, lebt die Hoffnung auf, dass der morsche und in der Tristesse versunkene Traditionsklub wieder zu altem Ruhm finden kann. Eine mehr als vage Hoffnung.

Die Rossoneri stecken in einer tiefen Sinnkrise, seit fast einer Dekade schon, nach vielen Jahren der Misswirtschaft und der damit einhergehenden Erfolglosigkeit lechzt der Verein nach alter Gloria. Was Wunder: Aktuell liegt der 18-fache Meister und dreimalige Champions-League-Sieger auf Platz elf des Klassements, satte 21 Punkte hinter dem Spitzenreiter – ausgerechnet dem Stadtrivalen Inter. In die kurzen Winterferien wurde die konfuse und kopflose Mannschaft mit einer 0:5-Packung in Bergamo geschickt, der höchsten Niederlage seit 20 Jahren.

Ibrahimovic, der wahrscheinlich exzentrischste Exzentriker aller Exzentriker, ist als Heilsbringer auserkoren. Der Stürmer mit bosnischen Wurzeln traut sich das natürlich zu, obwohl er mit 38 schon über den Zenit seiner Schaffenskraft hinaus ist und zwei Jahre lange fernab der großen Bühne in den USA für L.A. Galaxy kickte. Zur Begrüßung postete er ein Bild von sich, das ihn als Jesus zeigt. Eine Anspielung auf seine Zeit bei Paris St. Germain, als er den vor einem wichtigen Spiel nervös wirkenden Trainer Carlo Ancelotti fragte, ob er an Gott glaube. Als der verdutzte Italiener bejahte, entgegnete Ibrakadabra: „Sehr gut, dann glauben Sie an mich. Jetzt können Sie sich entspannen.“

Ibrahimovic weniger großspurig als gewohnt

Sehr viel weniger großspurig ließ er sich nun zitieren. „Ich kehre in die Stadt zurück, die ich liebe. Ich werde dafür kämpfen, den Saisonverlauf zu ändern.“ Der polyglotte Mittelstürmer verdient für ein halbes Jahr mehr als 3,5 Millionen Euro (exklusive Prämien), in seinem Vertragswerk ist zudem eine Option auf eine weitere Spielzeit eingebaut.

Am 2. Januar wird er zum Medizincheck erwartet, schon im ersten Spiel im neuen Jahr am 6. Januar gegen Sampdoria Genua könnte der geniale und zum Größenwahn neigende Hüne sein Comeback geben. Die Fußballwelt würde ins legendäre San Siro blicken.

Ibrahimovic soll die Flaute im Angriff beheben, die Mailänder haben nur 16 Tore gemacht, die Stürmer lediglich fünf, davon vier alleine der Pole Krzysztof Piatek. Ante Rebic, der bis 2021 aus Frankfurt ausgeliehene Flügelstürmer, geht bisher leer aus, was natürlich auch daran liegt, dass er extrem wenig Spielzeit zugeteilt bekommen hat.

In sieben Kurzeinsätzen kommt der 26-Jährige lediglich auf 177 Einsatzminuten, in den letzten vier Begegnungen wurde er nicht einmal mehr eingewechselt. Sein Marktwert ist in einem halben Jahr um zehn Millionen Euro auf 30 Millionen gesunken. Ein Verfall, der seinem Stammklub Eintracht Frankfurt ein Dorn im Auge ist, denn der Spieler ist ja auch das Kapital des Vereins, das durch seine konsequente Nichtberücksichtigung in Mailand sukzessive vernichtet wird. Die Verantwortlichen beobachten den steten Abwärtstrend des einstigen Überfliegers daher mit einiger Sorge.

Für Rebic wäre Ibrahimovic ein wichtiger Bezugspunkt

Längst gibt es, wie berichtet, Überlegungen, den Frankfurter Pokalhelden wieder zurückzuholen. Möglichst schon im Winter. Ein Szenario, das allenthalben als möglich, aber auch ziemlich kompliziert eingestuft wird. Ob sich durch Zlatan Ibrahimovics neuerliches Engagement bei Milan daran etwas ändert?

Klar ist, dass es für Rebic in der neuen Konstellation nicht einfacher werden wird, auf Einsätze zu kommen. Die braucht er aber, will er nicht auch noch seinen Platz in der kroatischen Nationalmannschaft verlieren. Andererseits, so hört man aus dem heimatlichen Umfeld des Angreifers, freut er sich auf die Zusammenkunft mit dem großen Ibrahimovic, zumal sich der im schwedischen Malmö geborene Torjäger als „Balkanese fühlt“. Sein Vater stammt aus Bosnien, seine Mutter aus Kroatien. „Zu Hause spreche ich meine Muttersprache. Ich kann das Temperament und die Mentalität des Balkans nicht verstecken.“ Für Rebic wäre Ibrahimovic also ganz sicher ein wichtiger Bezugspunkt. Das ist nicht unerheblich, zumal der Draufgänger bei Trainer Stefano Pioli einen schweren Stand hat.

Rebic: Der Knackpunkt ist das Gehalt

Ob Rebic letztlich in Mailand bleiben oder am Ende doch in Frankfurt landen wird, hängt aber weniger an weichen Faktoren. Nach Informationen dieser Zeitung wäre es für den Spieler grundsätzlich vorstellbar, an den Main zurückzukehren, obwohl sein Abgang doch eher holterdipolter und geräuschvoll über die Bühne ging. Auch die Mannschaft würde den eigenwilligen und charakterlich schwierigen Spieler wieder aufnehmen. Sportlich würde er sowieso helfen. Doch der Knackpunkt ist das Gehalt. Rebic verdient in Mailand rund 5,5 Millionen Euro – netto. Viel zu viel für die Eintracht, die dem schnellen Mann deutlich weniger bezahlt hat. Wenn Rebic nicht bereit ist, gehörige Abstriche zu machen, bleibt eine Rückkehr illusorisch. Bisher ist keine neue Bewegung in die Geschichte gekommen.

Die Eintracht sucht, so oder so, händeringend nach einem Angreifer, der Schnelligkeit und Dynamik mitbringen soll, denn die Analyse der Halbserie hat ergeben, dass die Gleichförmigkeit des Spiels mit der fehlenden spielerischen Klasse im Mittelfeld, aber auch mit fehlendem Tempo in vorderster Linie zusammenhängt. Allerdings ist es im Winter verdammt schwer, Stürmer mit Niveau zu bekommen, die nicht Ante Rebic heißen und sofort weiterhelfen. Das hat schon im vergangenen Sommer nicht geklappt.

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