Traditionsverein vor dem Aus

Nach Insolvenz: Alemannia droht wieder Ärger

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Ex-Bundesligist Alemannia Aachen droht weiterer Ärger.

Aachen - Dem Traditionsverein Alemannia Aachen droht nach der Insolvenz weiterer Ärger. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen angeblicher Insolvenzverschleppung.

Dem insolventen Drittligisten Alemannia Aachen droht weiterer Ärger: Die Staatsanwaltschaft Aachen ermittelt gegen den Ex-Bundesligisten wegen des Verdachts der Insolvenzverschleppung. Den Eingang einer entsprechenden Strafanzeige bestätigte Oberstaatsanwalt Robert Deller dem SID am Montag.

Die Ermittlungen sollen laut Deller klären, „ob das Insolvenzverfahren rechtzeitig oder verspätet“ eingeleitet worden ist. Über die voraussichtliche Dauer der Untersuchungenn gegen die Grenzländer, die für die angebrochene Woche wegen einer Liquiditätslücke von 4,5 Millionen den Gang in die Insolvenz angekündigt haben, machte Deller keine Angaben: „Wir haben aufgrund der Anzeige die erforderlichen Ermittlungshandlungen eingeleitet.“

Dellers Angaben zufolge sind Personen aus den Aachener Führungsgremien „noch nicht“ Gegenstand der Ermittlungen, „wir suchen zunächst nach den Verantwortlichen“. Auf Insolvenzverschleppung steht eine Höchststrafe von fünf Jahren Gefängnis oder eine Geldstrafe.

Parallel zur Aufnahme der Ermittlungen berichteten die Aachener Nachrichten/Aachener Zeitung zu Wochenbeginn über deutlich frühere Kenntnisse des Alemannia-Aufsichtsrates über die prekäre Finanzlage des früheren Europacup-Teilnehmers als bislang bekannt. Demnach soll ein als Steuerberater tätiges Gremiumsmitglied seine Kollegen schon im April per E-Mail vor dem nunmehr öffentlich gewordenen Fehlbetrag gewarnt haben.

Seine Voraussage erläuterte der Finanzexperte als Schlussfolgerung aus den Planungen des inzwischen geschassten Geschäftsführers Frithjof Kraemer für den später eingetretenen Fall des Abstiegs in die 3. Liga. „Die jetzt noch nicht gelegten Fundamente für die kommende Saison können uns bald alles kosten“, hieß es in der E-Mail. Einsparungen in der notwendigen Höhe könnten kaum gelingen.

Alemannia hatte am vergangenen Freitag den Antrag auf ein Insolvenzverfahren angekündigt. Hintergrund von Aachens finanziellen Probleme sind neben dem Zweitliga-Abstieg besonders die Kosten für den Neubau des Tivoli-Stadions.

Ex-Bundesligisten in den Amateurligen

Vielen Traditionsvereinen geht's finanziell schlecht. Sogar von Insolvenz und Abstieg in den Amateurbereich war immer wieder die Rede, so auch bei 1860 München. Die Löwen wurden am Ende gerettet, doch sie wären nicht die erste Mannschaft gewesen, die in den Niederungen des Amateurfußballs strandet. © Getty
Es gibt zwar Beispiele von Vereinen, die wieder auf die Beine gekommen sind. Etwa hat sich Fortuna Düsseldorf von der 4. in die 1. Bundesliga zurückgekämpft und der TSV 1860 von der 3. in die 1. Doch es gibt auch Ex-Bundesligisten, die in der Versenkung verschwunden sind. Sehen Sie hier eine Aufstellung der ehemaligen Bundesligisten, die heute in der 4. Liga oder tiefer spielen. © Getty
KFC Uerdingen: DFB-Pokalsieger 1985, heute Niederrheinliga (6. Liga) © Getty
Waldhof Mannheim: Bundesligist 1983-1990, heute Oberliga (5. Liga) © Getty
Rot-Weiss Essen: Deutscher Meister 1955, heute NRW-Liga (5. Liga) © Getty
Wattenscheid 09: Bundesligist 1990-1994, heute Westfalenliga (6. Liga) © Getty
Wuppertaler SV: UEFA-Pokal-Teilnehmer 1973/1974, heute Regionalliga (4. Liga) © Getty
Bor. Neunkirchen: drei Jahre in der Bundesliga, heute Oberliga (5. Liga) © Getty
FC Homburg: drei Jahre in der Bundesliga bis 1989/90, heute Regionalliga (4. Liga) © Getty
SV Darmstadt: zwei Jahre in der Bundesliga, heute in der 3. Liga (3. Liga) © Getty
Fortuna Köln: Bundesligist 1973/1974, heute NRW-Liga (5. Liga)   © Getty
Lokomotive Leipzig: Europacup-Finalist 1987 und Bundesligist 1993/94 (als VfB Leipzig), heute Oberliga (5. Liga) © Getty
Preußen Münster: Bundesligist 1963/1964, heute in der 3. Liga. © Getty
Stuttgarter Kickers: Bundesligist 1988/89 und 1991/92, heute in der 3. Liga. © Getty
TeBe Berlin: Bundesligist 1974/1975 und 1976/77, heute Oberliga (5. Liga) © Getty
SSV Ulm 1846: Bundesligist 1999/2000, heute Regionalliga (4. Liga) © Getty
Das größte Fahrstuhlteam: Blau Weiß Berlin: Bundesligist 1986/87, heute Bezirksliga (8. Liga) © dpa
Das zweitgrößte Fahrstuhlteam: Tasmania Berlin: Bundesligist 1965/66, heute Landesliga (7. Liga) © dpa

sid

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