Peer Fricke war live dabei 

Erster Derbysieg für St. Pauli gegen den HSV seit 1960: „Derby geht an uns“

Die Spieler feiern: St. Pauli bejubelt den Derbysieg gegen den Hamburger SV – den ersten am Millerntor seit fast 60 Jahren. 
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Die Spieler feiern: St. Pauli bejubelt den Derbysieg gegen den Hamburger SV – den ersten am Millerntor seit fast 60 Jahren. 

Peer Frickes Stimme ist am Tag danach noch brüchig, immer wieder muss er sich räuspern. Er war beim ersten Derbysieg von St. Pauli gegen den HSV dabei.

Fricke ist 52 Jahre alt, stammt aus Köln, wuchs in Bergshausen auf und ging in Kassel zur Schule. Mittlerweile lebt er in Hamburg, ist freier Journalist beim NDR – und hat seit 1987 eine Dauerkarte für das Stadion am Millerntor. Die Heimspielstätte des Fußball-Zweitligisten FC St. Pauli. Natürlich war Fricke auch am Montag im Stadion. Dass seine Stimme 18 Stunden später noch kratzig ist, geschenkt.

Denn jeder, der das 102. Hamburger Stadtderby live miterlebte, der wurde auch Zeuge eines fast schon historischen Ereignisses. Durch einen Treffer von Dimitrios Diamantakos (18.) und ein Eigentor von Rick van Drongelen (63.) gewann St. Pauli 2:0 – und damit das erste Mal seit dem 16. Februar 2011 ein Derby gegen den HSV. Das erste Mal seit 1960 siegte der kleinere Hamburger Verein allerdings wieder am Millerntor gegen den großen HSV. Fast 60 Jahren sind vergangen, seitdem der letzte Heimerfolg für St. Pauli damals noch in der Oberliga gelang.

Verständlich also, dass Frickes Stimme am Tag danach noch nicht ganz wiederhergestellt ist. „Das war sensationell, emotional, intensiv – und unerwartet vom Ausgang“, sagt er. „Der HSV ist relativ gut in die Saison gestartet. Die Erwartung von vielen war daher, dass wir – wie so oft im Derby – verlieren. Optimisten haben mit einem Punkt gerechnet.“

Doch es kam anders. „Wir hatten etwas gutzumachen. Vergangene Saison haben wir am Millerntor 0:4 gegen den HSV verloren. Ein Derby kann man verlieren. Zuletzt haben wir aber mutlos und ängstlich gespielt. Das war am Montag ganz anders. So muss das gegen den HSV sein“, sagt Fricke. Die Stimmung sei selten so früh im Spiel schon so intensiv gewesen, meint der 52-Jährige. „Das lag auch am Spielverlauf. Es ging die ganze Zeit immer hin und her.“

Für Fricke und die anderen St. Paulianer beginnt nun eine Zeit der Genugtuung. „Bei jedem Arbeitgeber in Hamburg gibt es natürlich die unterschiedlichen Lager. Die nächsten Tage und Wochen wird das Derby Thema sein – und die HSV-Anhänger werden ein wenig aufgezogen“, sagt Fricke. Anders als andere sehe er das Ganze aber nicht so verbissen. „Ich tippe, dass der HSV aufsteigt. Mit Dieter Hecking hat er mehr Stabilität und Ruhe im Umfeld. Der HSV kann sich also mit dem Aufstieg trösten, aber das Derby geht an uns.“

Fricke hofft nun, dass der Sieg auch ein Wendepunkt in der Saison wird. „Bislang waren wir defensiv immer sehr anfällig, wir haben drei Neue in der Viererkette. Am Montag stand die Abwehr aber sicher. Ich hoffe, das bleibt so. Das macht Mut, dass wir uns ganz unten raushalten.“

Arbeiten musste Fricke am Tag danach übrigens nicht. In weiser Voraussicht habe er sich freigenommen. „Unser Stadion liegt mitten im Kiez. Da ging es danach noch in die eine oder andere Kneipe.“ Er sei um halb zwei zuhause, andere noch viel länger unterwegs gewesen. Nach dem ersten Derby-Heimsieg seit fast 60 Jahren.

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