Dortmunds Wunderstürmer 

Erling Haaland: In Leeds geboren, in Salzburg gereift

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Da bin ich: Erling Haaland ist ziemlich schnell in Dortmund angekommen. 

Kassel – Erling Haaland hat nicht lange gebraucht, um bekannter zu sein als sein Vater. Dabei war Alf-Inge Haaland ebenfalls Fußball-Profi.

Und Alfie, so sein Spitzname, steht für eine ganz schmerzhafte Geschichte des englischen Fußballs. Aus der Heimat Norwegen wechselte er 1993 zu Nottingham Forest – als Nachfolger des zu Manchester United abgewanderten Roy Keane. Der Ire, hinlänglich bekanntes Raubein, zog sich 1997 in der Partie gegen Leeds United, wo Alfie mittlerweile spielte, einen Kreuzbandriss zu. Haaland beugte sich über ihn und warf ihm vor, eine Verletzung vorzutäuschen. Die Revanche gab es 2001. Alfie war zu der Zeit Kapitän von Manchester City, im Stadtduell foulte Keane ihn hart – absichtlich wie er später zugab – mit offener Sohle am Knie.

Alfie Haaland beendete seine Karriere kurze Zeit später bereits mit 29 Jahren aufgrund einer Verletzung am anderen Knie. In Leeds, kurz nach seinem Wechsel zu Man City, war da sein Sohn Erling Braut zur Welt gekommen. In England geboren, aber ein Norweger. Wie Vater Alfie spielte der zunächst in der Heimat für Bryne FK. Über Molde FK zog es den mit 1,94 Meter acht Zentimeter größeren Sohn aber nicht nach England, sondern nach Österreich. Zu RB Salzburg. Was heute ja schon ein Indiz dafür ist, dass ein Fußballer großes Potenzial besitzt.

Ein Jahr in der Mozartstadt reichte dem bulligen wie pfeilschnellen Angreifer, um auf den Wunschlisten aller Topklubs Europas ganz oben zu stehen. Bei seinem Champions-League-Debüt für Salzburg traf er beim 6:2-Sieg gegen Genk gleich dreifach. Nur Wayne Rooney und Raul waren jünger, als sie erstmals drei Tore in einem Spiel in der Königsklasse erzielten.

Dass er das auch in der Bundesliga hinbekommt, zeigte Haaland gleich in seinem ersten Spiel für Borussia Dortmund am vergangenen Samstag in Augsburg. Der BVB sicherte sich die Dienste des jungen Wunderstürmers für vergleichsweise läppische 20 Millionen Euro. Eine Investition, die sich wohl auszahlen wird. Denn selbst wenn der Norweger seinen Vertrag, der bis 2024 gültig ist, nicht zur Gänze erfüllt, wird die nächste Ablösesumme um ein vielfaches höher ausfallen. Seine drei Tore innerhalb von 23 Minuten in Augsburg ließen sein ganzes Können erahnen.

Haaland ist ein Schrank, einer mit dem Körper eines Dider Drogba. Er kann Bälle als Mittelstürmer festmachen und auf die schnellen, trickreichen Außen der Dortmunder verteilen. Er hat aber auch selbst ein enormes Tempo, lauert an der Kante zum Abseits, enteilt den Verteidigern und fackelt nicht lange mit dem Abschluss. Gegen Augsburg traf er mit rechts und links, per Kopf kann er es auch. Und Haaland ist dazu einer, der immer besser werden möchte, der wie ein Irrer trainiert. In Salzburg erzählte mal ein Mannschaftskollege: Wenn alle im Bus säßen auf dem Weg zum Auswärtsspiel und Karten spielten, lese Haaland sportmedizinische Bücher. Immer auf der Suche nach Antworten, wie er noch besser werden könne.

Einen Dreierpack als Joker im ersten Spiel für seinen Klub, das gelang vor ihm noch keinem in der Bundesliga (siehe Grafik links). Kein Wunder also, dass Erling Haaland schon jetzt bekannter als sein Vater ist.

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